Sicherheit: Wurfsacktechnik

Autor: Horst Fürsattel
02.11.2004
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Komplexe Rettungsübung mit dem Wurfsack
von Horst Fürsattel

Ein Schwimmer hat sich mitten im steilen Wildbach mit dem Bein verfangen und kommt aus eigener Kraft nicht mehr frei. Ebenso gut könnte es ein eingeklemmter Kajakfahrer sein.
Eine direkte Hilfe ist wegen der starken Strömung unmöglich, aber beide Ufer sind begehbar und der Fluss ist nicht zu breit.


Zuerst ziehen die Retter ein Seil unter das Opfer und ziehen das Seil straff. So hat der Verunglückte etwas Halt und kann besser atmen.

Der Rest der Übung ist auf den folgenden Teddy-Bildern besser darzustellen:


1) Zuerst fliegt ein Wurfsack an das (flussabwärts gesehen) rechte Ufer


2) Mit dem ersten Wurfsack wird ein Doppelseil herübergezogen.


3) Das Seil reicht doppelt gerade noch über den Fluss. Bei einem breiteren Fluss hätte man ein zusätzliches Seil einsetzen müssen.


4) Der Retter am rechten Ufer (Pfeil) geht flussauf und schwingt das eine Seil über den Verunglückten.


5) Der häufig schwierigste Teil in der Praxis: Das Seil muss unter die Arme des Verunglückten. Strömung, Hindernisse oder Schwimmwesten mit dicken Brust-Taschen erschweren diese Aktion.


6) Das Seil liegt unter den Armen (mindestens unter einem Arm!). Wenn das Seil günstig liegt kann jetzt der Verunfallte ans rechte Ufer gezogen werden. Hauptzug am Doppelseil, das Einfachseil vom linken Ufer kann nur unterstützen.


7) Der leitende Retter ist nicht sicher ob das Doppelseil fest genug am Verunglückten sitzt. Deshalb klickt er die Bodenschlaufe des rechten Wurfsacks mit einem Karabiner in das Seil zu einer Schlinge.


8) Die Schlinge wird zugezogen und sitzt dann sicher am Verunglückten, auch der Retter am linken Ufer kann jetzt kräftiger ziehen als bei #6.
Die Hauptzugrichtung ist wieder zum rechten Ufer (Pfeil)
Mit kräftigem Zug gegen die Strömung kann der Verunfallte befreit und ans Ufer gezogen werden.


Der Betrachter dieser Bilder sollte nicht dem Irrtum unterliegen, dieses Rettungsmanöver am Bildschirm lernen zu können.
Unter professioneller Anleitung macht es Spass zu lernen. Dort erfahren Sie weitere Details, die zum Erfolg solcher Rettungen unbedingt nötig sind.
Natürlich könnte man auch ein verkeiltes Boot mit dieser oder ähnlicher Technik befreien. Wenn die Voraussetzungen stimmen (Situation, Ausbildung, Teamwork, regelmäßiges Training,..), dann lassen sich auch scheinbar ausweglose Problemfälle ohne Risiko für die Retter lösen.

Die Bilder oben sollen die Möglichkeiten aufzeigen, die man nach einer Ausbildung hat. Sie können jedoch die Ausbildung nicht ersetzten. Erst ausbilden und trainieren, dann anwenden. Sonst nicht!


Die Rettungsübung (Bild 1) wurde von Mike Mather geleitet und fand bei einem Kurs der DGWR statt. Vielen Dank für die Zusammenarbeit!

Kontaktadressen z.B:
   Deutsche Gesellschaft zur Wasserrettung
   Swiftwaterresue.at


Mike Mather (graues T-Shirt) aus USA ist hauptberuflich Ausbilder für Wildwasserrettung.
Horst Fürsattel war jahrelang Kanulehrer-Ausbilder im VDKS. Als Ausrüstungs-Hersteller arbeitet er heute eng mit professionellen Rettungsdiensten zusammen.

Das Bild von Mike und Horst hat Theresa Langer gemacht - vielen Dank!
Alle sonstigen Bilder dieser Seite und der Text sind von Horst Fürsattel.
© Horst Fürsattel 2004 | Stand dieser Informationen: 02.11.2004

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