Im Porträt: Extrempaddler Ronald Krummrich

Autor: Sandra Rosenkranz
26.01.2012
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Der erfahrene Wildwasserkanute Ronald Krummrich aus Sömmerda sucht auf der ganzen Welt die Extreme: Eine Welle nach der anderen. Zwischendurch paddeln ohne nachzugeben. Wasserschlucken im rasanten Tempo auf dem Wildwasser, die Hänge zwischen Felsen hinab.

Es klingt extrem, ist extrem und der Lieblingssport von Ronald Krummrich.

„Alles andere ist irgendwie langweilig.“

Der Sömmerdaer sucht die Herausforderung und findet sie im Kanu-Wildwassersport.

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Er kämpfte um internationale Platzierungen. Die DDR-Meistertitel gehören zu seinen größten Erfolgen. Heute profitieren von seinen Erfahrungen die Nachwuchskanuten. Krummrich ist Trainer beim SV Concordia Erfurt.

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Die Ötztaler Ache mit den wilden Wasserläufen und Hängen hatte es ihm angetan und ist noch heute seine Lieblingsstrecke, auch wenn er neben dem Alpenraum in Südafrika, Kalifonien, Norwegen, Italien und Chile auf Tour war. Auf Korsika gibt er selbst Kurse im Rahmen seiner Kanuschule.

Um die höchsten Wildwasserstufen zu erreichen, trainiert Ronald Krummrich hart und jeden Tag. Für ihn gibt es auch im Winter keine Trainingspause.

„Ich höre erst auf zu trainieren, wenn ich mein Paddel nicht mehr aus dem Wasser bekomme, weil das Eis daran zu schwer wird.“

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Er ließ sich vom Extremkanuten Gert Spilker ausbilden und für die schwierigsten Wildwasser-Passagen fit machen. Sein bisher höchster Wasserfall maß 16 Meter.

 „Das Extreme kommt von ganz allein. Man geht auf einen Fluss bis es zu langweilig wird“, erklärt er lächelnd.

Die Wildwasserstufen differenzieren von Stufe eins bis sechs. Er bevorzugt ausschließlich die höchsten. Vier Mal startete er beispielsweise bei der adidas Sickline Extreme Kajak WM auf der Ötztaler Ache mit Stufe fünf.

Allerdings überlässt er solche Wettkämpfe jetzt den jungen Leuten.

„Ich bin mittlerweile der älteste Teilnehmer“, so der 48-Jährige, der heute als Trainer die Wettkämpfe begleitet. Das mitreißende Wildwasser gibt die Geschwindigkeit vor und fordert mitunter Tribut. Die kleinen Finger und vier Rippen hat sich Krummrich bereits gebrochen.

„Es gab auch Situationen, in denen ich keine Luft mehr bekommen habe. Aber bewusstlos rausziehen musste mich noch keiner.“

Er sieht sein Paddel als Lebensversicherung. Es darf nicht brechen. Um anderen Kanuten jederzeit zu helfen, ist der Erste-Hilfe-Kurs Pflicht.

„Da kann nicht einfach mal schnell der Krankenwagen kommen“, weiß Krummrich.

Er selbst wandert zu einigen Strecken, die nicht mit dem Auto erreichbar sind, mit dem 20 Kilo schweren Kajak und dem entsprechenden Rüstzeug auf den Schultern. 

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Seine schönste Tour fuhr Krummrich allerdings auf dem Sambesi in Afrika.

„Die Bedingungen waren traumhaft: Wildwasser Stufe fünf, 24 Grad Wassertemperatur, 40 Grad Lufttemperatur “, schwärmt er.

Das Wildwasser hat ansonsten eisige Temperaturen. Ohne Kälteschutz geht es nicht.

„Nach acht Minuten im Wasser ist Ruhe und nach 15 Minuten gibt es wenig Chancen, lebend da rauszukommen“, so der Sömmerdaer. Ronald Krummrich glättet aber nicht nur regelmäßig das Wildwasser. Sein Sportprogramm ergänzt er mit Laufen, Krafttraining, Skifahren, Bergsteigen und Mutay-Boxen.

„Ich will hoffen, dass es mich jung hält.“ 

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Zur Person • Ronald Krummrich: Jahrgang 1963, verheiratet, zwei Töchter • Kanute seit 1974, bis 1982 Leistungssportler, davon zwei Jahre in der Junioren-Nationalmannschaft der DDR • gelernter Buchdrucker und Kanulehrer • eigene Druckerei und Kanuschule (2009), Trainer in Erfurt, Raftguide und Kajaklehrer in Markkleeberg • Ausbildung zum „safety-Kajaker“, Rettungsschwimmer, Einsatz als offizieller DKV-Trainer • Mitglied im Alpiner Kajak-Club, im SV Concordia Erfurt und im Deutschen Alpenverein Kanusport • fast ausschließlich Outdoor-Sportart • Winterpause von Oktober bis März/Überbrückung mit Hallenslalom • Grundausrüstung (Kosten bis zu 1000 Euro): Boot, Schwimmweste, Sturzhelm, Spritzdecke, Paddel und Wassersachen wie Paddeljacke, Trockenjacke • Arten: Rennsport, Slalom, Wildwasser, Marathon, Drachenboot, Polo, Segeln, Freestyle, Rafting und Outrigger • Kanu-Untergruppen: - Kanadier (meist offenes Kanu, sitzend oder kniend gefahren und vorwiegend mit Stechpaddeln bewegt) - Kajak (Fortbewegung mittels Doppelpaddel, in Fahrtrichtung sitzend) Geschichte • Die Indianer des nördlichen amerikanischen Kontinents benutzten das (kanadische) Kanu, die Eskimos den Kajak. In Deutschland baute man Mitte des 19. Jahrhunderts Kanus und nannte sie „Grönländer“. 1905 wurden die ersten Faltboote konstruiert. Die ersten deutschen Meisterschaften waren 1919. Thüringen • Thüringer Kanu-Verband e.V. (Geschäftsstelle) Naumburger Str. 34 in 07743 Jena 03641/421907 E-Mail: volker.reichel@kanu-thueringen.de www.kanu-thueringen.de • Vereine in Thüringen: ESV Lok Meiningen; JenaerKanu- und Ruderverein; Kanu-Club Rennsteig Hörschel/Werra; Kanuclub Sömmerda; Kanu- und Gymnastikclub Weimar; Kanu- und Wanderverein Artern; Meininger Kanu-Sport-Verein; Nordhäuser Sportverein Abteilung Kanu; Rudolstädter Kanu Verein; SV Concordia Erfurt Abteilung Kanu; SV Jenapharm Jena Abteilung Kanu; SV SCHOTT Abteilung Kanu; SV Turbine Hohenwarte Sektion Kanu; TSV 1880 Gera-Zwötzen Abteilung Kanu; USVJena Abteilung Kanu; WSV Rosenthal Abteilung Kanurennsport Internet www.alpiner-kajak-club.net www.soulboater.com www.sickline.com www.kanumagazin.de www.ww-roni.de

Dieser Artikel erschien in meinAnzeiger.de

Autorin: Sandra Rosenkranz

Bilder: Dirk Schwethelm und Jan-Peter Reichardt

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