Promi-Special: Schorschi Schauf

Autor: Jan-Peter
27.12.2010
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Ein Kajakfahrer, der von Anfang an in der Szene polarisierte, ist Schorschi Schauf. 10 Jahre lang war er Mitglied der Deutschen Freestyle-Nationalmannschaft. Als Erstbefahrer des Rheinfalls im Hauptwasser erntete er Respekt in der Schwerwasserszene, als Person ist er ein Unikum, schon von weitem erkennbar an seinem Markenzeichen, der Doppelbommelmütze und dem nach spätestens fünf Minuten weithin hörbaren Ruf "Männäää, es geht weidäääää"

Über Schorschi wurde und wird in vielen Medien berichtet, seine letzte bekannte und im Fernsehen übertragene Aktion war die Befahrung des Eiskanals am Königssee, einer steilen Bobbahn im Kajak mit abgeflextem Paddel.

Auch Soulboater.com berichtete von Anfang an über Schorschis Aktionen, hier sind einige Highlights aus den letzten Jahren.

Ein erstes Zusammentreffen gab es bereits im Jahr 2000:

Heute zu Gast bei Schorschi Sch(n)auf!

"Mennä, es geht weidäää....!"ganz unvorhergesehen hat es ihn erwischt - Schorschi, Team Pyranha Pilot und R(h)einfall Erstbefahrer war mit Big Ulla an der Sanna unterwegs, da läuft ihm doch glatt ein Soulboater über den Weg...

hier sieht Paddler, Schorschis Partymobil, es ist immer was los, oben auf der obligatorischen Dachterasse ist immer die Weltelite versammelt, sogar wir waren schon mal zur großen Sause oben...! Hinauf kommt man über die Leiter oder ein RedBull (verleiht bekanntlich Flügel), das man Schorschi vielleicht abschwätzen kann! Runter entweder über das Geländer oder wers weniger wild mag, wieder über die Leiter!

 

Big Ulla, so heisst Schorschis Kultfahrzeug und Haus! schwarz, kultig, Partyroom und Dachterrasse. Hier zu sehen kurz vor der Abfahrt vom Campingplatz an der Sanna. AKC Treffen 2000.

Wohnen tut Schorschi mal in Silz, mal in Augsburg oder Plattling. Genau gesagt: da wo's Wasser hat! Mobiler kann ein Paddler nicht sein. Den Winter verbringt er, so hat er mir verraten, dort wo die Sonne und ausreichend Wasser ist, also meistens in NZL.

Peace! I'm Schorschi! Chef Promoter bei Young Pirates, dem Doppelbommelmützenhersteller der inzwischen zur Kultmarke für jeden Paddler geworden ist. Schorschi besitzt ne eigene (!!!) Nähmaschine mit der er seine Kappen strickt.

Erwischt!!! Schorschi ohne Doppelbommelmütze und "NUR" mit YP T-Shirt bekleidet! :-) Hier sieht man Schorschis Küche und im Hintergrund sein Schlafzimmer! "Peace män, jetzt aber raus, ich will mich umziehn!"

Was wir auch noch rausbekommen haben, ist, dass Schorschi statt in seiner Küche zu kochen lieber essen geht. Diesmal war es die Pizzeria mit den hübschen Bedienungen am Camping von Landeck.

Dort ist uns dann auch noch ne Peinlichkeit passiert: "was ist denn das für ein Prolo?", fragten wir die hübsche brünette Bedienung, als ein Typ in nem roten, aufgemotzten Flitzer an der Pizzeria hielt. Diese grinste dann verschmilzt und sagte: "das ist mein Bruder...!" ...au weia... :-)

Ein weiterer Grund für uns die Rubrik: "wo hats die besten Paddlerkneipen?" einzuführen.

"It's strictly prohibited to stay overnight!" wo dieses Schild wohl herkommt?? die Boxen für die richtige Partystimmung mitten im Wohnzimmer! So lebt Schorschi, möge er uns ewig so erhalten bleiben wie er ist!

Geil!!! da hats sogar noch'n paar der heissbegehrten Young Pirates Aufkleber. Wer Schorschi nett darum bittet, bekommt vielleicht gar ein paar...

Ganz "heiss" allerdings sind die Poster die an der Wohnzimmerdecke hängen, und die wir nicht zeigen dürfen... Sonst will sie jeder haben!

Stay cool man, enjoy your life, paddling every day the best rivers in the world! Rheinfaller Schnauff hat es geschafft sein Hobby zum Beruf zu machen, sitzt jeden Tag im Schiff und zieht von Bach zu Bach und geniesst jeden Tag an dem er im Boot sitzt.

Tip von uns: Vielleicht sponsort jemand ne Waschmaschine?? Nein, nicht so eine wie in Augsburg...

Peace Leute, wir sehn uns beim R(h)einfallen...

 

Das nächste Treffen war aber nicht am Rheinfall sondern etwas später am Deferreggenbach in Osttirol, wo er exklusiv mit Soulboater ein Interview machte:

Schorschi Schauf (32, Guntersblum-Süd/Augsburg), hat vom 20.10.02-22.10.02 die große Defereggenbachschlucht in Osttirol geknackt. Jeder der schon einmal einen Blick in diese Schlucht geworfen hat weiß was dort abgeht. Bislang galt sie als absolut unfahrbar und selbst die Erkundung gestaltete sich aufgrund der extrem schwer zugänglichen Schlucht als sehr schwierig. Jedoch stand die Befahrung des Durchbruchs auf dem Projektplan des ein oder anderen Extremstürzers. Auf den lezten beiden Kilometern vor der Mündung in die Isel bei Huben fließt der Defereggenbach durch einen Durchbruch und baut satte 130 Höhenmeter ab. Die erfolgreiche Befahrung der Schlucht ist Grund genug für uns, etwas mehr über diese Erstbefahrung zu erfahren und darüber zu berichten. Schorschi Schauf, Rheinfall Erstbefahrer von 1997 wird uns jetzt etwas über die Befahrung erzählen. Viel Spaß beim Lesen und mit den Bildern!

SB: Hallo Schorschi!
Schorschi
: Hallo Soulboater

SB: Erstmal herzlichen Glückwunsch, Peace & Respekt zur erfolgreichen Entjungferung der Defereggenbachklamm!
Schorschi
: Danke!

SB: Wann bist du auf die Defereggenklamm aufmerksam geworden und wie lang war die Befahrung schon geplant?
Schorschi
: Ich bin vor vier Jahren auf die Defereggenbachklamm aufmerksam geworden als ich den oberen Defereggenbach gepaddelt bin. Ich habe unten reingeschaut und es hat ordentlich gebrodelt. Eine geile Sache dachte ich mir, habe zu diesem Zeitpunkt erstmal davon abgelassen aber die Sache im Kopf behalten und im anderen Gehirn gespeichert. Dann kam wieder der Dolomitenmann und ich habe mir die Schlucht erneut angeschaut, den Robbie Brackenhöfer (Besitzer einer großen Gastwirtschaft am Rißbach, Doppelweltmeister im Telemark, Extremkletterer, guter Freund und Team RedBull Mitglied) kennengelernt und ihm von der Schlucht abends beim Bier erzählt. Wir sind mit Rucksack und Seilen hingefahren, haben uns in die Klamm abgeseilt, sie besichtigt, in der Klamm übernachtet und abends Fische gegrillt. Wir sind die komplette Klamm abgeklettert und haben sie vor meiner Erstbefahrung insgesamt 8 mal komplett angeschaut. Entweder sind wir von unten in die Klamm reingelaufen oder haben uns von der Seite hineingeseilt. Das Hauptproblem war immer der Wasserstand, da die Stellen extrem heftig sind. Unter anderem gibt es eine 12m Stufe mit Platte im Unterwasser, die das Hauptkriterium darstellt, da man nur maximal 50-75cm ins Unterwasser hineintauchen darf. Für die Befahrung dieser Stelle habe ich oft genug auf dem Rißbach geübt, da die Rißbachstufe einen ähnlichen Charakter hat. Man darf dort auch nicht tief eintauchen. Das AKC-Rißbachtreffen war in einer gewissen Weise die Premiere für die Defereggenbachaktion, denn ich dachte mir wenn's am Rißbach bei Hochwasser klappt, wird's auch am Defereggenbach klappen. Und das obwohl der Defereggenbach eine ganze Nummer heftiger ist als der Rißbach bei Hochwasser. Danach sind wir nach Osttirol losgezogen, einmal in der Schlucht gewesen und sind danach wieder heimgefahren. Harald Egger, Weltrekordler im Speedski hat den Jungs von RedBull von meiner geplanten Aktion erzählt und die haben mich dann voll unterstützt, ein Team von Fotografen und Fernsehleuten, Funkgeräte und komplette Kletterausrüstung zur Verfügung gestellt.

SB: Warst du unter Zeitdruck und wusstest Du von anderen Stürzern, dass Diese die Schlucht auch entjungfern wollten?
Schorschi
: Unter Zeitdruck verstand ich es eher den richtigen Wasserstand zu erwischen, da der Idealwasserstand in einer maximalen Spanne von 10-15cm abgepasst werden muss. Ich habe von insgesamt von 4 Teams gewusst, bei denen die Defereggenbachschlucht auf dem Projektplan stand. Auch österreichische Teams waren dran, aber das auch schon seit längerer Zeit.

SB: Du warst auch 2001 in Osttirol. Was verhinderte da eine Befahrung?
Schorschi
: Es war zu wenig Wasser drauf. Bei der 12m Stufe muss man sehr weit hinausspringen, da es dort eine Felsnase gibt die ziemlich weit herausragt und man diese absolut nicht erwischen sollte.

SB: Wie groß war der Aufwand für deine Befahrung?
Schorschi
: Es war ein riesenlogistischer Aufwand, insgesamt waren 15 Leute in der Klamm, davon 4 TV Kameraleute und 2-3 Fotografen.

SB: Welche bekannten Paddler waren im Team und haben Dich abgesichert?
Schorschi: Frank Preuss, Stefan "Förster" Pätsch, Claus Brummer, Uwe Fischer und Robbie Brackenhöfer. Bevor es los ging war ich auf Tour zu Hause bei meinen Eltern und hatte meinen Laptop mit dabei. Online habe ich den Wasserstand abgerufen, gesehen dass der Pegel perfekt war, habe meinen Kaffee ausgetrunken und bin sofort los nach Augsburg. Dort habe ich meine Ausrüstung eingeladen und bin runter nach Osttirol an den Defereggenbach. Mit Frank Preuss bin ich in die Schlucht reingeklettert um mir die 12m Stufe, welche das Kriterium war, anzuschauen. Danach habe ich alle möglichen Leute angerufen und ihnen erzählt das es losgeht. Um 5 Uhr abends gab ich grünes Licht für die Aktion, um 10 Uhr am nächsten Morgen mit der Erstbefahrung angefangen. Insgesamt erstreckte sich die Aktion über 3 Tage, von Sonntag dem 20.10.02 bis Dienstag 22.10.02.

 

SB: Hast du die Schlucht komplett befahren?
Schorschi
: Wir haben 2 Stellen ausgelassen.

SB: Was ging nicht, und wieso?
Schorschi
: Oben ganz am Anfang ging es nicht wegen zu wenig Wasser und zu vieler Siphone. In der Eingangsstufe der ersten Klamm lag ein Baum im ersten Abfall. Wir sind runtergeklettert und haben uns die Stelle angeschaut und dann umtragen. Mittendrin gab es eine heftige Stelle wo ein Baum drinlag. Ich bin diese Stelle gefahren, aber sie war ziemlich unsauber.

SB: Gab es Stellen die du befahren und dabei gedacht hast, hoffentlich komm ich heil durch?
Schorschi
: Nein, ich höre auf mein Bauchgefühl. Wenn was nicht geht, dann fahr ich nicht. Mein Bauch ist meine Lebensversicherung.

SB: Würdest du die Schlucht nochmal paddeln, wenn sie mit weniger logistischem Aufwand zu befahren wäre?
Schorschi
: Das hat mit logistischem Aufwand gar nix zu tun, wenn ich was erstbefahren habe, fahr ich da nicht noch ein Mal. Es ist ein schlechtes Omen für mich selbst. Es ist etwas Aberglaube, aber jeder spinnt auf seine Weise.

SB: Was empfiehlst du Paddlern, die eine Befahrung der Schlucht auch in Erwägung ziehen?
Schorschi
: Viel Erfahrung im schwersten Wildwasser, Leute am Ufer, Funkgerätkontakt um wenn irgendwas passiert, einen Joker zu haben rauszukommen. Das Rauskommen aus der Schlucht ist verdammt schwierig. Desweiteren viel Klettererfahrung und gute Kletterer die Dich unterstützen. Natürlich eine gute Unfall und Bergeversicherung weils sein kann, dass du im Notfall mit dem Hubschrauber rausgeholt werden musst. Die Schlucht ist verdammt heftig und ausgesetzt. Aber dieser Umstand macht mir wieder viel Spaß! ;-)

SB: Wann sehen wir den Fernsehreport über die Befahrung, und auf welchem Sender?
Schorschi
: Die nächste Fernsehsendung wird in den nächsten Wochen auf DSF ausgestrahlt, handelt aber von meinen Befahrungen auf Honduras. Einige Sender haben schon wegen dem Defereggenbach angefragt, die Planung was wann und wo ausgestrahlt wird, macht mein Team.

SB: Was steht als nächstes auf dem Projektplan??
Schorschi: Erstmal nach Neuseeland fliegen. Sobald es in Deutschland nach dem Winter wieder 15°C hat, komme ich zurück. Ich plane 2003 ein 3/4 Jahr in Ulla einzuziehen und durch Europa zu fahren.

SB: Schorschi, wir danken Dir für dieses Interview und wünschen Dir viel Spaß in Neuseeland!

Interview vom 31.10.2002, geführt von Darko Pelikan,

Soulboater.com
© Bilder by Team Schorschi Herzlichen Dank für die Bilder an Matthias Kehm, Schorschi.com

weitere Infos und Bilder auf Schorschi.com

Soulboater.com 2002

Den Film zur Befahrung der Deferreggenschlucht gibt es auf 4-Seasons.TV zu sehen.

Kurze Zeit später war Schorschi mal wieder am Rheinfall zugange:

Illegaler Husarenritt nur dank historischem Niedrigwasser möglich „Rückfalltäter“ Schauf paddelte wieder den Rheinfall hinab

Nach seiner Erstbefahrung der Rheinfälle bei Schaffhausen (Schweiz) vor sechs Jahren befuhr der bayrische Extrem-Paddler „Schorschi“ Schauf am Sonntag nun auch als erster die noch schwierigere zweite Seite von Europas größten Wasserfall (24 Meter Höhe). Die eigentlich unfahrbare Route war erst durch den historisch niedrigen Wasserstand des Hitzesommers möglich geworden.


Schauf bei der Anfahrt zum Rheinfall (Christiane Müller)

Der 33jährige Georg „Schorschi“ Schauf aus Eisenbrechtshofen bei Augsburg schrieb gestern, Sonntag, ein weiteres Stück Paddelgeschichte. Gemeinsam mit seinem Kollegen Frank Preuss (29) befuhr er vor den Augen Tausender erstaunter und entsetzter Touristen die von unten gesehen linke Seite von Europas mächtigstem Wasserfall. Hintereinander bewältigte die beiden diese eigentlich als unbefahrbar geltende Route. Weil das Befahren dieser Strecke auch behördlich verboten ist, paddelten Schauf und Preuss danach sofort über die nur zwei Kilometer entfernte deutsch-schweizerische Grenze.


Unmittelbar vor dem letzten Teil des Rheinfalles (Richard Walch)

Dort zeigten sich die beiden Extremsportler euphorisch: „Jeder Kayaksportler auf der Welt weiß, was das bedeutet.“ Die beiden hatten sich die Route tagelang eingeprägt. „Ich hatte mir 22 Punkte gesucht – Wellen, Steine, Strudel-, diesen bin ich dann exakt gefolgt“, meint Schauf. Ein Fehler oder ein Defekt wäre mit ziemlicher Sicherheit tödlich. „Bei diesen gewaltigen Scherkräften könnte sich auch ein Schwimm-Weltmeister nicht retten“, so Schauf, der Nachahmern dringend abrät: „Ich mach es sicher auch nie mehr!“


Schauf bei der Querung zur linken Seite (Stefan Aufschnaiter)

Für den langjährigen deutschen Nationalteamfahrer war der Husarenritt über den Rheinfall schon der zweite. Im Januar 1997 befuhr er als erster den Wasserfall auf der anderen Seite. Damals startete der gebürtige Hesse im Winter, heuer machte erst das historische Niedrigwasser des Rekordsommers die Rekordfahrt möglich.


Schorschi Schauf (li) und Frank Preuss nach der Fahrt vor dem Rheinfall (Stefan Aufschnaiter)

Außer Schauf und jetzt Preuss wagte sich noch nie ein Wassersportler an den Fall heran, ein tschechischer Stuntman, der sich zur Hälfte abseilte und dessen Boot dann zerbrach, überlebte nur, weil er mit Sauerstoffmaske unterwegs war.


Schauf (li) und Preuss nach der Flucht über die Grenze /Stefan Aufschnaiter)

© Text & Bilder: sportsandnews.com & schorschi.com

Mehr Infos zu diesem Ausnahmeathleten gibt es auf www.SCHORSCHI.COM

 

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