Nippon Kajak - Wildwasser in Japan

Autor: Andy Klotz
05.05.2010
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Paddeln auf japanisch  

 - Während sich die große Meute an Ostern Richtung Korsika auf den Weg machte, haben wir uns auf die Reise nach Japan begeben, um mal abzuchecken, was es dort an paddelbaren Bächen gibt. Wenn wir auch wettertechnisch nicht unbedingt das große Los gezogen haben - paddeltechnisch gibt es noch viele versteckte Perlen zu entdecken.


10 Tage hatten wir zur Verfügung. Mehr ging diesmal nicht, da drei von uns noch nie in Japan waren und wir auch ein wenig Kulturprogramm genießen wollten. So ging es dann von Tokyo erst mal mit öffentlichen Verkehrsmitteln über Ofuna und Hakone nach Kyoto. Für diesen Part haben wir eine Woche eingeplant, um möglichst viele Sehenswürdigkeiten zu erkunden.

Neben hübschen Japanerinnen mit doch teils recht knappen Minis gabs auch kulturell einiges auf die Mütze. Vulkanisch aktive Gebiete und buddhistische Tempelanlagen standen genauso auf dem Programm wie auch außergewöhnliche kulinarische Genüsse.

Alles was wir probiert haben, auch wenn wir die Speisekarten meist nicht verstanden haben, war durchaus lecker. Man muss sich halt nur mal trauen.

Nach einer Woche Sightseeing stand dann endlich das Paddelprogramm an. Von einem Paddelladen in der Präfektur Gifu haben wir uns Boote geliehen. Das war günstiger als die Boote im Flieger mitzunehmen und auch stressfreier, da wir erst jetzt unsere Mietwagen geordert haben.

Von Yoshi - dem Besitzer des Paddelladens - bekommen wir einige wertvolle Tipps, welche Bäche wir unbedingt fahren müssen. Er war schon mit Arnd Schäftlein in Neuseeland unterwegs und hat über Arnd seine Leidenschaft zum Paddeln entdeckt. 

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Begonnen haben wir gleich mit seinem Hausbach dem Nagara und dem Yoshidagawa.

Schlecht war nur, dass irgendwie der japanische Frühling nicht so wie immer war. Zwar war die Kirschblüte voll im Gange, doch ein Regenschauer jagte den nächsten, sodass wir die ersten drei Tage mehr oder weniger Dauerregen hatten. Machte aber nix. So konnten wir die Bäche rund um Yoshis Paddelladen bei satten Wasserständen genießen.

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Nach drei Tagen fuhren wir weiter in die Präfektur Gunma zum Raftingcenter Canyon in Minakami,  wo die Raftingsaison zwar noch nicht in vollem Gange war, aber doch schon einige Raftguides aus aller Welt zugegen waren, um den Saisonstart vorzubereiten.

Nachdem wir am Abend erst einmal mit - für japanische Verhältnisse - gescheiten Hamburgern versorgt worden sind, sind wir gleich zum gemütlichen Teil übergegangen.

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Jutta lebt in Schottland und hat zwei Flaschen schottischen Whiskey als Gastgeschenk mitgebracht. Eine davon war noch da und musste gleich dem Vergleich zu japanischem Whiskey standhalten. Welcher nun wirklich besser war, vermochte am nächsten Tag keiner mehr zu sagen. Es war ein lustiger Abend. Zumal auch noch etliches an Sake getestet wurde.

Während uns Dex die Hamburger gebraten hat, meinte er uns noch sagen zu müssen, dass für den nächsten Tag 20 cm Neuschnee vorhergesagt seien. Ja, ja – 20 cm.....genau.

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Am nächsten Morgen war mir klar, warum mir mein Zelt im Laufe der Nacht immer kleiner vorgekommen ist. Dex hatte Recht behalten. Es waren wohl sogar ein wenig mehr als 20 cm. Gehen wir jetzt zum Snowboarden, oder doch lieber Bootfahren? Wir haben uns für Bootfahren entschieden, schließlich waren wir dafür angereist.

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Der Tone River ist ein mäßig verblockter Fluss, mit zwei kurzen Schluchtabschnitten im 4. Schwierigkeitsgrad und der Hausbach von Canyons. Auf ca. 12 km bietet er abwechslungsreiches und interessantes WW im 4. Schwierigkeitsgrad.

Auch haben uns die Jungs noch eine Canyoning-Rinne empfohlen mit einem 20-m-Fall drin. Allerdings war die Beschreibung recht vage, sodass wir erst dreimal dran vorbeigefahren sind, bis wir dann an der richtigen Location waren.

Tommy fackelt nicht lange rum, und macht sich nach kurzer Besichtigung gleich auf die Socken zum Einstieg. Ich hab die Hosen voll, und erst mal die Ausrede „Bilder machen“ parat.

Nachdem wir vor dem letzten Fall noch ein Seil zur Absicherung reingehängt haben und alle Fotoapparate bereit waren, stürzt Tommy auch schon los. Ich wusste dann auch gleich, warum ich nicht fahren wollte.

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Tommys Boot dreht nach der Hälfte des Falls seitlich weg, und er schlägt über Kopf und ca. 90 Grad seitlich verdreht im Tumpf ein. Des Weiteren knallt er auch noch mit der Spitze an einen Fels, das es nur so kracht.

Seine Aussage war zwar, das alles gaaanz soft gewesen sei, ich hab das aber auf seinen erhöhten Adrenalinspiegel zurückgeführt, und bin nicht mehr gefahren.

Unser Trip neigt sich langsam dem Ende zu, und wir machen uns wieder auf Richtung Gifu zu Yoshis Paddelladen. Ein Paddelkumpel von Yoshi hat eine kleine Pension im japanischen Stil und bietet uns an die letzten beiden Nächte bei Ihm zu übernachten.

Ein Traum in Japanisch. Er lebt dort wie vor 200 Jahren.

Der einzige Luxus ist, dass er einen Internetanschluss hat. Alles andere wie in alten Zeiten. Zur Krönung echt japanisches Frühstück - natürlich mit Fisch, Reis, einer Mino-Suppe und eingelegtem Gemüse.

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Bestimmt nicht jedermanns Sache, aber wir haben es uns einfach gut gehen lassen.

Das Potenzial zum Paddeln ist noch riesig, und 10 Tage reichen da bei Weitem nicht aus. Wir werden bestimmt noch mal wiederkommen. Beim nächsten Mal werden wir aber auf das Sightseeing-Programm verzichten, und gleich zum Bootfahren gehen.

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Text: Andy Klotz (www.andyklotz.de)
Fotos: Andy Klotz / Jutta Dimke

 

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