Interview mit Eric Deguil

Autor: Martina
05.01.2014
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So, alle Interviews, die mit den Mädels zustande gekommen sind, haben wir nun durch. soulboater-Reporterin Martina hat aber auch noch mit zwei Franzosen gesprochen - wir sind ja schließlich ein internationales Mag - und zwar mit Eric Deguil, der heute dran ist, und David Pierron. Eric wurde vom Sprecher bei der Veranstalter quasi "altersdiskriminiert" mit seinen 32 (!) Jahren, aber seine Erfolge auch bei anderen Rennen zeigen, dass "Alter" nicht gleichbedeutend ist mit Erfolglosigkeit beim Paddeln!

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Eric, Du warst vor dem letzten Start bei der Sickline WM schon Fünfter, am Ende "nur" Elfter: Was war denn da los?

Ich hab einen sehr guten Start gehabt, ich wußte, dass ich vorn lag. Dann aber habe ich nur den TNT-Katarakt schlecht genommen, das hat mich dann daran gehindert, richtig Fahrt aufzunehmen, um den Championskiller gut zu kriegen. Also bin ich bloß 11. geworden. Diese Strecke vergibt Dir halt noch nicht einmal Fehler von weniger als einer Minute...

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Eine Französin, Nouria Newman, hat ja bei den Frauen gewonnen mit einer Zeit von 1,03 min. Denkst Du, dass die Frauen heute stärker sind als früher?

Aber sicher! Die Weiterentwicklung der Boote erleichtert es allen, auch Wildwasser 5 paddeln zu können. Frauen wie Nouria, Toni oder auch Katrina zeigen, dass diese Art von Wettkampf nicht mehr allein den Männern vorbehalten sein muss. Und außerdem sind die Bäche ja für alle da!

Warum gerade die Sickline? Magst Du solche Rennen?

Ich gestehe, dass ich eigentlich nur wenig Spaß daran habe, bloß für eine Minute Paddeln ins Boot zu steigen. Aber das hier ist eine außergewöhnliche Strecke, die bisher auf meiner Siegesliste fehlte.

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Bist Du außer der Sickline auch andere Rennen gefahren und wenn ja, welche?

Nach einer Fraktur dreier Lendenwirbel vor drei Jahren habe ich mich auf Extremrennen fokussiert. Wasserfälle sind so ziemlich durch bei mir. Also versuche ich auf der ganzen Welt herumzukommen im Rhytmus der Wettkämpfe und neue Bäche kennenzulernen und neue Freunde zu finden. Ich habe schon an einer ganzen Reihe von Wettkämpfen mitgemacht: Das Green Race, Russel Fork Race, North Fork Championship, White Water Grand Prix, Devil's Race, Voss Extremvecko, Pryrénées Buddies Race, River Guru Race, Pallars Extrem, Alseseca Race, EPO in Italien und noch einige andere.

Seit wann bist Du Paddler?

Meine ganze Familie besteht aus Paddlern. Mein Großvater hat sein erstes Kajak mit Segel mit 19 Jahren selbst gebaut. Meine Mutter und mein Onkel sind mit 16 Jahren die Loire de Roanna bis Nantes gepaddelt. Mein Vater hat mich zwischen seinen Knien auf meine erste Kanutour mitgenommen, da war ich gerade 10 Monate alt. Ich habe an mehreren Weltmeisterschaften im C1 Slalom teilgenommen an der Seite meines Bruders, der im Zweier mitfuhr. Ich habe das Paddeln sowohl mit dem Kanadier als auch mit dem Kajak einfach im Blut.

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Wo paddelst Du normalerweise, wo ist Dein home-spot?

Cauterets!

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Das ist ganz in der Nähe von mir zuhause in den Pyrenäen. Ungefähr 20 Kilometer Wildwasser 4-5 puren Glücks. Kein bißchen Flachwasser! Ich bin dort jeden Abend nach der Arbeit mit meinen Kumpels.

Dein Name "Deguil" läßt mich natürlich direkt an unseren Sport denken (der auf jeden Fall der beste der Welt ist). Du bist doch sicher schon öfter den Guil gepaddelt? Wie gefällt Dir die Gegend?

Hahaha. Schon seit wir ganz klein waren, haben mein Bruder und ich Wortspiele mit unserem Namen und dem dieses Baches gemacht. Ich bin dort schon gepaddelt, als ich 13 Jahre alt war. Kleine Geschichte: Meine Mutter hat mir immer verboten, den Rapid auf dem Guil namens "Millenium" zu fahren, bevor ich nicht erwachsen bin. Trotz einer Vielzahl an Fahrten dort (weiß gar nicht mehr, wie viele), habe ich die Stelle immer umtragen - bis ich 20 war.

Welche Gegenden bevorzugst Du zum Paddeln?

In Frankreich finde ich die Pyrenäen genial. Da gibt es das ganze Jahr was zu paddeln. Das Paradies für Paddler ist aber für mich persönlich Norwegen.

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Du fährst doch sonst auffälligerweise immer mit einem rosa Helm herum, warum warst Du denn diesmal mit einem Gelben unterwegs?

;o)) Ich war darüber ziemlich angenervt: Aus Sicherheitsgründen, die man nicht unbedingt verstehen muss, waren bestimmte Helme und Schwimmwesten bei der diesjährigen Sickline verboten. Ich habe immer noch nicht verstanden, warum mein Helm nicht zugelassen worden ist. Also mußte ich mir für das Rennen den Helm eines Freundes ausleihen.

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Ich habe gelesen, dass Du von Beruf Baumarbeiter bist. Hört sich interessant an, wie bist Du denn darauf gekommen?

Ja, ich bin Baumarbeiter, ich kümmere mich um die Sicherung von Bäumen in den Städten. Ich liebe es sehr, in der Natur zu sein. Ich brauche das einfach. Und dieser Beruf erlaubt es mir, jeden Tag draußen zu sein, noch dazu mit super Panoramablick über die Stadt.

Was Du für Interessen außer dem Paddeln?

Draußen in der Natur zu sein. Wenn ich nicht paddle, schnappe ich mir mein Mountainbike und drehe eine Runde im Wald.

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Wirst Du nächstes Jahr zurückkommen, um die Sickline zu gewinnen?

Keine Frage, aber klar werde ich wieder dabei sein!

Vielen Dank für das Interview, Eric, das nächste Mal packst Du es!

Hier noch ein paar Infos zu Eric:

http://www.youtube.com/watch?v=pSeurJOYT_Y   - ein Film von Pierre-Etienne Léonard

http://www.eric-deguil.com/

Interview auf englisch: http://www.teamliquidlogic.com/team-europe/eric-deguil

http://fr.wikipedia.org/wiki/%C3%89ric_Deguil

Bericht und Fotos: Martina & Hannes

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