Die Leinewelle macht Fortschritte

Autor: Jan-Peter
13.11.2015
0 / 0

Vor einigen Jahren begann eine Gruppe um den Hannoveraner Gastronom und Architekt Heiko Heybey mit der Planung einer Flusssurfwelle mitten in der Stadt, die für alle Wellenreiter und Playboater eine absolute Bereicherung der Wassersportszene darstellen soll.

Jetzt wird dieses Projekt von fast allen politischen Richtungen wohlwollend begleitet und es besteht die realistische Chance, in Hannover ein "Surfzentrum" ähnlich der berühmten Eisbachwelle in München aufziehen zu können.

Aber nicht als natürliche "Dauerwelle" sondern mit Hilfe von absolut professionellen hydraulischen Einbauten, die fast das ganze Jahr über eine surfbare Welle oder Walze entstehen lassen.

Nachfolgend die neuesten Infos zu dem Projekt, das schon in den nächsten Jahren Realität werden kann:

Der Standort
Es gibt für die Planung einen neuen Standort direkt unterhalb der Schlossbrücke.
Auch wenn der Standort am Landtag Vorzüge hatte (vor allem das hohe Gefälle), so
gab es doch Vorbehalte aufgrund der Nachbarschaft zum Landtag. Der nun
gewählte Ort wurde nach einer intensiven Faktensicht aus folgenden Gründen
gewählt:

1. Dort ist die engste Stelle der Leine, das bedeutet höchste
Strömungsgeschwindigkeit bei geringstem Bauaufwand = minimalreversiver
Eingriff (keine große bauliche Verengung notwendig)

2. Er liegt ausserhalb der Bannmeile des Landtages, aber immer noch zentral nur
ca. 200 m weiter flussabwärts vom Landtag bzw. ersten Standort.

3. Der Baugrund birgt keine besonderen Risiken: kein U-Bahntunnel, neue
Mauergründung vorhanden, Bodengutachten usw. aus der Baumassnahme
Ufermauer vorhanden.

4. Er ist touristisch interessant gelegen, direkt an der Achse von der Altstadt zu den
Nanas, neben dem neuen Kanueinstieg der somit auch zum „Wassersporteinstieg“
wird.

5. Er liegt innerhalb des Uferbereiches, wo das Wasser „erlebbar“ und der nach den
Vorschlägen des Projektes City2020+ aufgewertet werden soll. Erste Massnahmen
wie der Bau des neuen Kanuzuganges und die neuen Terrassen auf der Altstadtseite
(Neue VHS) laufen bereits.

6. Es ist eine gute Infrastruktur vorhanden: Der Parkplatz bietet die Möglichkeit ein
öffentliches WC zu errichten, von dem auch der Flohmarkt profitieren würde.

Die technische Lösung

Für die technische Realisierung bietet sich an dieser Stelle ein temporärer Aufstau
mit Hilfe der Dreamwave Technik dar. Dieses bewegliche Konzept ermöglicht
gleichzeitig mehr Surftage als vorher und löst auch andere Herausforderungen.
Die Dreamwave Technik besteht aus einem vollständig versenkbaren Wehr, welches
nur für den Surfbetrieb das Wasser aufstaut, um das notwendige Gefälle für die
Welle herzustellen.

Gleichzeitig lassen sich die Rampe und der „Kicker“ stufenlos im Winkel verstellen
und an die Unterwasserhöhe anpassen. Das ermöglicht – zusammen mit einer
Teilung in zwei unterschiedlich breite Segmente – eine maximal flexible Anpassung
an die Wassermengen und damit unterschiedlichste Wellenformen. Die Technik von
Professor Aufleger ist in der Entwicklung für ein großes Projekt im Zillertal.

Die Vorteile

1. Surfbare Wellen sind bei nahezu jedem Wasserabfluss mit dem vorhandenen
Wasserdargebot möglich, ohne jegliche Veränderung im Oberwasser ab dem Wehr
am Landtag.
Bei geringsten Abflüssen in den seltenen Trockenperioden von 3-5 m3/s können auf
dem schmalen Segment Einsteiger und Anfänger die Grundlagen erlernen. Bei
Abflüssen von 5-9 m3/s (häufigster Abfluss) kann vom Einsteiger bis zum Könner
ähnlich der Almwelle auf dem breiteren Segment gesurft werden.
Bei einem Abfluss größer 9 m3/s kann auf der gesamten Breite von ca. 9 m (ähnlich
Eisbach) gesurft werden. Von einer moderaten Wellen bis zum „Big Day“ bei mehr
als 20 m3/s sind viele unterschiedlichen Wellenformen einstellbar und auch
Wettkämpfe realisierbar. Damit gibt es statistisch nur eine kleine Anzahl Tage im
Jahr (bei großen Hochwassern) an denen kein Surfen möglich sein wird.

2. Gleichzeitig bedeutet der temporäre Aufstau, dass keinerlei Änderungen an den
Wasserrechten oberhalb des Leinewehres am Landtag nötig sind. Alle Stauziele
bleiben erhalten, es wird keinerlei Einfluss auf die Wasserenergie-Gewinnung oder
die Wassermengensteuerung geben. Egal ob das Wasser über die Wehrkante fliesst
oder durch die Grundablässe: Das Konzept arbeitet mit der Wassermenge, die auch
bisher die Mühlenleine durchfließt.

3. Der ökologische Eingriff ist minimalreversibel. Der Einbau umfasst nur wenige
Meter in einem Bereich, der im Moment auch noch eine Baustelle ist. Alle
Sandbänke und ökologisch wertvollen Nischen unter- und oberhalb bleiben voll
erhalten. Die Artendurchgängigkeit bleibt voll erhalten, mit Ausnahme der
Betriebsstunden. Im Moment endet die Artendurchgängigkeit grundsätzlich am
Wehr am Landtag. Sollte dort eine Artendurchgägnigkeit hergestellt werden,
können die Betriebszeiten in die Fischwanderphasen angepasst werden. Die
Wasserpegelschwankungen von maximal 1 m durch den Aufstau befinden sich in
einem Bereich der auch bei Hochwassern üblich ist. Der Bereich der
Wasserschwankungen reicht nur bis zum Wehr am Landtag, beschränkt sich also
auf ein sehr kleines Areal von nur ca. 200 m Flusslänge welches zudem allseitig mit
hohen Mauern umfasst ist. Durch diese Eigenschaft der Situation ist der Einfluss der
Aufstauung ausgesprochen gering.

4. Da der Aufstau und die Welle nur während der geregelten Betriebszeiten möglich
ist, ist eine unerlaubte Nutzung ausgeschlossen. Das löst die Haftungsfrage und
schließt Risiken ausserhalb der Betriebszeiten aus.
In Kooperation mit der Verwaltung ist letztendlich ein besseres Konzept entstanden.
Die Einbindung in die Stadt ist selbstverständlicher und einfacher, die
Funktionalität besser und flexibler.

Kosten
Zu den Kosten möchten wir in diesem Planungsstadium keine Angaben machen.
Grundsätzlich kann man sagen, das den geringere Risiken (kein U-Bahntunnel), dem
geringeren Bauvolumen (weniger Beton- bzw. Flussfläche) ein höherer technischer
Aufwand gegenüber steht. Einen detaillierten Kostenplan werden wir im Frühjahr
2016 vorlegen.

Finanzierung
Die Frage der Finanzierung lässt sich erst dann beantworten, wenn der
Kostenrahmen feststeht. Bis dahin haben unsere Botschafter genügend Mittel
gespendet um die notwendigen Planungsaufträge und Gutachten in Auftrag geben
zu können.

In diesem Video wird die Funktionsweise der Leinewelle anschaulich dargestellt

Visualisierungen © Cityförster

Voriger Artikel

1. Deutsche Meisterschaft im Wildwasserextrempaddeln

Nächster Artikel

Kajak-Magazin Kalender 2016