Interview mit Olaf Obsommer

Autor: Soulboater
09.12.2004
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Interview mit Olaf Obsommer, Filmemacher und Extrempaddler aus Nußdorf am Inn

(Soulboaters Fragen sind kursiv dargestellt)


Olaf mit Helmkamera




Olaf, der Filmproduzent:

- Wie triffst du die Auswahl der Flüsse und Länder die dich filmisch reizen?

Bis dato eigentlich völlig willkürlich. Manchmal fragen mich andere, ob ich mitkommen möchte oder ich organisiere die Reisen selbst. Sehr oft hat mich Michael Neumann mit zu seinen Reisen genommen. Persönlich reizen mich sowohl bekannte Flüsse und Länder wie auch Neuland. Wichtig ist das ausgewogene Verhältnis zwischen Aufwand, Kosten und Vergnügen.
Dieses Jahr orientierte ich mich an Ländern, die dem Publikum für die Filmtour 2005 einen interessanten Stoff liefern werden.
Der Film soll nicht nur Urgroßmutti oder dem konservativen Oldschool-Paddler gefallen, sondern auch dem supercoolen Youngster, den Extrem- und Schönwetter Paddlern. Mal sehen, ob es gelingt!
2005 steht Russland auf der Wunschliste. Eine Expedition ins Ungewisse. Ansonsten werde ich anzutreffen sein auf der Soca, im Zentralmassiv, Kroatien, Tessin, Piemont, Norwegen, Türkei...oder ist dann schon 2006?



- Bevorzugst du in deinen Produktionen deutsche Paddler (Nüsse-WG) oder suchst du dir da Locals ???????

Die Fußball Bundesliga schaue ich mir selber auch lieber an als die englische oder italienische Liga. Meine Produktionen erfreuen und unterhalten hauptsächlich die Paddler in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Deswegen liegt wohl der Schwerpunkt auf deutschsprachigen Helden. Außerdem war ich schon mit der ganzen Prominenz der Paddelwelt unterwegs und immer wieder bekomme ich zu hören: "zum Glück sind die Germans mit..., dann kann ja nix passieren!"
Es bereitet mir einfach eine große Freude mit den Nüsse-Mädels und -Jungs los zu ziehen, aber auch mit allen anderen Paddler, die in meinen Filmchen ihr Bestes geben.
Lokals nehme ich immer gerne mit, sofern wir welche treffen. Oft aber gibt es in den Gebieten, in denen wir paddeln, einfach keine, so dass wir dann alleine umherziehen müssen. Dazu gehe ich ungern mit Paddlern zum Filmen, die ich nicht kenne. Schließlich kann schnell mal die falsche Motivation aufkommen, wenn eine Kamera läuft. Die Paddler, die ich die letzten Jahre begleiten durfte, würden die krassen und gefährlichen Stellen auch ohne Kamera meistern wollen. Natürlich sind auch einige Park & Huck Aktionen nur entstanden, weil eine Kamera gelaufen ist. Es ist dann eben ein anderes Paddeln. Abends freuen sich alle nicht nur über das Gefühl einer tollen Befahrung, sondern ebenso über faszinierende Filmaufnahmen. Wer meine letzten Filme brav geschaut hat, wird immer wieder die gleichen Paddler sehen: Matze Brustmann, Nico Langner, Jens Klatt, Nils Kagel, Arnd Schäftlein, Daniel Herzig, Sebastian Gründler, Ingrid Schlott, Deb Pinniger, Olli Grau, Manuel Arnu, Tobias Bersch und Bernie Mauracher. Ein Paddler, der in einem Film oder auf Fotos gesehen werden will, muss dazu bereit sein und es 100 % wollen. Jeder von den Genannten hat seine eigenen Gründe und Motive bei einer Produktion mitzuwirken: Zum einen sind sie alle sehr nett und wollen mir gerne helfen, zum anderen sichern sie sich dadurch die Beliebtheit der Sponsoren und zu guter letzt bestimmt wohl auch ein gewisser Grad an Profilneurose jeden Charakter.
Vor allem die Kunst, vor einer schweren Linie im Kehrwasser auf die Sonne zu warten, ohne anschließend die Linie zu verpeilen, ist eine Grundvoraussetzung, um bei einem Film mitwirken zu können. Die oben genannten Paddler erfüllen diese Voraussetzung und sind einige der besten Helden, die ich kenne.


Talk am Husvollelvi in Norwegen


- Hast du vor einem Dreh die Szenen mit den Aufnahmestandpunkte schon im Kopf und nimmst die entsprechende Ausrüstung mit oder wie bekommst du sonst die Filmausrüstung ins Kajak?

Es gibt verschiedene Arten des Filmens.
Zum einen ziehen wir einfach drauflos, Kamera, Stativ mit gedämpften Kopf und Helmkamera im Gepäck. Wenn dann die Sonne herauskommt, halte ich an und packe aus...
Bei Regen nehme ich nur eine Kamera mit. Falls wir wissen, dass uns einige spektakuläre Stellen erwarten, werden die Wasserfälle, Katarakte und Rutschen schon am Vortag besichtigt und die Linien diskutiert sowie Risiken abgeschätzt. Dazu wird besprochen, wer von wo und in welcher Reihenfolge filmt. Wichtig ist auch, wie begehbar die Ufer sind und wo gegebenenfalls ein sinnvoller Sicherungsposten platziert werden kann.
Manchmal sitze ich selbst gar nicht im Boot und begleite die Akteure nur vom Ufer aus. Bei einer Park & Huck Aktion wird ebenfalls im Vorfeld alles abgesprochen. Wenn es sinnvoll ist und ich ein paar außergewöhnliche Einstellungen vorhabe oder Kamerafahrten möglich sind, benutze ich einen 6m-Kamera-Kran (Kamerafahrt: Die Kamera bewegt sich eine zeitlang mit dem Paddler mit und bleibt dann stehen, bis der Paddler aus dem Bild ist). Es gibt auch einige Einstellungen, die bereits in meinem Kopf entstanden sind und nur noch umgesetzt werden müssen. In der Beziehung möchte ich in Zukunft viel mit Kamerafahrten und subjektiven Einstellungen (Kamera wird am Kajak montiert) arbeiten.
Die Kamera wird in einer Pelibox transportiert und der Stativkopf in einer kleinen Tonne. Das Stativ wird ohne Schutz mitgenommen. Die Kamera wird meistens hinter dem Sitz platziert und der Rest zwischen den Beinen verkeilt. Bei schweren Stellen trage ich die Ausrüstung immer zum nächsten Kehrwasser und lade sie erst nach der Befahrung wieder ein. Die Helmkamera passt mit in die Pelibox. Filmen ist sehr zeitaufwendig! Für die Aufnahmen der Wellerbrücke in Sick Line 3 benötigten Olli und ich 4,5 Stunden. Wir waren nur zu zweit und haben uns gegenseitig immer mit zwei Kameras gefilmt. Eine Kamera wurde mit Stativ aufgestellt und die andere geschultert. Ohne Filmen wären wir die 800 m in 40 Minuten gepaddelt.


Fresko Vujkov und Big-O


- Wie viele Szenen landen im Abfalleimer und wie viele Minuten vom gesamten Dreh kannst du verwenden??

Beim Stikine standen mir 18 Stunden zur Verfügung und bei Sickline 3 40 Stunden. Beide Filme sind etwas über einer Stunde lang. Es werden immer nur die besten Aufnahmen verwendet ohne Rücksichtig auf Sponsoren oder die Eitelkeit der Akteure. Letztendlich möchte das Publikum einen schönen Film sehen, was für mich das wichtigste ist. Bei Sickline 3 hätte ich den Film bestimmt noch 20 Minuten verlängern können, ohne dass sich etwas wiederholt hätte. Dieser Überschuss an Filmmaterial entstand, da ich in den letzten drei Jahren viel zu viel gefilmt habe. In Zukunft versuche ich gezielter zu filmen und zu produzieren, d.h. ich gönne mir Befahrungen komplett ohne eine Kamera einzupacken. Dadurch gehen mir zwar manchmal einige tolle Aufnahmen durch die Lappen, aber man(n) kann nicht immer gewinnen.


Nils Kagel am Homerun in Norwegen, Olaf hält alles auf Video fest


Kagelpassage


- Hast du noch neue Filmprojekte in Planung?

Natürlich jede Menge! Einen Film über das Seekajakpaddeln, eine deutschsprachige Lehr- DVD, eine Russland Expedition mit Sebastian Gründler und eine längere Reise in die Türkei. Dazwischen nach Neuseeland und Chile, dort war ich nämlich noch nie.


- Wie steht es mit der Finanzierung eines Films?

Meine letzten Filme wurden von den Firmen Blueandwhite, Prijon, HF, ACG und Kober immer großzügig materiell und finanziell unterstützt. Dazu wurden uns von den Tourismusverbänden vergünstigte Flugtickets, Autos und Fährverbindungen vermittelt. Dafür bin ich auch sehr dankbar. Es ist ein gutes Gefühl, wenn die Wertigkeit einer Produktion richtig eingeschätzt wird. Natürlich reicht das Geld nie aus, um eine Produktion komplett zu finanzieren, da bei Fernreisen hohe Kosten entstehen und wenn der Helikopter ruft, ist das Konto gesprengt und die Kampfkasse leer.


- Ist auch irgendwann was anderes als Paddelvideos geplant (Ski, board, bike) , so wie auch Scott Lindgren z.B.

2005 werden der Udo Neumann (www.udini.com, Macher von LIZENZ zum KLETTERN) und ich eine Gemeinschaftsproduktion über den Verdon starten. Das Projekt trägt den Namen "Verdon Vertigo" und soll die faszinierende Welt des Verdons als vertikalen Spielplatz beschreiben. Paddeln, Klettern und Base Jumpen werden zu sehen sein. Schaut unter folgenden Link nach: http://www.nadventure.com/Galleries/Verdon2005/Verdon.html
Des weiteren hat Olli Grau schon ein Storyboard für einen Skifilm erarbeitet, aber ob ich das Genre irgendwann einmal komplett wechseln werde, weiß ich noch nicht. Mit der Fernsehwelt müsste ich erst noch lernen umzugehen, denn diese besondere Spezies Mensch im Filmbusiness ist gewöhnungsbedürftig. Aber der Mensch ist ja ein Schuft und gewöhnt sich an ALLES.


Alles was man so zum Filmen braucht...


- Deine Videos haben einen Moderator. Sollen sie sich dadurch abheben? (Was bezweckst damit, gibt es dafür einen bestimmten Grund?)

Eine lustige Geschichte finde ich immer gut und der Stikine ist eine Abenteuer Dokumentation und würde ohne Sprecher nicht funktionieren. Der Sprecher muss Informationen geben, die filmerisch nicht umgesetzt wurden oder gar nicht möglich sind. Außerdem hilft ein Sprecher den Zuschauern, die nicht aus der wunderbaren Welt des Paddels kommen, wenigstens einen kleinen Einblick in die Kajakwelt zu gewähren. Nur Porno ist doch irgendwann nicht mehr unterhaltsam, oder?


Die heiligen Hallen von Big-O-Productions.com


- Wann schneidest du das alles – oder hast du da wen, der das macht??

Alles in eigener Regie! Bis dato wurde mir allerdings von vielen netten Menschen geholfen. Meinen ersten Film hat z.B. Udo Neumann geschnitten. Bei dem Film Boof Chicken Boof wurde uns beim Schnitt massiver Drogenkonsum unterstellt. Dies stimmt natürlich nicht. Wir sind auch ohne Drogen zu so einer tollen Leistung fähig! Respekt, oder? Sick Line 1 hat Udo auch noch geschnitten, als dann jedoch Sick Line 2 anstand, meinte er, ich sollte mir lieber eine eigene Anlage kaufen, bevor ich ihm wieder so viel Kohle zahlen müsste. Sehr wahrscheinlich hatte ich ihn so mit meinen ganzen Fragen genervt, dass er froh war, mich los zu sein. Heute steht er mir immer noch Rede und Antwort am Telefon. Allerdings benötige ich seinen Rat nur noch selten. Udo habe ich über Horst Fürsattel (HF) kennengelernt. Als ich auf der Suche nach einem Schnittplatz war, wusste Horst von einem im Videoschnitt umtriebigen Kletterer, der die sonst sehr teuren Angebote unterbot. Motor meiner ersten Filme war Hans Meier (Blueandwhite), der mich drängte nun endlich einen Film auf den Markt zubringen. Hans hat mir vor allem auch die finanzielle Sorgen genommen und mich überzeugt: "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt." Bei Boof Chicken Boof musste ich zum Schluss noch 2000 Euro draufzahlen...
Geschnitten wird von November bis Januar, was bedeutet, dass ich für meine Traumziele wie Chile und Neuseeland einen anderen Rhythmus finden muss, sonst wird daraus nichts.


Manuel Arnu mit dem Videokran


Professionelle Technik - Der Videokran im Einsatz


- Man hört, du willst dir eine Auszeit vom Filmen gönnen, was wirst du tun – wovon wirst du dann leben?

Eine richtige Auszeit nicht, allerdings bleibt abzuwarten was ich in 10 Jahren filmen werde oder ob ich mich völlig neu orientiere. Da ich als gelernter Industriemechaniker (Maschinenschlosser), examierter Altenpfleger und Kajakpornofilmproduzent für den Arbeitsmarkt ohnehin überqualifiziert bin, bleibt mir nur noch der Weg in die Politik. Vorher werde ich mich natürlich um ausreichend und gut qualifizierten Nachwuchs in der Kajakfilmwelt bemühen.


- So, und jetzt zum „Menschen“ Olaf:

- Bist du lieber vor, oder doch lieber hinter der Kamera?

Sowohl als auch. Allerdings bleibt das "vor der Kamera" meistens auf der Strecke, dazu bin ich ja schon ein zu alter Sack und mein Style sieht im Verhältnis zu den jungen Testosteron Bombern aus wie ein Oldschool-Paddler aus dem 19. Jahrhundert. Kurz gesagt, es schaut bei mir einfach nicht mehr so elegant aus.


Alltägliche Arbeitskleidung von Jens Klatt und Nico Langner, als die beiden noch für Olaf gearbeitet haben ;-)


- Kommt das „freie“ Paddeln durch die Filme (und die Schnittarbeit) zu kurz?

Mit Kamera im Boot kann ich mich natürlich nicht so „frei“ bewegen und konzentrieren, da ein Grossteil meiner Aufmerksamkeit sich der perfekten Einstellung widmet. Richtig frei bin ich nur bei einer Solofahrt auf meinen Hausbächen, wie Brandenberger Ache und Teufelsschlucht auf der Saalach. Dort kenne ich jeden Schlag bei jedem Wasserstand und freue mich über jede tolle Bewegung. Alle Aufmerksamkeit fokussiert sich aufs Paddeln. Dies ist natürlich grundsätzlich bei schweren Stellen nötig. Mit Kamera bin ich oft leider zu sehr abgelenkt und bin dann froh die tollsten Ausrede anbringen zu können: "Ich muss leider filmen, fahrt ihr doch den 20 m Wasserfall zuerst!"
Meistens umtrage ich dann anschließend.


In Lyon


- Keine Freizeit durch das professionelle Paddeln, stimmt das?

Wenn du deine Arbeit nicht als Arbeit empfindest, arbeitest du keinen Tag in deinem Leben und hast nur Freizeit. Ich kann mich nicht beschweren und führe für mich ein Traumleben, aber auch die Zeiten, bevor ich durchs Paddeln meine Alpendollar verdienen konnte, waren sehr angenehm. Mal ehrlich, die Deutschen mögen ja in vielem Weltmeister sein, aber im Jammern sind sie immer noch ungeschlagen. Uns geht es doch allen verdammt gut, im Verhältnis zu vielen anderen Menschen auf dieser Welt.


Rauma in Norwegen


- Mehr Risiko für sensationelle Bilder, wie stehst du dazu?

Von mir aus gerne.....nee, nee, war nur ein Spaß. Ich denke dies ist nicht notwendig. Leider sieht es in der Realität anders aus und ich wundere mich, warum noch nicht mehr passiert ist. Die Paddler sind früher schon gewaltige Flüsse und Wasserfälle gepaddelt ohne Kamera und heute ist das nicht anders. Mein Verlangen nach schwerem Wildwasser war vor 15 Jahren schon unersättlich und ist es heute ebenso unverändert. Natürlich ist das jugendliche Gefühl der Unsterblichkeit dahin und ich entscheide mich öfters zu umtragen als in den Jahren davor. TLB „That´s life baby“.

Als der AKC in den 80zigern eine Massenbestürzung des Tatzelwurms (18 m Wasserfall) beschloss, sind gewiss einige nur aus Gruppenzwang im Boot gesessen.
Wenn die Kamera läuft, ist dies heutzutage bei manchem nach Ruhm und Ehre heischenden Paddler leider auch der Fall. Wenn Paddeln sich der gleichen Beliebtheit wie Fußball erfreuen könnte, wäre es vielleicht noch verständlich. Aber Paddeln ist und wird in alle Ewigkeit eine Randsportart bleiben. Also bitte, es sollte niemand für ein gesponsertes Kajak pro Jahr sein Leben verbauen...


Olaf in Aibling


- Stikine, woher die Motivation und die Energie für so einen gewaltigen Fluss?

Jeden morgen zwei rohe Eier und die Kiste läuft. Die Suppe wird immer heißer gekocht als gegessen. Im Verhältnis zu einer 8000er Besteigung war der Energiebedarf für den Stikine wohl eher ein Aufwärmprogramm. Die geglückte Befahrung des Stikines verdankt ihren Erfolg vor allem Olli Graus sehr genauer Planung und Informationssammlung unter emsiger Beratung von Markus Schmid. Wir wussten schon sehr viel über das, was uns erwarten würde, bevor wir überhaupt in den Canyon fuhren. Wer jemals eine Erstbefahrung erleben durfte oder z.B. durch die untere Cannobio Klamm gerauscht ist, weiß den Wert eines solchen Vergnügens einzuschätzen und wird süchtig. Der Stikine war einfach ein wahnsinnig tolles Erlebnis und Abenteuer. So etwas reicht um meine Motivation ins Unendliche gipfeln zu lassen.


Kickflip am Defereggenbach


- Gibt es eine Zukunft für den Rodeosport ?

Man, das heißt nun Freestyle!
Der Rodeosport wird immer wichtiger werden, der Rodeowettkampf zum Luxus. Ich selber nehme zwar an keinem Rodeo...äh ich meine Freestyle - Event mehr teil, fahre jedoch immer noch wahnsinnig gerne Spielboot.

Wem bereitet es kein Kribbeln im Hintern, auf einer Welle zu gleiten und zu carven. Ist doch ein irres Gefühl? Ich glaube eher, dass im extremen Wildwasser Bereich keine Zukunft liegt, da die Szene in den letzten 15 Jahren eher kleiner geworden ist. Aber Rodeo - das ist Zukunft für mich im Paddelsport. Zu den Wettkämpfen kann ich mich nicht wirklich äußern, da mein letzter Freestyle/Rodeowettkampf zwei Jahre her ist. Ich habe aber gehört, dass es für den reinen Zuschauer immer noch nicht super spannend sein soll. So ähnlich wohl wie Wildwasserabfahrt. Rodeowettkämpfe wären bestimmt im Rahmen von Kanu Festivals besser aufgehoben. So kann jeder am Tage seinen eigenen Bedürfnissen frönen und am Abend gemeinsam ein paar Bierchen zwitschern und Gedanken austauschen.


Olaf in Bad Aibling


- Was ist mit Frauen, mit Familie, gibt es da Wünsche?

Ja, ich möchte mit meiner Freundin eine ganze Fußballmannschaft zeugen, dann Trainer der Mannschaft sein und die Fußball - Championsleague gewinnen.


- Gibt es noch Vorbilder oder Menschen, die du bewunderst?

Der Trainer der HSV antwortet kürzlich auf die Frage, wer denn die Helden in seiner Mannschaft seien, mit "niemand"! Die wahren Helden der Gesellschaft seien Menschen wie z.B. seine Schwester, die im Drei-Schichtrhythmus als Altenpflegerin arbeitet. Deswegen hab ich Altenpflege gelernt, um einmal in meinem Leben ein richtiger Held zu sein. Na ja, ganz so krass sehe ich das nicht und bewundere einige Paddler für ihr Können, Style und Leistung, die sie als PADDLER erbracht haben. Steve Fisher ist z.B. so ein super Paddler, bei dem es Spaß macht, beim Paddeln zu zuschauen. Vorbilder sind für mich Menschen die anderen Menschen unter Verzicht aller persönlichen Bedürfnisse helfen.


Olaf filmt Horst "HF" Fürsattel auf der Egua


- Wo siehst du dich in 5 Jahren, was möchtest du erreichen??

Ich denke über ein Comeback im Rodeowettkampf nach, denn da wurde vor fünf Jahren genauso gecartwheelt wie heute und sehr wahrscheinlich in fünf Jahren noch. Sorry, war eine kleine gemeine Spitze gegen das momentane Wertungssystem bei den Freestyle Wettkämpfen.
Nun, meine Fußballmannschaft wird dann noch nicht fertig sein, so muss ich wohl doch noch paddeln gehen...
Auf meinem Schreibtisch liegen jedenfalls keine Zettel, auf denen ich jeden Morgen meine Ziele definieren und prüfe, ob ich sie erreicht habe. Zwei Ziele haben sich aber in meinem Kopf festgesetzt: glücklich und gesund zu sein.


Gefährliche Paddeltouren....


- Kann man als Profipaddler von diesem Sport leben ??

Das kommt immer auf die persönlichen Ansprüche an. Für mich wird es nie wichtig sein, eine Kuba Zigarre zu rauchen. Momentan läuft es zwar sehr gut, doch vom Paddeln allein kann in der ganzen Welt nur Tao Berman leben, alle anderen fotografieren, filmen, guiden zusätzlich oder sind Söhne oder Töchter von Beruf. Wer Profipaddler werden möchte, muss unbedingt seine Fixkosten so klein wie möglich halten, d.h. am besten so lange wie geht bei Mami und Papi wohnen, den Kühlschrank vom Nachbarn plündern und ständig über das zu geringe Taschengeld nörgeln, bis auf die Krankenversicherung alles andere kündigen und nur Jobs mit einem Stundenlohn von 20 Euro annehmen. Zuletzt sollte man natürlich einen Sponsor finden und möglichst wenig dafür tun müssen, sonst habt ihr keine Zeit mehr, paddeln zu gehen. Hört sich nach einem nicht zu komplizierten Plan an, oder? Lernt lieber etwas Gescheites und nehmt eine Auszeit vom Job und reist durch die Welt. Viele Engländer gönnen sich so ein ganzes Jahr und steigen volle neuer Energie wieder in die Arbeit ein und wiederholen dies ein bis dreimal in Ihrem Leben. Ich weiß, dass das in Deutschland oft noch nicht möglich ist, aber vielleicht irgendwann einmal...


Wieder beim Filmen - Nils Kagel bei einer Erstbefahrung in Norwegen


- Was machst du sonst in deiner Freizeit?

Ich gehöre zu den Männern die einen Ball sehen und alles andere in ihrem Leben vergessen, außer Ihrer Freundin...wie heißt sie noch gleich...Ha...... Des weiteren mach ich einmal im Jahr Urlaub vom Paddeln und fahre nach Fontaine Bleau zum Bouldern. Wenn der Schnee kommt, gehe ich gerne Rodeln, Langlaufen und Snowboarden. Gesellige Abende am Lagerfeuer oder in der Küche der Nüsse WG erfreuen mich ebenso wie ein guter Kinobesuch.


Matze Brustmann beim Stürzen in Norway

- Welcher Fluss kommt nach der Brändy in den Alpen?

Die Braenndiiiiiiiie.

 


Olaf filmt Ben Brown in Norwegen


- Verrätst du uns ein oder zwei deiner persönlichen Lieblingsbäche in den Alpen?

Für mich sind es die Brändy, die Inn-Schluchten und die Ötztaler Ache. Alle sind in 1 – 2 Stunden erreichbar.

Würde mich freuen, wenn ich euch alle bei meiner Filmtour 2005 zu Gesicht bekomme. Das Programm Kanu Total ist echt total Kanu verrückt.

Locations: Österreich, Malediven, Kanada, Norwegen.

Vorprogramm:
Montenegro: Erstbefahrung der Tara Schlucht von Walter Frentz im Jahre 1932
Norwegen: Seekajaktour in den Lofoten von Olli Klein.
Schottland: Ein typischer Paddeltag in Schottland von Steve Rogers

Große Tombola: Hauptpreis 1 Wave Sport Diesel (Wird im Dezember 2005 unter allen Besuchern der Kanu Total Filmtour verlost.)

Hauptpropgramm:
• Bowron Lakes: Eine der 10 besten Kanadiertouren der Welt
• Slave: Die zwei Gesichter der größten stromschnellen Kanadas. Heiße Ritts auf 4000 Kubik.
• Skook: Magische Gezeitenstromschnelle in kanadischen Pazifik.
• Extreme Harmony: Wildwasser in Norwegen und Österreich, keine Angst, kein Schmerz, keine Grenzen. Der Nils und Bernie haben es echt krachen lassen!!!
• Fotoshooting mit Profis: Seekajakpaddeln auf den Malediven.

Änderungen vorbehalten!


Nicht vergessen: Sickline 1+2+3, ein Rodeokurzfilm und Stikine zum Weihnachts-Setpreis von 60.-EUR

Glück, Gesundheit, Ruhm, Reichtum und Potenz in alle Ewigkeit wünsche ich euch von ganzen Herzen.

Olaf

Olaf's Webseite: www.big-o-productions.com
Fotos: © Manuel Arnu, Jens Klatt, Michael Neumann, Stephan Glocker, Franz Riegel


Herzlichen Dank, dass du dir Zeit für dieses Interview genommen hast Olaf !!!

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