Korsika - eine Insel nicht nur für Stürzer - Teil II

Autor: Christian Zicke
18.01.2008
0 / 0

 - Nach Tavignano und Vecchio machten wir uns auf zu einem Trip über die Insel. Über Corte fuhren wir Richtung Ajaccio, von dort aus schauten wir uns den Rizzanese, den Cruzzini und die Liamone an. Doch leider fanden wir in diesen Flüssen nicht genügend Wasser für eine Befahrung. Wir fuhren also weiter zu einem Bach, der mit Sicherheit laufen sollte. Wir fuhren zum Taravo.

co01_500

Der Taravo ist einer der größten und wasserreichsten Flüsse der Insel, wir sind ihn schon etliche Male gepaddelt, auch in Jahren mit absoluter Trockenheit. Der Taravo bietet dem ambitionierten Paddler vier verschiedene Abschnitte von WW III+ bis V. Wir schauten uns die vierte, unserer Meinung nach unkomplizierteste Etappe des Taravo an.
 
Doch auch hier ist der Blick in den Bach eher ernüchternd. Der Taravo sieht ziemlich trocken aus. Aufgrund tagelanger Abstinenz beschließen wir aber trotzdem einzusteigen und eine Befahrung zu versuchen. Die unterste Etappe kann man nämlich auch nach einem Kilometer abbrechen und den Fluss über einen Trampelpfad verlassen.

co03_500

Wir steigen also ein und paddeln los. Der Fluss ist ziemlich schrabbelig, die Boote haben mehr Stein- als Wasserkontakt. Alle Durchfahrten sind sehr eng, steinig und schlitzig.

Nach dem besagten Kilometer beschließen wir einen Krisenstab einzurichten. Die Meisten von uns beschließen, die Befahrung abzubrechen. Mit einer so großen Gruppe würde die Strecke einfach viel zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Also machen wir uns zu fünft auf den Weg, um den unteren Taravo bei diesem niedrigen Wasserstand abzuchecken. Vielleicht lohnt sich eine Befahrung ja doch und wir können am nächsten Tag doch noch einmal mit der ganzen Gruppe hier antreten.
 
Auf den nächsten vier Kilometern fließt der Taravo mit viel Gefälle durch ein stark verblocktes Flussbett.

co04_500

co05_500

Immer wieder versperren große Riegel und Blöcke die Sicht, einige Male müssen wir Scouten, Boofen, Rüberrumpeln und auch die ein oder andere Stelle umtragen. Die vier Kilometer Lange Tour im sehr steinigen vierten Schwierigkeitsbereich raubt uns eine Menge Kraft.

co06_500

co08_500

Nach drei Stunden kommen wir erschöpft aber glücklich am Ausstieg an. Hier wartet der Rest der Truppe, sichtlich überrascht, dass wir so lange für die paar Kilometer gebraucht haben...
 
Wir entschließen bei einem Tässchen Kaffee, dass wir hier im Westen wohl kein Wasser mehr antreffen werden. Deshalb brechen wir das Lager noch am selben Abend ab und orientieren uns wieder in Richtung Norden. Vielleicht finden wir ja auf dem Weg über die Ostküste noch einen paddelbaren Fluss. Oder hat es vielleicht am Asco oder am Golo noch ein wenig geregnet...?
 
Infos und Fakten zum Taravo
 
Camp an der Küste:
Am Besten campt man am Meer zwischen Porto Pollo und Propriano. Zwar dauert die Fahrt vom Camp bis zum Taravo im Schnitt 45 Minuten, doch das Campen am Meer macht sich bezahlt. Der Sonnenuntergang an der Westküste ist einfach enorm schön.


Wildcampen: Ein tolles Wildcamp befindet sich am (um diese Jahreszeit) geschlossenen Campingplatz bei Porto Pollo. Die Anfahrt über eine ausgewaschene Huckelpiste erfordert aber Bodenfreiheit und nach Regenfällen auch Mut zur Wasserdurchfahrt. Zu diesem Wildcamp gelangt man, wenn man von der Hauptstrasse nach Porto Pollo fährt und dann an der Apotheke links zum Campingplatz abbiegt. Bitte nicht auf dem Campingplatz campen und ordentlich benehmen!! Sonst kriegt ihr Ärger mit mir oder dem äußerst sympatischen Campingplatzbesitzer! Auch Fischer und Jäger nutzen diesen Strand. Bitte nicht zu einnehmend sein. Vorsicht: Kein Trinkwasser. Der nächste offene Laden befindet sich in Propriano!
Campingplatz: Viele Campingplätze zwischen Porto Pollo und Propriano.
Camp am Bach:
Am Einstieg zur zweiten Etappe, an der alten Brücke, direkt am Einstieg. Hier im Macchia-Wäldchen, unter der Brücke. Hier gab es noch nie Schwierigkeiten mit den Einheimischen, dafür aber mit aufdringlichen Widschweinen. Bitte auch hier ordentlich benehmen. Viele Bauern und Grundbesitzer nutzen diesen Weg über die Brücke. Lasst ihnen Platz.
 
Flussbeschreibung:
Laut Flussführer des DKV ist der Taravo „einer der schwersten Flüsse Korsikas“. Der Taravo kann, vor allem auf den oberen beiden Etappen auch bestimmt mit Fium Orbo, Travo und Co mithalten, doch finden wir ihn insgesamt schon etwas leichter.
Wir denken, dass sich die 2.- 4. Etappe (Die Befahrung des Taravo teilen wir in 4 Etappen ein) im dritten bis fünften Schwierigkeitsgrad bewegt. Allerdings gibt es auf jeder Etappe auch korsische Highlights wie Syphone und Unterspülungen.


Etappe I (die oberste Etappe)
Sind wir noch nicht gefahren.


Etappe II
Die zweite Taravo-Etappe beginnt leicht, in einem ruhigen Kiesbett. Sie wird aber bei Schluchtbeginn schlagartig schwieriger. Die Schwierigkeiten belaufen sich in der ca. vier Kilometer langen Schlucht dann auf WW IV, bei viel Wasser kommen einige Stellen auch auf WW V. Eine Stelle ist bei wenig Wasser ein absoluter Fiesling und wird in der Regel links umtragen (mindestens WW V+). Bei mehr Wasser ist diese Stelle immer noch ein fragwürdiges Vergnügen, an dem sich auch schon Pro-Paddler die Zähne ausgebissen haben. Alle Stellen können aber gut angesehen und umtragen werden. Diese zweite Etappe des Taravo ist eine meiner absoluten Lieblings-WW-Strecken. Doch bitte bei der persönlichen Erstbefahrung genügend Zeit einplanen. Fahrzeit: 2-6 Stunden :-)
Einstieg: Fahre vom Ausstieg die flusslinke Straße hoch. Du siehst dann nach längerer Fahrt links eine Schotterpiste die zum Fluss führt. Nehme diese nicht. Nehme die zweite Schotterpiste zum Fluss! Nach ca. 600 Metern sollte diese Straße an einer kleinen Brücke enden. (Tipp: Besitzt du ein wertvolles Auto mit wenig Bodenfreiheit, dann laufe die 600 Meter zum Bach). Unter der Brücke (stehendes, seichtes Wasser unter der Brücke) ist der Einstieg.
Ausstieg: An der Straßenbrücke der D26. Hier überquert die Straße von Olivese nach Forciolo den Fluss.
Strecke: ca. 8 Kilometer (die ersten drei sind WW II)

Schwierigkeit: ca. WW IV-V- (1 x WW V+)

Etappe III

Unserer Meinung nach ist die dritte Etappe zwar ein klitzekleines bisschen leichter als die vierte (WW III-IV). Sie ist aber auch die längste Etappe. Paddler die viel Wert auf Sichern, Anschauen und Fotografieren legen (auch im dritten bis vierten Schwierigkeitsgrad) oder zum Schwimmen neigen, sollten diese Etappe frühzeitig in Angriff nehmen. Doch auch hier warten Stufen und stark verblockte Geröllfelder auf den Bezwinger des Taravo.
Ausstieg: Brücke der N196
Einstieg: Brücke D26 von Olivese nach Forciolo
Strecke: ca. 9 Kilometer (die ziehen sich)
Schwierigkeit: ca. WW III-IV
 
Etappe IV (hier beschrieben)
Die vierte Etappe ist unserer Meinung nach nur wenig schwerer als die dritte. Hier nimmt allerdings die Kontinuität der schweren Stellen zu. Im Grunde sind aber alle fahrbaren Stellen recht fair und für jeden echten Wildwasser IV-Paddler machbar. Eine Stelle ist bei wenig Wasser absolut unfahrbar und garantiert nicht gesund

co07_500

Ausstieg: Brücke der D757
Einstieg: Brücke der N196
Strecke: 5 Kilometer
Schwierigkeit: ca. WW III-IV (1x VI - unfahrbar)
 
Text: Christian Zicke
Fotos: Uwe Hoppe
 
Wie es auf unserer Korsika-Tour 2007 weiter geht, könnt ihr im nächsten Teil lesen.

Voriger Artikel

Paddeln am 3. Advent, oder der ganz normale Familienwahnsinn

Nächster Artikel

Harzer Outdoor Center wird feierlich eingeweiht!