Wenn das Gute liegt so nah...

Autor: MPE alias Martina
17.05.2016
0 / 0

Wenn man bedenkt, dass für Paddler weite Anfahrtswege zu ihren Paddelgebieten an der Tagesordnung sind, wundert es um so mehr, dass ein Paddelgebiet wie das Allgäu so relativ „normal“ besucht und nicht völlig überlaufen äh, überpaddelt ist.

Soulboater-Reporterin Martina war nach vier Jahren Abstinenz auch wieder dort und hat einen kleinen Wochenendkurs bei der Wildwasserschule Oberstdorf besucht.

Die Iller und die Breitach – das sind die Bäche für Ottonormalpaddler im Allgäu und auch die, die ich an diesem supertollen Wochenende gefahren bin.

Dabei auf der Iller 2 Abschnitte und dann noch die Untere Breitach mit Weiterfahrt auf der Iller. Die Obere Breitach ging alleine schon wegen des zu niedrigen Wasserstandes nicht (eine Woche vorher hatte es hier überall noch Schneezuwachs auf den Bergen!), allerdings wäre ich sie jetzt auch nicht gefahren – nach der zu langen Winterpause war ich nicht wirklich auf Betriebstemperatur.

Deswegen auch ein lockerer F2-Kurs bei der Wildwasserschule, der eher wie ein Anfängerkurs begann, aber sehr in meinem wintermüden Sinne war.

Ab der Marienbrücke bei Sonthofen

bis Immenstadt / V-Markt Brücke geht es auf der Iller mit WW I daher, die Landschaft ist zwar im Vergleich zu den oberen Strecken nicht ganz so spektakulär, aber das ist echt Klagen auf sehr hohem Niveau.

Es gibt jede Menge Kehrwässer zum Üben und auch schöne Spielstellen. Für Anfänger ist diese Strecke hervorragend geeignet.

Die Strecke von Fischen bis Sonthofen ist ein klein wenig schwieriger mit WW I-II, landschaftlich noch schöner als die untere Strecke und weist neben einer Stufe mit Walzen zum Spielen viele sehr schöne Spielstellen auf, die auch fortgeschrittenen Paddlern Spaß machen. Unten der Einstieg in Fischen. Auf dem gebührenpflichtigen Parkplatz kann man sehr gut parken, es gibt in einem Häuschen Umziehmöglichkeiten und Toiletten.

Sehr schön fand ich übrigens, dass wir an den beiden Tagen schon mal zum Rollen aufgefordert wurden – das erhöht das persönliche Sicherheitsgefühl ganz enorm, auch wenn es nicht immer gleich beim ersten Versuch funktioniert. Hauptsache, der zweite sitzt dann...

Am letzten Tag schließlich ging es von der Breitachklamm bis zur sogenannten Rubi-Stufe beim gleichnamigen Ort Rubi. Geparkt werden kann auf dem großen gebührenpflichtigen öffentlichen Parkplatz für die Breitachklamm, die Gebühren halten sich mit 2,- EUR an einem Sonntag (Stand 05/16) absolut im Rahmen. Vorher kann man die Boote am Weg zum Fluss abladen, dann muss man nicht weit tragen. Im Bild unten im Hintergrund der Parkplatz, links geht es dann auf dem Feldweg zum Fluss hinunter.

Die Strecke ist mit WW II (je nach Wasserstand natürlich auch schwerer) und der Rubi-Stufe mit mindestens WW III wieder etwas schwieriger als die vorherigen Touren, bei der Breitach hat man aber deutlich weniger Wasserdruck als auf der Iller – der Unterschied ist deutlich zu spüren.

Landschaftlich ist die Strecke 1a und nachdem das einzige richtige Wehr in mehrere kleinere Stufen umgebaut wurde, ist auch die einzig richtig kritische Stelle weggefallen.

Es gibt sehr viele Übungsstellen, die Strecke ist daher für fortgeschrittene Anfänger hervorragend geeignet. Kleine Stufen erhöhen den Puls und sorgen für das notwendige Adrenalin im Blut und den Paddelspaß.

Unten das ehemalige Wehr

So sah die Stelle 2012 aus:

Unten im Bild: Die Stelle von oben, von oben betrachtet.

Kurz nach der Brücke an der B19 vor Oberstdorf (hier ist auch ein guter Einstieg) folgen dann mehrere Stufen, die je nach Wasserstand durchaus wuchtig werden können – bei unserem eher niedrigen Wasserstand waren sie aber alle einfach zu fahren.

Beim Ort Rubi kommt dann die gleichnamige Stufe, die aber wohl auch „Kanonenrohr“ genannt wird – finde ich passender, denn man fühlt sich wie eine Kanonenkugel, wenn man das Ding fährt. Ich war es vor 6 Jahren gefahren und fand es nicht so schlimm, dieses Mal aber sah es etwas anders aus – weniger Wasser, die Stelle hatte sich sehr verändert, sie ist steiler und steiniger geworden. Mir war sie dann so unsymphatisch, dass ich sie nicht gefahren bin. Im Café nachher bekamen wir dann auch zu hören, was so alles schief gehen kann, wenn man an dieser Stelle die Ideallinie verpaßt - offener Schleimbeutel am Ellenbogen, Platzwunden und viele schöne Dinge mehr....

So sah die Stelle 2012 aus:

2012:

Bild unten: Kanulehrer Pirmin macht vor wie's geht...

Man kann die Stelle aber sehr leicht links umtragen und auch sehr schön noch bis Fischen weiterfahren.

Wir sind allerdings dort ausgestiegen – über die Brücke geht es in den Ort Rubi, auch das Bootetragen läuft im Allgäu unter „schöner Boote tragen“..

Im Ort kann man sehr gut essen gehen und Kaffee oder ein Bierchen trinken.

Fazit: Wer zum Paddeln nicht ganz so weit fahren und leichtes bis mittelschweres Wildwasser in perfekter Umgebung haben will, der ist mit dem Allgäu und besonders mit der Iller und der unteren Breitach super bedient. Und eine Empfehlung für die Oberstdorfer Wildwasserschule sei an dieser Stelle auch gleich mit ausgesprochen: Super nette Leute, die kompetent die Kunst des Paddelns vermitteln und dazu ganz neues Leihmaterial an Paddler ohne eigene Ausrüstung vergeben...

Und last but not least: Vielen Dank an Karina für die tollen Bilder und an den Wettergott für das Kaiserwetter!

Voriger Artikel

Riesen-Event bei EKÜ-Sport

Nächster Artikel

Eröffnung der ECA Kanu Freestyle Europameisterschaft 2016