In Memoriam an Viktor

Autor: Sebastian Gründler
09.11.2018
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Zu unserem Entsetzen mussten wir erfahren, dass unser langjähriger Kajakfreund Viktor Klaus am Mittwoch vor einer Woche bei einer Wildwassertour in Slowenien tödlich verunglückt ist.

Im Gedenken an ihn veröffentlichen wir deshalb erneut diesen Bericht von Sebastian Gründler über eine seiner Expeditionen nach Sibirien.

Kajakexpedition ins Kodar-Gebirge - Wildwasser im Herzen Sibiriens

- Mitte August kehrten Sebastian Gründler, Jens Reinhold, Stephan Huber und Viktor Klaus von ihrer Wildwasser-Expedition in das nordöstlich des Baikalsees gelegene Kodar-Gebirge zurück. Ziel der Expedition war die Erkundung der bislang unbekannten Nebenbäche der Sygykta im völlig unerschlossenen Kodar-Nationalpark. "By fair means", also ohne technische Unterstützung, beförderten die vier Paddler ihre Ausrüstung über den 2300 Meter hohen Bärenpass, um sich dann in das Wildwasser im Herzen Sibiriens zu stürzen.

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Nach einer - für russische Verhältnisse - reibungslosen Anreise über Irkutsk und den Baikalsee begann ein schweißtreibender Anstieg auf längst verfallenen Gulag-Wegen. Mit speziell angefertigten Tragesystemen schleppten die vier Extremsportler jeweils 60 Kilogramm Ausrüstung - darunter auch die fast drei Meter langen Wildwasserkajaks der Firma Eskimo - fünf Tage lang über den Bärenpass im Herzen des Kodar-Gebirges. Die Passüberschreitung selbst gestaltete sich als schwieriger als erwartet: Die Boote mussten in einer fast senkrechten Rinne 100 Meter abgeseilt werden. Viktor Klaus verlor dabei im Steinschlag einen Fingernagel.

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Anschließend konnten die Vier per Kajak die Lednikovaya, die schließlich in die Sygykta mündet, erstbefahren. Aufgrund des extrem schweren Wildwassers war der Transport des Gepäcks in den Booten noch nicht möglich. Sämtliche Strecken mussten zusätzlich zweimal zu Fuß gegangen werden. Da sich der Pfad immer wieder in der wilden Vegetation verlor, wurde dieser Abschnitt zu einer drei Tage dauernden Strapaze. Endlich auf der Sygykta, die zum Erreichen der Nebenbäche benutzt wurde, kam die Gruppe auf Plaisir-Wuchtwasser schnell voran. Leider machten extreme Regenfälle das Erkunden der ersten zwei Nebenbäche unmöglich.

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Am dritten Bach gelang ein Vorstoß bis zur untersten Klamm. "Da war aber zehn Mal soviel Wasser drin, wie wir aufgrund der Beschreibungen der Russen erwartet hatten. Eine Befahrung dieser Extremstrecken war absolut unmöglich," berichtet Sebastian Gründler aus München. Auf dem Rückweg in die Zivilisation überquerte das Team noch den Oron-See und brachte weitere 260 Kilometer auf dem mächtigen Strom Vitim hinter sich.

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Für die Erfüllung Ihrer Expeditionspflichten müssen die Paddler wohl wiederkommen, was ob der fantastischen Landschaft und der traumhaften Flüsse auch sicherlich kein Problem wäre – wenn die Kontaktperson in Ostsibirien nicht schon wieder diese unglaublichen Bilder aus dem Gebirge nebenan geschickt hätte...

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