PRODUKTVORSTELLUNG: Bliss-Stick “Mystic“

Autor: Nils Heine
09.09.2007
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Bliss-Stick “Mystic“

 - Nils Heine war zwei Jahre in Neuseeland und jobbte dabei bei der Kajak-Schmiede Bliss-Stick.
Nachdem er zunächst als Handlanger PE-Späne fegen und beim Befüllen der Rotationsformen helfen durfte, erkannte sein Chef nach kurzer Zeit das Talent von Nils als Bootsdesigner. Also durfte er ran an Schleifpapier, Spachtel , Plastik- und Schaumblöcke und legte los. Aus einem unbrauchbarem Prototypen wurde mit viel spachteln und schleifen die erste Form des Mystic.

Für Soulboater schildert er folgend seine Eindrücke von seinen ersten Testfahrten mit  „seinem Baby“, dem neuen Creeker von Bliss-Stick:

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 Der Mystic

“Ich bin ca. 176cm groß und wiege 75 kg.
 
Es ist schon ein bißchen her, da fuhr ich den Mystic das erste Mal. Es war in Neuseeland auf dem Rangitikeiriver gleich mit dem ersten Serienmodell auf dem Homerun der Bliss-Stick-Boys. Folgendes notierte ich damals in mein Tagebuch:

Der erste Eindruck vom Mystic: Die Hülle wirkt stabiler als alles was ich sonst bei Creekern auf dem Markt gesehen habe.  Das Material ist laut Bliss-Stick mit Absicht weicher, damit es nachgeben kann und nicht reißt. Durch die Kanten und Rippen wird die Form aber trotzdem sehr stabil.
Der nächste Eindruck kam beim reinsetzen: Ein echt fettes Ding, ein bißchen habe ich Angst, ich könnte das Boot zu dick gebaut haben. Somit ist es super gemütlich, alles lässt sich einfach und schnell auf mich anpassen. Viel Volumen gibt Sicherheit, also wenn es jetzt nicht zu lang oder zu breit ist, dann ist alles gut.

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Erster Testabschnitt von leichter Strömung mit gleichmäßiger Steigerung bis WW3:

Die Länge fühlt sich gut an. Es ist schnell, spurtreu und trotzdem dreht das Boot locker in jedes Kehrwasser.

Die Breite ist für mich ideal, stabil aber volle Kantenkontrolle ohne viel Kraft auf der Seite zu halten.

Ich habe mir die Zeit vertrieben mit Kehrwasserfahren. Das Boot schießt schon sehr geil in Kehrwasser, es macht Spaß und fühlt sich sicher an.
 
Ansonsten war mir erst mal langweilig  (alles war so einfach, es fühlt sich fast an wie Flachwasserpaddeln), aber dank der hohen Geschwindigkeit war der leichte Abschnitt ja auch schnell hinter mir.

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Zweiter Testabschnitt WW 3 bis 4 mit kleinen Stufen, Querströmungen, mittlere Wasserwucht:

Durch das super positive Ergebnis vom ersten Abschnitt bin ich erst mal ziemlich passiv gepaddelt. Die ersten kleinen Stufen einfach runter ohne Schwung und Boof. Das Boot taucht ab und perfekt wieder auf: Zügig mit viel Vortrieb, super stabil, kurz gesagt, es hat ein Bilderbuchauftauchverhalten.

Bei weiteren Stufen ist mein Versuch zu Boofen kein Problem, es ist nicht nur leicht sondern auch total kontrolliert.
Dann fahre ich ohne zu Kanten in Querströmungen, Ergebnis: Das Boot bekommt kein Oberwasser und wird ordentlich versetzt. Beim Gegentest aufgekantet durch die Querströmung kommen die Kanten ins Spiel. Der Mystic ist total leicht auf die Kante zu bringen und auch zu halten. Dabei schießt das Boot fast unbeeindruckt durchs Wasser. Somit ist der Flachboden in Verbindung mit den Kanten wie ein Zusatzsteuer einsetzbar. 

Letzter Testabschnitt bis WW5:

Ich bin diesen Abschnitt des Rangiteiki schon sehr häufig gefahren, aber so einfach kam er mir noch nie vor. Ich bin absichtlich die Sicklines gepaddelt und das mit Leichtigkeit und Eleganz. Auch wenn ich bei meiner Solobefahrung keinen Zeugen dabei hatte, kam es mir zumindest so vor.

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Fazit:

Alles was man machen muss ist die Nase auszurichten und ab geht's. Dabei ist die Nase super einfach zu drehen,  das Boot super zu beschleunigen und zu Boofen. Beim Boofen fiel mir besonders positiv auf , dass die Bootsspitze und damit der Eintauchwinkel perfekt zu kontrollieren ist. Es lässt sich also nicht nur einfach sondern auch kontrolliert Boofen. Das ist ein super Schutzmechanismus gegen zu flache Landungen, die bei einem Flachbodenschiff immer leicht zu Rückenverletzungen führen können.

Das Boot an sich sieht wild aus. Wenn man drin sitzt, wird aber alles ein bißchen einfacher und nicht wilder.

Ich mochte den Namen am Anfang nicht. Aber wenigsten kann ich mein Boot nun „MY- Stick“ nennen!

Seit dieser ersten Testfahrt bin ich nun schon etliche Wildwasserkilometer und Höhenmeter gefahren und mein erster Eindruck hat sich jedes Mal wieder bestätigt. Ich bin WW6 Stellen gepaddelt und wenn einem nach dem Befahren als erstes der Gedanke kommt: „Das ging ja locker“, dann ist doch alles klar. Beim Mystic kann ich beim besten Willen nichts finden, was in irgendeiner Form negativ wäre. Natürlich, schneller, wendiger, stabiler, leichter und günstiger könnte er sein, aber er wurde von mir schliesslich als reinrassiger Creeker konzipiert und nicht als Wettkampfslalom- oder Wildwasserabfahrtsboot..

Nils Heine

Fotos von Aratiatiarapids Neuseeland Archiv Bliss-Stick

Layout und Bearbeitung: Jan-Peter

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