Interview mit Schorschi Schauf zur Defereggenschlucht-Erstbefahrung

Autor: Darko
31.10.2002
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Schorschi Schauf (32, Guntersblum-Süd/Augsburg), hat vom 20.10.02-22.10.02 die große Defereggenbachschlucht in Osttirol geknackt. Jeder der schon einmal einen Blick in diese Schlucht geworfen hat weiß was dort abgeht. Bislang galt sie als absolut unfahrbar und selbst die Erkundung gestaltete sich aufgrund der extrem schwer zugänglichen Schlucht als sehr schwierig. Jedoch stand die Befahrung des Durchbruchs auf dem Projektplan des ein oder anderen Extremstürzers. Auf den lezten beiden Kilometern vor der Mündung in die Isel bei Huben fließt der Defereggenbach durch einen Durchbruch und baut satte 130 Höhenmeter ab. Die erfolgreiche Befahrung der Schlucht ist Grund genug für uns, etwas mehr über diese Erstbefahrung zu erfahren und darüber zu berichten. Schorschi Schauf, Rheinfall Erstbefahrer von 1997 wird uns jetzt etwas über die Befahrung erzählen. Viel Spaß beim Lesen und mit den Bildern!

SB: Hallo Schorschi!
Schorschi
: Hallo Soulboater

 

SB: Erstmal herzlichen Glückwunsch, Peace & Respekt zur erfolgreichen Entjungferung der Defereggenbachklamm!
Schorschi
: Danke!

SB: Wann bist du auf die Defereggenklamm aufmerksam geworden und wie lang war die Befahrung schon geplant?
Schorschi
: Ich bin vor vier Jahren auf die Defereggenbachklamm aufmerksam geworden als ich den oberen Defereggenbach gepaddelt bin. Ich habe unten reingeschaut und es hat ordentlich gebrodelt. Eine geile Sache dachte ich mir, habe zu diesem Zeitpunkt erstmal davon abgelassen aber die Sache im Kopf behalten und im anderen Gehirn gespeichert. Dann kam wieder der Dolomitenmann und ich habe mir die Schlucht erneut angeschaut, den Robbie Brackenhöfer (Besitzer einer großen Gastwirtschaft am Rißbach, Doppelweltmeister im Telemark, Extremkletterer, guter Freund und Team RedBull Mitglied) kennengelernt und ihm von der Schlucht abends beim Bier erzählt. Wir sind mit Rucksack und Seilen hingefahren, haben uns in die Klamm abgeseilt, sie besichtigt, in der Klamm übernachtet und abends Fische gegrillt. Wir sind die komplette Klamm abgeklettert und haben sie vor meiner Erstbefahrung insgesamt 8 mal komplett angeschaut. Entweder sind wir von unten in die Klamm reingelaufen oder haben uns von der Seite hineingeseilt. Das Hauptproblem war immer der Wasserstand, da die Stellen extrem heftig sind. Unter anderem gibt es eine 12m Stufe mit Platte im Unterwasser, die das Hauptkriterium darstellt, da man nur maximal 50-75cm ins Unterwasser hineintauchen darf. Für die Befahrung dieser Stelle habe ich oft genug auf dem Rißbach geübt, da die Rißbachstufe einen ähnlichen Charakter hat. Man darf dort auch nicht tief eintauchen. Das AKC-Rißbachtreffen war in einer gewissen Weise die Premiere für die Defereggenbachaktion, denn ich dachte mir wenn's am Rißbach bei Hochwasser klappt, wird's auch am Defereggenbach klappen. Und das obwohl der Defereggenbach eine ganze Nummer heftiger ist als der Rißbach bei Hochwasser. Danach sind wir nach Osttirol losgezogen, einmal in der Schlucht gewesen und sind danach wieder heimgefahren. Harald Egger, Weltrekordler im Speedski hat den Jungs von RedBull von meiner geplanten Aktion erzählt und die haben mich dann voll unterstützt, ein Team von Fotografen und Fernsehleuten, Funkgeräte und komplette Kletterausrüstung zur Verfügung gestellt.

SB: Warst du unter Zeitdruck und wusstest Du von anderen Stürzern, dass Diese die Schlucht auch entjungfern wollten?
Schorschi
: Unter Zeitdruck verstand ich es eher den richtigen Wasserstand zu erwischen, da der Idealwasserstand in einer maximalen Spanne von 10-15cm abgepasst werden muss. Ich habe von insgesamt von 4 Teams gewusst, bei denen die Defereggenbachschlucht auf dem Projektplan stand. Auch österreichische Teams waren dran, aber das auch schon seit längerer Zeit.

SB: Du warst auch 2001 in Osttirol. Was verhinderte da eine Befahrung?
Schorschi
: Es war zu wenig Wasser drauf. Bei der 12m Stufe muss man sehr weit hinausspringen, da es dort eine Felsnase gibt die ziemlich weit herausragt und man diese absolut nicht erwischen sollte.

SB: Wie groß war der Aufwand für deine Befahrung?
Schorschi
: Es war ein riesenlogistischer Aufwand, insgesamt waren 15 Leute in der Klamm, davon 4 TV Kameraleute und 2-3 Fotografen.

SB: Welche bekannten Paddler waren im Team und haben Dich abgesichert?
Schorschi: Frank Preuss, Stefan "Förster" Pätsch, Claus Brummer, Uwe Fischer und Robbie Brackenhöfer. Bevor es los ging war ich auf Tour zu Hause bei meinen Eltern und hatte meinen Laptop mit dabei. Online habe ich den Wasserstand abgerufen, gesehen dass der Pegel perfekt war, habe meinen Kaffee ausgetrunken und bin sofort los nach Augsburg. Dort habe ich meine Ausrüstung eingeladen und bin runter nach Osttirol an den Defereggenbach. Mit Frank Preuss bin ich in die Schlucht reingeklettert um mir die 12m Stufe, welche das Kriterium war, anzuschauen. Danach habe ich alle möglichen Leute angerufen und ihnen erzählt das es losgeht. Um 5 Uhr abends gab ich grünes Licht für die Aktion, um 10 Uhr am nächsten Morgen mit der Erstbefahrung angefangen. Insgesamt erstreckte sich die Aktion über 3 Tage, von Sonntag dem 20.10.02 bis Dienstag 22.10.02.

 

SB: Hast du die Schlucht komplett befahren?
Schorschi
: Wir haben 2 Stellen ausgelassen.

SB: Was ging nicht, und wieso?
Schorschi
: Oben ganz am Anfang ging es nicht wegen zu wenig Wasser und zu vieler Siphone. In der Eingangsstufe der ersten Klamm lag ein Baum im ersten Abfall. Wir sind runtergeklettert und haben uns die Stelle angeschaut und dann umtragen. Mittendrin gab es eine heftige Stelle wo ein Baum drinlag. Ich bin diese Stelle gefahren, aber sie war ziemlich unsauber.

SB: Gab es Stellen die du befahren und dabei gedacht hast, hoffentlich komm ich heil durch?
Schorschi
: Nein, ich höre auf mein Bauchgefühl. Wenn was nicht geht, dann fahr ich nicht. Mein Bauch ist meine Lebensversicherung.

SB: Würdest du die Schlucht nochmal paddeln, wenn sie mit weniger logistischem Aufwand zu befahren wäre?
Schorschi
: Das hat mit logistischem Aufwand gar nix zu tun, wenn ich was erstbefahren habe, fahr ich da nicht noch ein Mal. Es ist ein schlechtes Omen für mich selbst. Es ist etwas Aberglaube, aber jeder spinnt auf seine Weise.

SB: Was empfiehlst du Paddlern, die eine Befahrung der Schlucht auch in Erwägung ziehen?
Schorschi
: Viel Erfahrung im schwersten Wildwasser, Leute am Ufer, Funkgerätkontakt um wenn irgendwas passiert, einen Joker zu haben rauszukommen. Das Rauskommen aus der Schlucht ist verdammt schwierig. Desweiteren viel Klettererfahrung und gute Kletterer die Dich unterstützen. Natürlich eine gute Unfall und Bergeversicherung weils sein kann, dass du im Notfall mit dem Hubschrauber rausgeholt werden musst. Die Schlucht ist verdammt heftig und ausgesetzt. Aber dieser Umstand macht mir wieder viel Spaß! ;-)

SB: Wann sehen wir den Fernsehreport über die Befahrung, und auf welchem Sender?
Schorschi
: Die nächste Fernsehsendung wird in den nächsten Wochen auf DSF ausgestrahlt, handelt aber von meinen Befahrungen auf Honduras. Einige Sender haben schon wegen dem Defereggenbach angefragt, die Planung was wann und wo ausgestrahlt wird, macht mein Team.

SB: Was steht als nächstes auf dem Projektplan??
Schorschi: Erstmal nach Neuseeland fliegen. Sobald es in Deutschland nach dem Winter wieder 15°C hat, komme ich zurück. Ich plane 2003 ein 3/4 Jahr in Ulla einzuziehen und durch Europa zu fahren.

SB: Schorschi, wir danken Dir für dieses Interview und wünschen Dir viel Spaß in Neuseeland!

Interview vom 31.10.2002, geführt von Darko Pelikan,

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© Bilder by Team Schorschi Herzlichen Dank für die Bilder an Matthias Kehm, Schorschi.com

weitere Infos und Bilder auf Schorschi.com

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