Zwei Geschwistersportarten , eine Liebe zu den Flüssen

Autor: Simon
15.01.2020
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Simon schreibt normalerweise fürs Riverbreak Magazin. Er surft seit bald 20 Jahren und hat an der Münchner Floßlände den Sport gelernt. Er liebt es Hochwasserwellen zu surfen, an Wettbewerben teilzunehmen und träumt von barrelnden Flusswellen wie der Rapid Nr. 11 am Zambesi River. Nachfolgend schreibt er über die gewachsenen Gemeinsamkeiten des Riversurfens und Kajakings:

Meine Persönliche Riversurfgeschichte hat viele Berührungspunkte mit Kajakfahrern.

Der Profi:

Als ich noch zur Schule gegangen bin, war ein neuer Schüler zu uns gekommen.

Tobi war ein Einzelgänger der nicht den Kontakt zu seinen Mitschülern suchte.

Seine Freunde hatte er ausserhalb der Schule. Darunter ein paar der weltbesten Rodeokajaker. Klar, denn mit diesen hing er jedes Wochenende auf Contests und Teamtrips ab.

Tobi war zu diesem Zeitpunkt noch nicht volljährig aber schon Junior Europameister. Als ich dann ein Jahr später mit dem Riversurfen angefangen hatte, verkaufte mir Tobi einen seiner alten Neoprenanzuge.

Klar die Sponsoren statteten ihn immer mit neuen Neos aus.

Während ich meine ersten Surfversuche auf einer kleinen anfängerfreundlichen Welle im Münchner Süden an der Floßlände absolvierte trainierte Tobi jeden Abend an der grossen Eisbachwelle im Stadtzentrum.

Damals vor 18 Jahren gab es dort viel weniger Surfer als heute und nach Einbruch der Dunkelheit war man fast immer allein. Tobi nutzte die Dunkelheit um keine Probleme mit Surfern zu bekommen, weil Kajaker nicht gerne gesehen waren.

Tobi war bis heute der einzige Kajaker der regelmäßig auf der Eisbachwelle gesurft war.

Jahre später als ich auch so gut war um an der Eisbachwelle zu surfen waren wir uns dort wiederbegegnet.

Der Tag ist mir noch so gut in Erinnerung geblieben weil eine Zuschauerin am Ufer ausrutschte und in den Fluss gefallen war. Zu allem Unglück war diese noch ein Kind und das Wasser war saukalt weil es im April war. Das Mädchen geriet so schnell in Panik weil die Füße keinen Grund mehr berührten und die Strömung sie mitriss. Bis wir Surfer reagierten war Tobi aber mit ein paar lässigen Paddelschlägen schon bei dem Mädchen zog es auf sein Boot und brachte sie sicher zum Ufer.

 

Zwei Brüder:

Eine Stadt, Zwei Flusswellen, Ein Kajak , ein Surfbrett. Rainer ist auf seinem Surfbrett eines der Urgesteine am Eisbach. Ruhig und kraftvoll hatte er immer seine fetten Turns in die Wellenwand gezimmert. Er ist ein Teil der berühmten Fus Crew.

Sein Bruder Roman ist wahrscheinlich der beste Kajaker an der Flosslände. An die Eisbachwelle zu seinem surfenden Bruder hat es ihn selten verschlagen.

Roman hatte die stillschweigende Übereinkunft zwischen Surfern und Kajakern in München immer respektiert.

„E 1 gehörte den Surfern, E 2 gehörte den Kajakern.“

Bis vor 8 Jahren hatten sich die Kajaker einen Einbau „ der Keil“ in die E 2 eingehängt der Ihnen dort ein Kehrwasser bescherte. Zu jeder Bachauskehr mussten sie diesen ausbauen. Ich weiss nicht warum aber eines Tages kehrte die aktive Kajakcrew mit ihren Brettern für den Einbau nicht mehr zurück. Das sprach sich schnell unter den Surfern herum und diese bevölkerten bald in großer Anzahl ebenfalls die E 2 .

Heutzutage scheint es keine große aktive Rodeokajakszene mehr in München zu geben.

Roman der bootfahrende Bruder ist seit einigen Jahren auch Kajaklehrer. Roman hat mir vor einigen Jahren zu meinem bis heute einzigen Bild auf einer Titelseite verholfen. Auf dem Bild sieht man mich an der Floßlände surfen und Roman daneben Kajaken.

Der Bodyboarder:

Tom Paterson aus Kanada macht Dinge auf seinem Bodyboard in riesigen Flusswellen , die sonst niemand kann.

Sein Signature Trick ist ein Vorwärtssalto. Diesen macht er exakt mit der gleichen Technik wie ihn auch Rodeokajakfahrer machen. Er pumpt kniend um kleine Hüpfer zu machen um dann irgendwann mit der Nose bewusst einzuspitzeln um den Vorwärtssalto einzuleiten.

Es ist nicht verwunderlich , dass Tom keine Vergangenheit als Surfer hat. Er war Kajaker bevor er aufs Bodyboard umstieg um Pionierarbeit in einer neuen Sportart zu leisten.

Seine Trips zu immer größeren Flusswellen in der Wildnis Kanadas unternimmt er ausschließlich mit Kajakern. Das ist der Stall aus dem er kommt und das sind seine Freunde von Jugend an denen er vertraut. Als ich für Totally Rad meine „Radikal Bodyboarding“ Parts filmte dienten mir Toms Tricks als Blaupause.

Der kajakende Surfer:

Milan wuchs in einer Kajakfamilie im Schwarzwald auf. Als kleiner Kind nahm ihn sein Vater schon mit auf Flusswellen. Milan spürte irgendwann dass diese Flusswellen zwar der richtige Ort für ihn sind, aber das Kajak das falsche Sportgerät. Er wollte mehr Bewegungsfreiheit und seine Beine ebenfalls einsetzen.

So kaufte er sich sein erstes Surfbrett. Ohne Anschluss an andere Riversurfer war er ab diesem Zeitpunkt auf seinem Brett unterwegs. Mit ihm seine Freunde , die alle Kajak fuhren.

Milan wollte natürlich regelmäßig Riversurfen und nicht nur bei Hochwasser. Deshalb fuhr er als Weekendwarrior viele Wochenenden mit seiner Hippiekarre nach München an den Eisbach.

Dort lernten wir uns vor ca. 5 Jahren kennen. Milan war zu diesem Zeitpunkt der einzige Surfer der dort mit Helm und Schwimmweste surfte. Dieses Sicherheitsdenken hat er sich aus seiner Kajakvergangenheit erhalten.

Unsere coole Surfermentalität, die Helme am Eisbach verpönt, hat er mir schon in vielen Diskussionen um die Ohren gehauen. Das tragischste Ereignis seines Lebens war der Tod seines Cousins, der mit 23 Jahren bei einer Flussbefahrung am Lech ertrank.

Trotz dessen Kajaklehrerausbildung, seinem Sicherheitsequipment und seiner Erfahrung wurde ihm ein Baum unter Wasser zum Verhängnis.

Die Rettungskräfte schafften es selbst mit einem Helikopter kaum, den leblosen Körper zu bergen. Der Wasserdruck war so stark, dass es ihm sogar den Neoprenanzug vom Leib riss.

Ich habe von Milan bei jeder unserer Exkursionen zu Hochwasserwellen so viel in Punkto Sicherheit gelernt, das ich nicht mehr missen möchte.

Ohne Schwimmweste und Messer lässt er mich nicht ins Wasser. Noch viel wichtiger ist sein ständiges Mantra immer aufeinander zu schauen und als Team zu surfen. Das hatte ich früher im Eifer des Gefechtes leider oft nicht beachtet.

Man sollte nie vergessen, dass wilde Flüsse im Vergleich zum ausbetonierten Eisbach wesentlich mehr Gefahren bergen. Ein Leash z.B. kann dir im Wildbach echt zum Verhängnis werden.

Eine der härtesten Lektionen die ich von Milan gelernt hatte war zu verzichten.

Letzten Sommer hatten wir eine perfekte Flusswelle gefunden. Dahinter eine Walze. Wir probierten mit Wurfsäcken ob uns diese gefangen halten würde. Ich wäre danach reingegangen weil ich das Gefühl hatte, dass die Walze uns ausspuckt. Milan hatte ein schlechtes Gefühl und deshalb sind wir nicht reingegangen. Ich wäre beinahe durchgedreht.

Zum Glück hatte Milan sein altes Kajak dabei und ließ mich dieses im seichten Wasser ausprobieren.

Ich traue mich jetzt gar nicht es laut zu sagen. Aber es hat Spass gemacht.

Milan hat sich mittlerweile einen Traum erfüllt und ist des Flusssurfens wegen nach München gezogen.

Jetzt hat vor einigen Tagen in Metz in Frankreich ein Kajakpark eine Flusswelle errichtet.

Das ist revolutionär für Europa. Kajaker und Surfer ziehen endlich an einem Strang. Hoffentlich werden sich mehr Kajakparks in Europa daran ein Beispiel nehmen.

Das Foto von Tom stammt von Alex Guimont

Euer Simon

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