Reviertipp Val di Sole - Trentino, Norditalien

Autor: Axel Engeldrum
24.12.2020
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Reviertipp Val di Sole - Trentino / Norditalien

- Noce:

In der Zeit vom 13.06 bis 18.06 besuchten wir das Val die Sole mit dem im Tal verlaufenden Noce. Er ist ab dem Zusammenfluss von Vermigliana und Noce Bianco bis zum Stausee durchgehend fahrbar. Es gibt einige Wehre, die zumeist unproblematisch sind. Nur bei der Brücke in Monclassico liegt eines mit etwas größerem Rücklauf, das vorher besichtigt werden sollte. Das Umtragen ist jedoch ohne weiteres möglich.

Der Noce wechselt bis zum Schluchteingang zwischen WW 1 und WW 2-3+. Im oberen Teil bei Mezzana befindet sich eine Slalomstrecke mit einer kräftigen Abschlusswalze. Direkt im Anschluss sprudelt der Noce weiterhin kräftig durch das verengte Flussbett. Dies ist einer der anspruchsvollsten Abschnitte des Noce. Es folgen jedoch immer wieder kürzere Katarakte, die Konzentration erfordern. Auf der Höhe von Dimaro befindet sich direkt nach den drei großen Brücken erneut ein etwas wuchtigerer Abschnitt.

Viele natürliche und künstliche Wellen laden zum Surfen ein. Der Noce erlaubt auf seinen ruhigeren Abschnitten auch Anfängern, eine wunderschöne Fahrt durch das Noce Tal zu unternehmen. Die Landschaft wird von grünen Obstplantagen bestimmt. Schwächere Paddler sollten allerdings bei der Ponte Stori die Fahrt beenden.

Die folgende Noce Schlucht ist WW 4-5. Von der Ponte di Mostizzolo kann man einen Eindruck von der Tiefe und Schönheit der Schlucht gewinnen. Die Schlucht an sich kann linksufrig gut angeschaut werden. Auch Umtragen ist ist größtenteils möglich. Gleich der Eingang ist sehr wuchtig und leicht verblockt. Es folgt in der Mitte der Schlucht eine sehr wuchtige S-Kurve mit einer verwalzten Anfahrt. Diese Stelle ist bei hohem Wasserstand WW 5. Je nach Füllstand des Stausees ist die Wildwasserstrecke länger oder kürzer. Am Ende der Strecke bestünde die Möglichkeit, am linken Ufer herauszutragen. Wir hatten diese Chance verpasst und sind den See ca. 2 km weiter gepaddelt, bis wir dann am linken Seeufer an einer
Zufahrtstrasse anhalten konnten.

Der Noce Bianco ist im Oberlauf aufgestaut. Das Kraftwerk in Pont produziert hauptsächlich in der Woche Strom und gibt daher in dieser Zeit am meisten Wasser ab. Der Einstieg befindet sich ca. 100 Meter unterhalb des Auslaufs. Wir hatten am Kraftwerk einen Pegel von 60 cm. Der Noce Bianco fließt anfänglich mit schneller Strömung durch ein eingefasstes, sehr kehrwasserarmes Bachbett. In Cogolo beginnt eine offene Waldschlucht und die Schwierigkeiten nehmen zu. Der Bianco wird hier wuchtiger und oft unübersichtlich, herrliches Wildwasser im vierten Grad.

Ca. 500 Meter nach zwei direkt hintereinander liegenden Brücken beginnt der schwierigste Teil. Der Noce Bianco bricht zusehends steiler hinab. Am linken Ufer befindet sich ein schöner Radweg, von dem aus der folgende „Sägewerkskatarakt“ sehr gut besichtigt werden kann. Diese  Steilzone stellt WW 5 da. Sie ist ziemlich kehrwasserlos und kontinuierlich steil. Wir haben diese Stelle jedoch schweren Herzens umtragen, da einige kleinere Bäume im Flussbett lagen. Nach dem Katarakt nehmen die Schwierigkeiten bis zum Zusammenfluss mit dem Vermigliana auf WW 2 ab.

Im Bereich der Vermigliana werden zurzeit starke bauliche Veränderungen vorgenommen. Die Strecke von Stavel bis Cortina ist begradigt und mit vielen kleinen Staustufen versehen. Auf diesem Abschnitt ist kein vernünftiges Wildwasser mehr vorhanden. Auch oberhalb Cusiano wird momentan sehr umfangreich gebaut. Der Fluss ist aufgestaut und wird teilweise über Rohre aus dem alten Bachbett geleitet. Wir konnten beobachten, dass zum Abend hin das Wasser teilweise wieder in das Flussbett geleitet wurde. Auf jeden Fall ist große Vorsicht geboten! Der ganze Baustellenbereich sollte zurzeit nicht befahren werden. Anschauen im Vorfeld ist ohne Probleme möglich.

Am rechten Ufer führt ein kleiner Weg flußaufwärts entlang der Baustelle bis zu den drei großen Wehren. Die Fahrt bis zu diesen Wehren ist absolut lohnenswert. Es handelt sich um eine kleine Wildwasserperle mit durchgehend WW 3-4 bei schönster Verblockung. Am ersten Wehr ist der Fluss minimal aufgestaut. Die Wehre können je nach Geschmack befahren werden. Wir brachen hier die Fahrt ab. Nach der Baustelle folgt ein letzter schöner Katarakt. Die folgenden 2 km bis zum Zusammenfluss mit dem Noce Bianco sind wenig lohnend, da viele Gefällbremsen eingebaut wurden.

Schon nach der ersten Befahrung waren wir uns einig, dass dieser Bach der beste im weiteren Umkreis ist. Der Rabbies strömt schnell, ist meist durchgehend steil und fließt durch mehrere enge Klammen. In den Klammabschnitten nehmen die Schwierigkeiten zu, ein Besichtigen der Stellen ist jedoch über kleine  Pfade jederzeit möglich. Der Einstieg befindet sich am Ortsrand von Piazzola (oberhalb von San Bernado). Für eine erste Befahrung sollte viel Zeit einplant werden, da der Bach unübersichtlich ist und ein ständiges Besichtigen erfordert. Das Wehr in San Bernado kann befahren werden. Zum Ende befindet sich ein weiteres Wehr in Magras, das unfahrbar ist, sich jedoch rechts umtragen lässt. Das Wehr kommt ca. 200 Meter nach der engen Brückendurchfahrt in Magras. Nach dem Umtragen kann die Fahrt bis in den Noce fortgeführt werden.

Noce

Fahrtstrecke: Cusiano – Stausee, 25 km
Charakter: abwechslungsreiches, stellenweise wuchtiges Wildwasser in einem offenen Tal; vor dem Stausee kurze, sehr schwierige Schluchtstrecke
Schwierigkeiten: WW 2-3+, Schlucht WW 4-5
Pegel: Brücke oberhalb Malé, MW = 70 cm   
Besonderheiten: rückläufiges Wehr bei der Brücke in Monclassico

 
Noce Bianco

Fahrtstrecke: Kraftwerk bei Pont bis zum Zusammenfluß mit der Vermigliana, 8 km
Charakter: zunächst leichtes Wildwasser in begradigtem Flußbett, später lange und steile Katarakte in einer offenen Waldschlucht
Schwierigkeiten: WW 3-4+ (5)
Pegel: keiner, an Wochentagen erhöhte Wasserabgabe des Kraftwerks
Besonderheiten: wenige Kehrwasser, Baumversperrungen möglich

Vermigliana

Fahrtstrecke: Cortina bis oberhalb Cusiano, 4 km
Charakter: wunderschönes mittelschweres Wildwasser mit leichter Verblockung 
Schwierigkeiten: WW 3-4
Pegel: keiner, MW = ca. 10 m²/sek.
Besonderheiten: Baustelle mit neuen Wehranlagen oberhalb Cusiano

Rabbies

Fahrtstrecke: Piazzola – Mündung in den Noce, 11 km
Charakter: durchgehend steiles, stark verblocktes Wildwasser in einer teilweise klammartigen Schlucht 
Schwierigkeiten: WW 4–4+
Pegel: San Bernado, MW = 45 cm
Besonderheiten: unfahrbares Wehr in Magras. Für eine erste Befahrung sollte viel Zeit eingeplant werden.

weitere Infos

Die Flüsse des Nocetals führen nach Aussage der Raftingstationen bis zum
August ausreichend Wasser. Im Juni und Juli sind die höchsten
Wasserstände anzutreffen. Die obersten Oberläufe des Rabbies und Noce Biancos sollen schweres Wildwasser im 5 und 6 Grad bieten. Einige Teams sind diese Schluchten
bereits gefahren. Wir sind nur die hier beschriebenen Abschnitte
gepaddelt.

Camping

Im Val de Rabbies befindet sich am Ende der Strasse ein wunderschöner und günstiger Naturcampingplatz. Sehr empfehlenswert!

Beim Zusammenfluss von Noce Bianco und Vermigliana liegt der gute und komfortable Zeltplatz „Campingcevedale“, der jedoch trotz Zusage nicht in der Lage ist, ein WM Spiel zu zeigen.

Sonstiges

Nette und günstige Restaurants im ganzen Tal. Eine moderne Eisenbahn fährt direkt am Noce entlang. Diese oder auch die guten Busverbindungen können ideal zum Umsetzen am Noce genutzt werden. Ansonsten sind die Strecken, die umgesetzt werden müssen, alle recht kurz. Durch die Ost-West-Ausrichtung des Tales scheint auf dem Bach fast immer die Sonne - daher wohl der Name Val di Sole. Nachteile hat des Revier eigentlich keine. Allerdings ist das Gebiet von einem lütten Dorf bei Hamburg mit einem alten Bulli doch schon sehr weit weg.

Infos im Internet: www.valdisole.net

Text: Axel Engeldrum
Paddler: Axel Engeldrum & Jack Teagle  - HKN

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