Mit dem Kanadier von Genf nach Saint-Nazaire

Autor: MPE alias Martina
19.10.2017
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Zwei Franzosen, Paul Villecourt und Philippe Bouvat, haben nach zweijähriger Vorplanung ihr Projekt „La Grande Traversée“ in die Tat umgesetzt. Praktisch heißt das, 1.400 Kilometer mit dem Kanadier zurückzulegen, teilweise zu tragen und gegen die Strömung zu paddeln.

1.400 Kilometer von Genf nach Saint-Nazaire am Atlantik. Dabei haben sie die Rhone, die Ardèche (gegen die Strömung), den Chassezac (gegen die Strömung), den Allier und die Loire befahren, im Moment sind sie auf der Loire (Chateauneuf sur Loire) unterwegs.

Auslöser für ihr Projekt war der Wunsch, einmal nicht nur tageweise oder am Wochenende mit dem Boot unterwegs zu sein, sondern einmal mehrere Monate – geplant sind September und Oktober – komplett losgelöst von allem zu sein.

Daß sie sich dafür Frankreich ausgesucht haben, liegt ja nahe, aber von Ost nach West durch Frankreich zu fahren, ist schon eine verrückte Idee. Da die beiden im Departement Drôme zu Hause sind, hatten sie die Idee, die Reise im Osten zu starten und quasi an der Heimat vorbeizufahren. Zudem kennen sie natürlich die Region um die Ardèche sehr gut.

Start war in Genf am 06. September und geplant ist die Ankunft in Saint-Nazaire am 25. Oktober.

Da soulboater-Reporterin Martina zufällig an der Strecke wohnt, nämlich in der Nähe von Moulins am Allier, war ja klar, dass sie die beiden unterwegs abfängt...

Und getroffen haben wir uns am 11. Oktober unterhalb von Villeneuve sur Allier, nach anfänglichem Suchen – auf diesem Streckenteil kommt man kaum mit dem Auto an den Fluß und die Brücken sind rar – habe ich die beiden auf einer Insel gefunden, auf der sie gerade Pause machten.

Sie erzählten mir Geschichten von ihrer erstaunlichen Reise quer durch Frankreich: Die Ardèche stromaufwärts zu fahren und das auch noch mit einem schwer beladenen Kanadier – unfaßbar! Und nicht nur das, den Chassezac nahmen sie auch gleich noch verkehrt herum. Leider hatten sie Pech, dass man vom Wasserwerk oben am Chassezac deutlich mehr Wasser abließ als vorgesehen, so dass sie quasi unter Hochwasserbedingungen stromauf paddeln mußten...

Das war nach ihrer Aussage auch der schwierigste Teil ihrer Reise. Bis Vans fuhren sie so gegen den Strom, dann folgte eine Portage bis zum Stausee von Naussac und dann ging es auf dem oberen Allier weiter. Dort fuhren sie teilweise aber nicht mit ihrem Kanadier – zu schwer beladen für Wildwasser – sondern mit Schlauchkanadiern.

„Da mußt Du unbedingt mal hin zum Paddeln!“ meinte Paul in Sachen oberer Allier. Das wäre sogar eine Flugreise wert – na, für mich als Flugphobikerin ist das schon ein Wort..

Unterwegs trafen sie viele nette Gleichgesinnte, hörten Geschichten von anderen Paddlern, die sie auch teilweise begleiteten.

Ich bin mit ihnen – im Wildwasserboot – ca. 25 Kilometer von Villeneuve sur Allier bis Le Veurdre gepaddelt, in gemäßigtem Tempo, der Allier hatte viel Wasser und es ging ausreichend flott stromabwärts. War wirklich nett, mit den Jungs zu plaudern und sich ihre Geschichten anzuhören. Da Paul Verwandte bei Offenburg in Deutschland hat, ging es natürlich auch um deutsche Spezialitäten wie Mettbrötchen und Plätzchen – offensichtlich haben die beiden auf ihrer Tour ganz schön gedarbt...

Ansonsten sind sie aber super ausgerüstet, und Paul als professioneller Foto-Reporter hat natürlich auch das komplette Equipment dabei, von der neuesten Go-Pro bis hin zum Profi-Fotoapparat. Er ist übrigens Autor des „Guide du canoe de France“ und Organisator des alljährlichen Open-Kanadier-Festivals an der Drôme. Sein Freund Philippe hat mit ihm schon einige Abenteuer unternommen, so in Schottland, Griechenland und den Balearen.

Viel zu schnell sind wir in Le Veurdre angekommen und die beiden fuhren dann noch ein paar Meter bis zu ihrem nächsten Nachtquartier auf einer der vielen Inseln des Allier.

Wer ihre Reise noch weiter mitverfolgen möchte, hier sind die Links:

https://www.facebook.com/LGTencanoe/

http://www.lagrandetraversee.fr/7

Mir hat es super Spaß gemacht mit den beiden ein Stück ihres Weges zu teilen und wir sehen uns sicher auf der Drôme wieder – beziehungsweise auf der Roanne, die immer noch auf mich wartet...

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