Korsika - Eine Insel nicht nur für Stürzer -

Autor: Christian Zicke
11.01.2008
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- Christian Zicke war wieder mit seiner Kanuschule unterwegs, diesmal auf Korsika. Den ersten Teil seiner Tourbeschreibungen könnt ihr jetzt auf Soulboater.com verfolgen:

Bericht über korsisches Wildwasser im 3. und 4. Schwierigkeitsbereich

Teil I, Tavignano und unterer Vecchio
 
Dieses Jahr ging es das erste Mal mit einem Kurs nach Korsika. Da wir schon etliche Male auf der Insel waren, hatten wir ein gutes Gefühl bei der Planung. Anders jedoch unsere Teilnehmer. Sie befürchteten, dass Korsika ausschließlich mit Killer-Wildwasser im fünften und sechsten Grad aufwartet. Und diese Befürchtung kommt nicht von Ungefähr - viele Magazine und Videos berichten fast ausschließlich von Korsikas Stürzerflüssen.


Trotzdem konnten wir einige Paddler davon überzeugen, mit nach Korsika zu kommen und die Schönheit der Insel kennen zu lernen. Zusammen mit Uwe, Andrea, Alex und Lutz starteten wir also Mitte April über bundesdeutsche Autobahnen in Richtung Nizza – von dort aus soll nämlich in wenigen Tagen unsere Fähre gehen.


Damit die Tour nach Korsika nicht zur Strapaze wird, beschließen wir im Vorhinein, uns mit allen Teilnehmern am Var, 80 Kilometer vor Nizza, zu treffen. Hier warten bei unserer Ankunft auch schon Sandra, Heiko, Bernd, Micha und Sebastian auf uns. Am nächsten Morgen werden noch Robert und Tom zu uns stoßen.


Nach einem kurzen Blick in den Var entschließen wir, den Tag entspannt am Campingplatz eigenen See zu verbringen. Der Var ist staubtrocken. Nur drei alte Männer, ausschließlich mit einer Spritzdecke bekleidet, lassen uns kurz überlegen, ob wenigstens das gute Wetter zu einer Paddeltour einlädt. Bernd, Micha, Sandra, Heiko und Robert lassen sich überzeugen, doch wir verbringen unsere Zeit lieber mit Ziegenkäse und Kajakrolle. Unsere Entscheidung bereuen wir gute drei Stunden später nicht, mit vielen neuen Kratzern im Unterschiff kommen die Helden der Varschlucht am Camp an.


Am nächsten Morgen geht es nach Nizza. Nachdem wir die Promenade der Reichen und Schönen hinter uns gelassen haben, stehen wir im Hafen und warten auf die Fähre. Das Wetter ist großartig!

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Nach einer ruhigen und angenehmen Überfahrt kommen wir in Bastia an. Nun ist es nicht mehr weit bis zum ersten Bach, dem Tavignano. Einige eingefleischte Korsika-Fans werden jetzt denken, „warum starten die Jungs und Mädels denn ihren Korsika-Trip nicht mit dem Golo?" Stimmt. Normalerweise starten die meisten Korsika-Touren am kraftwersabhängigen Golo. Doch da wir an einem Samstag Abend ankommen, ist davon auszugehen, dass am Sonntag kein Wasser läuft.


So lassen wir also den Golo rechts liegen und brausen direkt zum Camp am Tavignano und bauen unsere Zelte auf.


Nach dem Aufbau gibt es eine Runde lecker Weinchen und dann geht es ab ins Zelt.
Am Sonntag starten wir mit einem ausgiebigen Frühstück, dann fahren wir zum Bach. Heute steht der obere Tavignano bis zum Campingplatz auf dem Programm. Die Strecke ist knapp 15 Kilometer lang und führt durch einige kleine Niedrigklammen. Das Gesamtgefälle dieser Etappe ist nicht besonders hoch, trotzdem kann man sich auf dieser Strecke super an die korsischen Bäche gewöhnen, da sich das Gefälle nicht gleichmäßig, sondern in kleinen Stufen und Rutschen abbaut. So ist der Abschnitt trotz WW II-III- schön steinig und teilweise recht steil.

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 Auf der zweiten Hälfte, ab der Straßenbrücke bei der Mündung des Vecchio, wartet noch eine schöne Spielwelle. Außerdem folgt ein stark verblocktes Teilstück, das uns zum trainieren von Kehrwassertaktiken und -techniken einlädt, sowie eine kleine aber feine, etwas rückläufige Stufe.

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Am Campingplatz angekommen sind wir erschöpft von der langen Tour und widmen uns dem Abendessen. Zum Abendessen geht es nämlich in die beste Pizzeria der Welt, nach Corte.


Am zweiten Tag steht die legendäre Tavignano-Schlucht an. Unsere Freunde sind leicht nervös, da diese landschftlich hervorragende Schlucht im Flussführer mit einer satten IV+ beschrieben ist. Wir beruhigen und erklären, dass die Schlucht bei unserem niedrigen Pegel wohl kaum den vierten Schwierigkeitsgrad erreichen wird.


 Und so ist es dann auch. Die schwerste Stelle weist mit einer guten III+ auf, Höhepunkt dieser Etappe ist eher die wunderschöne Schlucht in hervorragender Landschaft. Der Tavignano zeigt sich von Anfang an als fairer Sportkamerad. Langsam steigern sich die Schwierigkeiten, nach Umtragen der großen Staumauer

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fließt der Bach beschaulich dahin.

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In der Klamm, in der sich der Tavignano bis auf wenige Meter verengt, steigern sich die Schwierigkeiten dann bis auf Wildwasser III+.

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Nach diesem Höhepunkt wird es wieder leichter. Kleine Wasserfälle rieseln in die Schlucht, bevor die Fahrt auf dem Tavignano an der Straßenbrücke der N 200 endet.
 
Nach kurzer Autofahrt sind wir wieder am Camp und planen die Etappe für den nächsten Tag. Wir beschließen, die 45 Minuten Fahrt auf uns zu nehmen und am nächsten Tag zum Golo zu fahren.
 
Am Golo angekommen, warten wir direkt unterhalb des Kraftwerks, um genau sehen zu können, wann die netten Herren des Wasserwerks uns das nötige Nass schenken. Um Punkt 12 Uhr geht die Turbine an und der Bach füllt sich mit Wasser. Euphorisch laden wir ab, springen in die Neoklamotten, um dann festzustellen, dass die bösen Kraftwerker die Wasserzufuhr wieder abgestellt haben. Schade!


Wir beschließen nicht sofort aufzugeben und starten einen Sitzstreik um unseren Standpunkt zu vertreten. Nach einer guten Stunde beschließen wir, Bernd vorzuschicken und auf französisch den Stand der Dinge abzufragen. Das Ergebnis ist ernüchternd – heute wird es kein Wasser mehr geben. Wir fahren also wieder Richtung Camp und entschließen, unterwegs einmal in den Vecchio zu sehen – und tatsächlich – Das Bachbett ist ausreichend gefüllt.


Der untere Vecchio ist ein klassischer korsischer Fluss im 3. Schwierigkeitsbereich. Er führt in der Regel wenig Wasser bei starkem Gefälle, das Bachbett ist mit großen Kieseln verlegt und stark verblockt.

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Direkt am Anfang, nach 200 Metern kommt der erste gefällstarke Schwall, hier lassen sich die Schwierigkeiten gut abschätzen. Wem dieser Schwall zuviel ist, der sollte besser den Weg zurück einschlagen. Wer sich hier einigermaßen zurecht findet, der fahre bitte weiter.

Die Straße bleibt beim unteren Vecchio immer in erreichbarer Nähe. So ist ein Fahrtabbruch in der Regel kein Problem. Bei einem Pegel an der Einstiegbrücke von über 160cm wird der untere Vecchio schneller und erreicht dann auch an einigen Stellen den IV. Schwierigkeitsgrad. Bei unserem Pegel von 145 cm an der Einstiegsbrücke ist der Vecchio langsam und stark verblockt. Er erreicht hier höchstens Wildwasser III+.

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Der Ausstieg befindet sich an der Brücke, kurz vor der Mündung in den Tavignano. Einige unserer Gruppe entschließen sich, noch bis zum Camp weiterzupaddeln. Die andere Hälfte steigt an der Brücke aus und bereut die Entscheidung auch nicht, als die Motivierten unter uns völlig KO kurz vor der Dämmerung am Camp eintreffen.
 
Infos zu Tavignano und unterem Vecchio

Camp:
Der Campingplatz Estrella befindet sich, unscheinbar gelegen, knapp einen Kilometer vor dem Stauwehr vor der Tavignanoschlucht. Wenn man von Corte über die N200 kommt, dann kommt auf der rechten Seite ein beschilderter Campingplatz. Diesen rechts liegen lassen und noch gut drei Kilometer weiterfahren bis rechts ein Camp ohne Beischilderung folgt. Die Übernachtung kostet hier ca. 4,- Euro, der Besitzer ist sehr nett, spricht auch englisch und wohnt gegenüber des Campingplatzes in einem Bauernhaus, das man über eine schlechte Straße, die zwischen einigen Weiden entlang führt, erreichen kann. Campieren entweder auf sonniger Wiese oder zwischen wilden Bäumen im Naturcamp. Dieser Platz ist von Eseln umzingelt und der Gesang dieser possierlichen Tiere wiegt einen nicht selten in den Schlaf.

Oberer Tavignano:
Einstieg an einer Parkbucht, von der ein kleiner Weg zum Fluss führt. Ca. 15 Kilometer vom Campingplatz den fluss hochfahren. Auf der rechten Seite parken und Boote zum Bach tragen.
Ausstieg: Direkt am Camp, am Beginn des Stauwassers des Wehres.
Schwierigkeit: WW II – III
Besonderheiten: Landschaftlich schön, geht auch wenn das Wasser auf der Insel knapp ist.

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Einstieg am Camp.
Ausstieg An der großen Straßenbrücke der N200
Schwierigkeit: Bei normalem Wasserstand WW II – III (III+); Auch bei Mittelwasser nicht über WW IV; bei Hochwasser vorsichtig sein, von oben reinschauen geht, raustragen an einigen Stellen eher nicht.
Besonderheiten: Das Wehr muss durch die Bootsgasse rechts umtragen werden. Die Bootsgasse geht auch nach 1000fachem Betätigen des Knopfes nicht auf. Das Wehr auf keinen Fall fahren, da hat sich schon so mancher verletzt. Die Schwierigkeiten steigern sich in der Schlucht langsam, alles ist gut auf Sicht fahrbar, es kommen keine „fiesen Stellen“. Es gibt nur wenige Stellen, die über den III. Grad hinausgehen.


Unterer Vecchio:
Einstieg: Man fährt vom Camp einige Kilometer flussauf, verlässt die N200 dann nach links Richtung Nocetta. Biege nach der Müllhalde und der Farm nach links auf die D21 ab. Nach 200 Metern kommt dann die Nocetta-Brücke. Hier ist der Einstieg und auch der Pegel. Ab 140 cm fahrbar.
Ausstieg: An der Straßenbrücke der N200
Schwierigkeiten: Bei wenig Wasser Wildwasser III-III+. Ab 160 cm an der Nocetta-Brücke an wenigen Stellen bis Wildwasser IV-.
Besonderheiten: kontinuierliches Wildwasser, Fahrtabbruch möglich, superschöne Wasserfarbe am Gumpen am Einstieg.

Text: Christian Zicke, www.sweetwaterconcepts.de
Fotos: Christian und Uwe aus Berlin

 

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