Schwere Unwetter in Slowenien loesen Erdrutsch aus

Autor: Toni
27.11.2000
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Das schwere Unwetter in Slowenien, November 2000, im Mangartmassiv löste eine Katastrophe aus, die 7 Menschen das Leben kostete.

Lagebericht zu den starken Unwettern im Gebiet der Soca!

Die Unwetter, die vor Wochen schon durch Südtirol, Norditalien und durch die Schweiz eine Spur der Verwüstung gezogen haben, haben nun auch in Slowenien starke Schäden hinterlassen! Am 18. November löste sich nach extrem starken Regenfällen - laut Einheimischen den heftigsten seit Menschengedenken - eine riesige Mure vom Mangartmassiv, und raste in den Predilnica Canyon. Von dort schob sich die Geröll- und Schuttlawine quer durch das kleine Dorf Pod Mangrtom weiter in die Koritnica. Etwa die Hälfte des Dorfes, welches 8 Kilometer vor Bovec am Fuße des Mangart liegt, und wohl jedem Paddler ein Begriff ist, wurde dabei total zerstört. Ein tragisches Detail am Rande: Teile des Dorfes wurden bereits am Anfang der Woche evakuiert, dann aber erlaubte man den Bewohnern die Rückkehr. In der folgenden Nacht geschah das Unglück, das 7 Menschen das Leben kostete.
Durch die gewaltigen Mengen von Holz, Geröll und auch Hausteilen wurde der Koritnica Canyon total verklaust. Das Wasser, das nun nicht mehr frei abrinnen konnte, bildete einen riesigen See. Es wurden noch am gleichen Tag zirka 400 Menschen im Socatal evakuiert, da die Flutwelle nach dem Bersten der natürlichen "Staumauer" die direkt am Fluß liegenden Dörfer wie zum Beispiel den Ort Cezsoca zerstört hätte. Glücklicher Weise trat dieser Fall nicht ein, die Fluten trugen die Holzversperrung langsam ab. Die Paßstraße über den Predilpaß wurde jedoch auf einer Breite von zig Metern bis zu 6 Meter tief weggerissen, die Wiederherstellung der Straße wird Monate dauern, der Einsatzleiter spricht sogar von einer Dauer von über einem Jahr, da noch ein weiterer großer Hang abzurutschen droht, der nun ebenfalls abgesichert werden muß. Bis dahin bleibt der Predilpaß komplett gesperrt, wie auch alle anderen Straßen im oberen Koritnicatal. Die Anreise in das Socatal erfolgt während dieser Zeit entweder über den Wurzen- und den Vrsicpaß, diese Pässe sind jedoch für Gespanne gesperrt, der Vrsicpaß hat zudem eine relativ lange Wintersperre, oder über das Kanaltal - Udine - Cividale, was jedoch mit einem erheblichen Mehraufwand an Zeit und natürlich auch an Geld (Maut) verbunden ist.

Was aber wohl jeden Paddler und Freund der Soca am meisten interessiert, das sind wohl die beliebten Bäche selbst:
Die Soca hat sich durch die Fluten wenig verändert, zumindest im Bereich von Bovec über Log Cezsoski bis hinunter zur WM - Strecke nach Trnovo. Hier liegt zwar jede Menge Holz am Fluß, jedoch hauptsächlich an den Ufern, diese Strecke kann durchgehend befahren werden. Für eine Befahrung der großen Schlucht und der Abseilstrecke führt die Soca derzeit noch zu viel Wasser. Dies gilt auch für den Lauf der Ujcea. Der Oberlauf der Koritnica ist absolut zerstört, in der Standardstrecke nach dem unfahrbaren Canyon bei der Festung liegt jede Menge Holz und auch teilweise scharfkantige Teile von Häusern, besonders Blechstücke (vermutlich von Dächern). Es muß mehrere Male mühsam Umtragen werden, auch der kleine Canyon gleich am Beginn ist derzeit verlegt. In der starken Linkskurve am Ende des ersten Drittels ist ein Teil des dort sehr lehmigen Ufers samt Strauchwerk und Bäumen von der Prallwand in den Bach gerutscht, hier muß ebenfalls derzeit noch Umtragen werden. Auch in der Klamm nach der Straßenbrücke hängen Bäume, bei sehr hohem Wasserstand ist diese aber fahrbar. Abschließend lässt sich zusammenfassen, daß es die Koritnica mit Abstand am schlimmsten getroffen hat, und daß die Soca (glücklicher Weise) deutlich weniger abbekommen hat. Solange die Großwetterlage mit mächtigen Frontensystemen aus Süd-West jedoch weiter anhält, muß man jederzeit mit erneuten Hochwässern und Murenabgängen rechnen.

Info: Pietro Linda und Toni

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