Flachwasserpaddeln in den Südcévennen

Autor: MPE alias Martina
23.09.2015
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Man sollte nicht meinen, dass es in Südfrankreich außer der Ardèche nicht noch andere nette Bäche gibt. Der Hérault, der im Frühjahr mit der Teufelsschlucht durchaus mittelschweres Wildwasser bietet, hat auch für „Flachwasserpaddler“ sehr nette Ecken aufzuweisen.

Soulboater-Reporterin Martina war Anfang September da und hat sich das angesehen:

Die südlichen Cévennen bei Nîmes sind für Spätsommerurlauber ein tolles Urlaubsgebiet: Es ist noch richtig warm – zumindest tagsüber hatten wir locker knapp 30 Grad – und der Hérault hat auch nach langer Trockenzeit noch genügend Wasser zum Paddeln.

Daneben lockt die Gegend auch noch mit sehr schönen Wander- und Klettermöglichkeiten und zum Radfahren taugt sie auch bestens.

Cirque de Navacelles oben

Sauve - dahinter liegt das Felsenmeer, sehr interessant zum Bouldern...   ;o))

Bewaffnet mit meinem guten alten Eskimo Nano bin ich dann die Strecke von Laroque (ca. 2 Kilometer flussabwärts von Ganges) bis zur Brücke bei St. Étienne d'Issensac gepaddelt. Ca. 14 Kilometer Wildwasser I mit ein paar überraschenden Stellen, die aber auch nicht schwerer als II sind. Durch Hochwasser ändert sich die Lage aber von Jahr zu Jahr immer wieder und von denen gab es in letzter Zeit reichlich.

Aufgrund des niedrigen Wasserstandes bin ich unterhalb von dem Wehr bei Laroque eingestiegen – ich wollte meinem Boot nicht noch zusätzliche unnötige Kratzer verpassen. Am Vortag hatten wir Leihbootpaddler beobachtet, die große Mühe hatten, die Teile über die Wehrkante zu bugsieren.

Überraschend kommt dann eine kleine Stufe, ca. 1 Meter hoch, die bei mehr Wasser sicher lockerer zu fahren ist, so war sie ein bißchen hakelig. Die Abkühlung konnte ich aber gut brauchen, es war an diesem Tag wieder richtig warm...

Direkt danach sieht die Gegend fast wie an der Ardèche aus, lediglich die Felswände erreichen nicht ganz die gleiche Höhe, der Bach ist aber genauso schön wie dort. Hohe Felswände umrahmen den ruhig dahinfließenden Hérault - das Einzige, was stört, ist die direkt neben dem Fluss verlaufende Straße, auf der im Sommer leider ziemlich viele Motorräder unterwegs sind.

Gegen Ende dieser Schlucht folgt eine Stelle mit auffälligen Querrippen, auf der man hervorragend Pause machen kann. Die Stelle kann man von der Straße aus auch gut einsehen.

Der Hérault fließt dann durch Wälder und zwischen Weinbergen hindurch, man kann jede Menge Fische, Reiher und Eisvögel beobachten, die sich durch Paddler kaum stören lassen.

Im Verlauf der Strecke gibt es immer wieder mal kleine Schwälle, die aber zu dieser Zeit bei diesem Wasserstand nie schwieriger als WW I+ sind.

Zum Pausemachen laden jede Menge Sandbänke oder flache Kalkfelsen ein und auch die eine oder andere Spielstelle zum Unterschneiden läßt sich finden.

Selbst wenn es manchmal so aussieht, als würde es zu flach, kann man fast immer ohne Grundberührung weiterfahren.

Irgendwie viel zu schnell ist man am Ausstieg – eher nicht offiziell sondern selbst gewählt – bei der alten Steinbrücke von St. Étienne d'Issensac.

Ich fand den Ausstieg dort nett, weil man gleich anschließend noch schwimmen gehen kann und die Felsen laden zu Felsenstarts oder ähnlichem Paddlerunsinn ein.

Übrigens: Für alle Tierliebhaber gibt es jede Menge zu sehen, ich habe zum Beispiel noch nie vorher eine so große Sonnenanbeterin gesehen - ca. 8 cm...

Und die Schmetterlinge können sich auch sehen lassen...

Fazit: Man kann die Gegend nur jedem empfehlen, der noch einmal Sonne tanken und locker auspaddeln will. Sie ist vor allem für Familien mit Kindern hervorragend geeignet. Für alle Nichtpaddler und als Rahmenprogramm für die Paddler finden sich so viel Aktivitäten, dass man gar nicht alles in einer Woche hinbekommt, was man sich vornimmt. Wir müssen jedenfalls nochmal hin....

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