Wir bauen uns eine Walze aus Flußgeröll

Autor: Team Playspotbau
12.08.2017
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In den letzten Jahren ist auf den Bächen dank Klimawandel der Wechsel zwischen ausgeprägten Niedrigwasserperioden und heftigen Hochwassern immer gravierender geworden. Dies lässt sich für den Playspotbau positiv zunutze machen:

Bau von Playspots mit einfachen Mitteln Teil 3: Die Steindamm-Methode

 - Um eine Walze oder Welle in einem Fluss zu bauen, benötigt man vor allem eines: Gefälle und ein Hindernis in der Strömung.

Einfach ausgedrückt bildet sich im Bach eine Welle, wenn schnell fliessendes (der Fachausdruck ist dann „schiessendes“) Wasser auf stehendes oder langsam fliessendes Wasser aufprallt und dabei stark abgebremst wird. Die Energie der Strömung wird dann nach oben abgeleitet und bildet je nach Power eine lange oder brechende Welle, die auch zur Walze werden kann.

Beim Playspotbau lässt sich dieser physikalische Umstand ausnutzen, indem man das Gefälle des Flusses künstlich erhöht und gleichzeitig das fliessende Wasser komprimiert, um die Geschwindigkeit vom Fliessen zum Schiessen zu erhöhen. Dieser Effekt lässt sich noch steigern, wenn eine Walze und keine Welle gebaut werden soll, indem das Unterwasser durch Einbauten wieder abgebremst wird.

Wie lässt sich nun mit einfachen Mitteln so eine Spielstelle basteln?

Am einfachsten geht es bei Niedrigwasser im Winter oder bei kraftwerksgesteuerten Bächen, wenn gerade wenig oder am besten gar kein Wasser durch das Flussbett läuft.

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Man schichtet aus im Fluss herumliegenden Steinen und Felsbrocken eine Barriere in Form eines flussaufwärts geöffneten langgezogenen Hufeisens auf, die über die gesamte Breite des Baches reicht.

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Da in der Mitte später die stärkste Strömung fliessen wird, sollten hier die kantigsten Brocken liegen, die schon aufgrund ihrer Form nicht so leicht wegrollen können.

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Zu den beiden Ufern hin können die Steine ruhig runder sein, allerdings sollte an den Rändern auch höher aufgeschichtet werden, um später gute Kehrwasser auf beiden Seiten zu haben und gleichzeitig das fliessende Wasser einzuengen.

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Wichtig ist, dass keine einfache Mauer gebaut wird, über die das Wasser senkrecht herunterfällt, weil dann nur ein heftiger Rücklauf ohne gute Spieleigenschaften entsteht.

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Optimal ist, wenn das Wasser über eine längere Schräge in der Hauptströmung des Playspots Anlauf nehmen kann, um dann im tiefen Unterwasser eine schöne Welle zu bilden. Dazu kann es sinnvoll sein, direkt nach der künstlich aufgeschichteten Barriere das Unterwasser zu vertiefen und nach ein paar Metern eine weitere kleinere Steinschwelle unter Wasser zu bauen, die das in den Pool schiessende Wasser noch mehr abbremst.

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Die ganzen Steinarbeiten lassen sich gegen Wegspülen stabilisieren, indem man ein paar grosse Äste oder Holzbalken vorher auf den Grund und auch zwischendurch auf die Schichtungen legt, so dass sich alles miteinander verzahnt.

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Die richtige Höhe, Breite und Schräge der Barriere lassen sich pauschal nicht beschreiben, hier kommt es auf die Erfahrung im Walzenbau und den Blick für Strömungen an. Das ganze ist ein sehr sensibles System, wo schon das Verrücken eines einzigen zentral gelegenen Steinblocks dazu führen kann, dass aus einer gut surfbaren Welle ein gemeines rückläufiges Walzenloch entsteht, aus dem man sich mit dem Kajak kaum noch befreien kann.

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Sinnvoll ist es, sich zunächst an einem Seitenarm ein kleines Modell aus Kieseln zu bauen, um die Reaktionen des fliessenden Wassers auf unterschiedliche Formen der Steinbarriere zu testen.

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Als Hilfsmittel, um grosse tonnenschwere Steine zu bewegen, bietet sich ein Stahlseilzug an, wie er auf Baustellen verwendet wird. Desweiteren ist es oft eine Hilfe, wenn man Bretter zwischen die aufgeschichteten Felsen wie einen Wasserabweiser steckt, um das Wasser kurzfristig für die Paddelsession noch mehr zu komprimieren.

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Leider wird diese Art von Playspot durch Hochwasser und andere Flussnutzer oft schnell wieder zerstört, so dass man um eine permanente Pflege und Nachbesserung nicht herumkommen wird.

Bevor ihr jetzt aber mit dem Steinerücken beginnt, informiert euch bitte vorher über die gesetzlichen Vorschriften der Gewässernutzung und haltet die Regeln ein. Wir stellen in unserer Serie über Playspotbau nur die Techniken des Walzen-und Wellenbaus anhand von einigen Beispielen aus der Praxis vor. Falls jemand auf die Idee kommen sollte, ähnliches zu machen, übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung für möglicherweise auftretende Schwierigkeiten mit Behörden oder Grundeigentümern.

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