Schwimmwesten - Produktvorstellung und Tests

Autor: Toni & Ian
07.02.2006
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Schwimmwesten – Produktvorstellung und Test

- Dank der Firmen °hF, Prijon und Robson können wir hier und heute einige Schwimmwesten vorstellen, um euch ein wenig über diese Modelle zu informieren.
Grundsätzlich sei an dieser Stelle angemerkt, dass es nicht das Ziel von uns ist, euch mit Bruchlasten, DIN-Normen oder sonstigem Hi-Tech voll zu labern, wir wollen euch einen kleinen Überblick über 5 sehr angesagte Schwimmwestenmodelle geben.
Ian und ich haben uns einen Abend lang mit den Westen vergnügt, um ihren Geheimnissen auf die Spur zu kommen.

Alle 5 Westen entsprechen natürlich den gängigen Normen und besitzen das verlangte Prüfzeichen.
Aber nun genug der Einführung, lassen wir die Fakten sprechen.

 

ROBSON AKC PROTECTOR

Der Newcomer unter den arrivierten Westenherstellern. Im vergangenen Jahr präsentierte Robert Sommer der Paddelszene, dass er nicht nur Boote, Paddel und das passende Zubehör herstellen kann, sondern auch Schwimmwesten. Schon kurz nach der Vorstellung kamen erste Gerüchte auf, dass die Weste ein billiges Plagiat sei. Günstig ist sie, das stimmt, ob und wie weit der Vorwurf der Abkupferei zutrifft, das müssen sowieso andere entscheiden. Wir haben uns die Weste angeschaut:

+ riesige Fronttasche, zweigeteilt in einen Innen- und einen Außenbereich, mit herausnehmbaren zusätzlichen Auftriebskörper.
+ Schultergurte sind super gepolstert
+ die Weste lässt sich gut anziehen
+ AK sind herausnehmbar, was die Reinigung der Weste erleichtert.
+ 3 faches Quergurt-System ermöglicht eine guten Anpassung der Weste am Körper
o Nähte sind nur teilweise verstärkt ausgeführt
o das Gurtsystem ist nur teilweise durchgehend, die Schultergurte enden z.B. unter der Brusttasche und gehen nicht bis zum unteren Quergurt durch
o die Weste ist nur in zwei Größen verfügbar, wobei schon die Kleinere relativ groß ausfällt
o die Weste besitzt nur sehr kleine "Naht"-Reflektoren an der Fronttasche und den Schulterträgern.
o fehlender Metallring zur Befestigung von Cowtails am Brustgurt
- der untere Schultergurt wirft beim Verstellen sehr große Falten (Schlaufen), außerdem lassen sich diese Gurte nur schwer verstellen, da der Zurrgurt weit hinten am Schulterblatt liegt.
- Karabinerpark ist schwer zu finden und löst auf Zug nicht von selbst aus!
- Karabinerpark liegt sehr nahe an der Panikauslöse, was ein versehentliches Öffnen derselben ermöglicht.
- fehlende Aufnahmemöglichkeit für Kletter- oder Abseilhilfe



Die Robson Protector ist gemeinsam mit der °hF Serpent die Einzige, deren Brustgurt bei geöffneter Panikauslöse unter Zug nicht ausfädelt, wenn man den Gurt doppelt durch die Metallklammer geführt hat. Ein Hinweis darauf fehlt allerdings bei dieser Weste, was fatal sein kann. Ist der Gurt nur durch die Panikauslöse geführt, fädelt er beim Öffnen tadellos aus.

 

PALM RIVERTEC WHITEWATER

Auftriebstarke moderne Wildwasserweste, höchst ergonomisch gestaltet, mit beispielloser Bewegungsfreiheit. So steht es im Katalog geschrieben, mal schauen;

+ wasserfeste (!) Dokumententasche
+ zweite Tasche mit Clip und fixem (flachem) Metallkarabiner (dessen Befestigung allerdings etwas lieblos gestaltet wurde)
+Neopren gepolsterte breite Schultergurte
+ zwei Innentaschen vorne lings und rechts, leicht zugänglich
+ Antirutschgummis am Hüftabschluss
+ gute und vielfältige Verstellmöglichkeiten
+ alle wichtigen Nahtpunkte sind doppelt vernäht
+ Metallring inkl. Klettsicherung zur Befestigung von Cowtails
o Karabinerpark besteht nur aus einer Schlaufe, diese löst aber beim Anziehen gut aus
o gefälliges aber nicht aufregendes Design
o Reflektorstreifen vorne und hinten
- die unteren Schultergurte sind extralang und lassen sich nicht kürzen, da sie vernäht sind
- „Gurtspaghetti“ durch zu viele und zu lange Gurte unter den Armen
- unterster Gurt lässt sich mittig nur ca. 5 cm kürzen, was sich als zu wenig erweist
- Auftriebskörper drücken im Sitzen da sie relativ hoch sind
- Auftriebskörper hinten sind durch den angewandten Schnitt sehr weit unten situiert, dadurch bietet die Weste wenig Schutz im oberen Rückenbereich
- Trotz extrem eng angezogenen Gurten rutschten beide Tester aus der Weste
- Die vorderen AK überlappen sich, wenn man die Weste festzurrt
- fehlende Aufnahmemöglichkeit für Kletter- oder Abseilhilfe


Die Passform der Rivertec konnte uns persönlich nicht wirklich überzeugen. Die einzige wirkliche Reißverschlussweste hat nicht nur das höchste Gewicht aller probierten Westen, sie lag auch nicht wirklich gut an. Die im Inlet für unsere Größe (105 / 107cm Brustumfang) geforderte M/L Weste war uns beiden deutlich zu groß geschnitten.
Der Brustgurt fädelt bei geöffneter Panikauslöse tadellos aus, dies auch dann, wenn der Gurt doppelt durch die Metallschnalle gezogen wurde. Das kann zwar ein Vorteil sein, wenn man allerdings als Rettungsspringer zum Einsatz kommt, sollte man tunlichst darauf achten, dass die Panikauslöse wirklich gut zu ist.

 

PALM  AXIS  EXTREM

Robuste Schlupfweste fürs Wildwasser, eine auf die man sich verlassen kann, wenn es zur Sache geht – so viel der Prospekt, und nun wir:

+ tolle Passform, Weste lässt sich einfach anziehen
+ große Rundum-Bewegungsfreiheit
+ Schultergurte sind sauber mit Neopren gepolstert
+ ansprechendes Design mit deutlich sichtbaren Reflektoren
+ Brusttasche ausreichend groß für kleinere EH-Packerl, Tasche zweigeteilt, vorne mit Karabiner und abklippbarem Ring, an dem Schlüssel etc. leicht befestigt werden können ohne verloren zu gehen, die Innentasche besitzt eine kleine Extratasche, in der Öhrstöpsel und Nasenklemme verstaut werden können.
+ Antirutschgummi am unteren Ende der Weste
+Weste sitzt bombenfest
+ Stahlring inkl. Kletthalterung für die Aufnahme des Cowtail vorhanden
+ absolut durchgehendes Gurtsystem, an allen Kreuzungspunkten mehrfach vernäht
o Gurtschlaufe statt Karabinertasche für den Cowtail, Auslösung auf Zug allerdings tadellos
o seitlich unter den Armen sehr frei, dadurch aber auch weniger Schutz
o Info zum Gebrauch der Weste an der Rückseite des Haupt-Brustgurtes versteckt
- seitliche Gurte etwas fummelig einzustellen – Gurte enden frei und hängen herum
- unterster Schultergurt ist fix angenäht, lässt sich nicht verstellen, dadurch wirft er Falten
- fehlende eigenen Aufnahmemöglichkeit für Kletter- oder Abseilhilfe



Die Axis Extrem ist eine Weste, bei der im Großen und Ganzen alles so ist, wie es auch sein soll. Der Rückengurt rutscht, wie auch bei der anderen Palm, bei geöffneter Panikauslöse tadellos heraus, die auch dann, wenn der Gurt doppelt durch die Metallschlaufe gezogen wurde. Die Weste ist beim Bergeversuch nur ganz gering verrutscht, liegt vom Gewicht her genau in der Mitte des Testfeldes und punktet besonders durch tolle Verarbeitung und hochwertiges Cordura-Material etc.

 

Prijon Creekline

Der Wolf im Schafspelz, eine Weste, die einen auch dann nicht in Stich lässt, wenn man im Extrembereich unterwegs ist.
Gut, mal schauen:

+ leicht anzuziehen
+ durchgehendes Vertikalgurtsystem bis ganz nach unten zu den Horizontalgurten
+ Karabinerpark in Taschenausführung aus Neopren, Karabiner lässt sich einfach herausziehen
+ Netz-Innentasche am Rückenteil
+ großflächige AK bieten relativ guten Rundumschutz
+ Weste liegt supergeschmeidig an, wirkt fast „weich“
+ Panikauslöse schließt spürbar („klick“) und hält bombenfest
+ Schultergurte mit elastischer Verstellung, dadurch keine Faltenbildung
+ Ring für Aufnahme des Cowtail vorhanden, allerdings ohne Klettfixierung
o fehlender dritter Horizontalgurt
o relativ kleine Tasche, außen liegende Messertasche
o Farbe dieser Version passt zwar überall dazu, ist aber nicht unbedingt gut sichtbar
o Verstärkungsnähte sind zwar sehr sauber, aber nur einfach ausgeführt
- D-Ring statt O-Ring am Rücken
- durch dünnere AK weniger Schutz gegen Schläge und Stöße
- praktisch keine Reflektoren





Die Prijon Creekline ist eine äußerst gefällige Schlupfweste im Retro-Design mit hübscher Stickerei verziert. Sie ist die leichteste Jacke im Test, lässt sich dadurch auch angenehm tragen. Der fehlende dritte Horizontalgurt wirkt sich beim Bergeversuch nur marginal aus, die Weste verrutscht durch ihr tolles Anliegen nur minimal.
Der Brustgurt gleitet bei geöffneter Panikauslöse sauber aus den Schlaufen, dies auch dann, wenn der Gurt doppelt durch die Metallklammer geführt wurde.
In Kombination mit dem ebenfalls von Prijon angebotenen und auf der Trockenjacke montierten Bergegeschirr ist sie die einzige Weste, mit der man wirklich alpin arbeiten kann, wenn dies einmal nötig sein sollte.
Nachsatz: Die aktuelle 2006er Version erscheint in trendigem, leuchtendem Orange. Was sonst noch anders an der neuen Version ist, bekommt ihr in Kürze bei uns präsentiert.

 

°hF  SERPENT

Die Schwimmweste des deutschen Sicherheitsexperten schlechthin, also nicht lange herum schreiben, auf geht`s:

+ Schultergurte lassen sich durch ein Gummizugsystem supertoll anpassen
+ Befestigungsmöglichkeit für Abseilachter o.ä. durch mehrfach vernähte Schlaufe mittig vorne
+ durch großflächige AK ist auch ein seitlicher Schutz vorhanden
+ absolut durchgehendes und doppelt vernähtes Gurtsystem
+ hohe Bewegungsfreiheit durch gute Passform
+ unterer Gurt lässt sich beidseitig fixieren, was die Anpassung erleichtert
+ waschbar durch herausnehmbare AK
+ tolle Gebrauchsanweisung beiliegend
+ ausgiebig Reflektoren an der Weste
+ Innentasche am Rückenteil beinhaltet eine ausführliche CPR-Info !!!
+ große Reißverschlusstasche an der Brust, außen zweigeteilt mit Klettverschluss
o Brusttasche relativ flach geschnitten, was die Anwendung ein wenig einschränkt
o Reißverschluss-Schutz etwas filigran ausgeführt
- durch nur zwei horizontale Gurte rutscht die Weste etwas leichter, besonders dann, wenn die Panikauslöse versehentlich geöffnet wurde
- Karabinerpark lieblos aus sprödem Plastik, löst allerdings gut aus
- fehlender O-Ring zur Aufnahme von Cowtails



Die °hF-Serpent ist eine Schlupfweste mit durchgehendem seitlichem Reißverschluss. Sie gefällt durch saubere Verarbeitung, schöne Farben und feiner Stickerei am Rücken. Die Serpent ist die zweitleichteste Weste im Test. Sie lässt sich gut anpassen und trägt sich, ohne die Bewegungsfreiheit einzuschränken. Der Brustgurt fädelt bei geöffneter Panikauslöse tadellos aus, dies allerdings nur dann, wenn der Gurt nicht durch die Metallklammer läuft.
Die Serpent ist allerdings die einzige Weste, bei der das System ganz genau beschrieben und erklärt ist, und die auch noch zusätzliche Sicherheitsinformationen dabei hat!! Außerdem ist sie die einzige Weste, die man durch die angenähte mittige Schlaufe auch direkt zum Klettern verwenden kann, ohne ein Seil beim Hauptgurt einhängen zu müssen.

 

Fazit:

Alle Westen bieten Sicherheit auf hohem Level, die einen etwas mehr, die anderen weniger, doch den Anforderungen genügen sie sowieso.
Man wird also als Paddler wieder einmal nicht umhin kommen, selbst in die Westen zu schlüpfen, sie zu testen und zu probieren um sich ein Bild zu machen, und um sich dann für die zu entscheiden, die einem persönlich am meisten zusagt.

Viel Spaß dabei und weiterhin eine unfallfreie Fahrt wünscht euch das Team Soulboater.com

Text, Tests und Bilder von Ian und Toni
© Soulboater.com 2006

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