Tow and Throwbelt Sicherheitssystem im Test

Autor: Sven Perschmann
10.04.2003
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Testbericht Bergesystem Wildwasser-Sport-USA "Tow-and-Throw-Belt"
Von Sven Perschmann

Bereits am 7.2. diesen Jahres hatte Horst Fürsattel dieses Produkt ganz kurz bei Soulboater präsentiert. Er tat dies mit der Option, dass der erste, der sich meldet, das Teil testen und einen Bericht darüber schreiben kann. Na ja, der war dann wohl ich...

Das System besteht im Grunde genommen aus einem Gürtel vom Format eines Schwimmwesten-Brustgurts ohne Umlenkplatte, an dem eine Neopren-Wurfsacktasche mit einem kleinen Neun-Meter-Wurfsack angebracht ist. Desweiteren befindet sich am Gurt ein mittels mehrerer Laschen befestigter, separat auslösbarer Bungee-Cowtail, der durch einen Klettverschluss auf der einen und eine Plastiköse auf der anderen Seite eng am Körper gehalten wird. Der Gurt wird unter den modernen kurzen Schwimmwesten (z.B. °hf Serpent) um die Hüfte getragen.

Das System kostet 185,00 € und ist in Deutschland auf www.paddle-people.com zu besichtigen. Im Folgenden möchte ich die Vor- und Nachteile, welche mir im Verlauf der Testphase aufgefallen sind, schildern. Den Cowtail habe ich zum Glück bisher nicht benutzen müssen. Auch den Wurfsack habe ich nur angetestet, da es im Harz schweinekalt (-8°C) war, was die angefrorenen Fotos wohl gut verdeutlichen.

Größter Vorteil des Tow-and-Throw-Belts ist wohl, dass man das Bergesystem immer mit dabei haben kann, ohne dass man erst mehr oder weniger aufwendig nach dem Wurfsack kramen muss. Dadurch ist es schon beim Besichtigen eine zusätzliche Sicherheit. Der kleine Wurfsack kann aber auch in allen möglichen anderen Situationen praktisch sein. Wenn man sich in die Situation eines Schwimmers in, wie in den Alpen ja oft üblich, engen Bächen mit steilen Ufern versetzt, so ist es endlich auch möglich, von sich aus den Kameraden am Ufer das Seil zuzuwerfen. Hier kann ein kurzes Seil von Vorteil sein, wenn man nur die Distanz zur helfenden Hand überbrücken will.

Der Tragekomfort des Systems ist erstaunlich gut. Allerdings verliert man etwas Bewegungsfreiheit nach hinten (zumindest bei meinem Micro 240), was die Vorzüge der modernen kurzen Schwimmwesten wieder eliminiert. Außerdem muss man den Gurt recht fest anziehen, damit er nicht zu leicht verdreht.

Sicherheitstechnisch ist es gut, dass der Gurt mit einer Schnellauslösung versehen ist, so dass das evtl. zu befürchtende Verheddern kaum ein Problem darstellt. Danach hat man immer noch die volle Sicherheit des Schwimmwesten-Bergegurts, da dieser nicht gleich mit dem Cowtail flöten geht. Leider hat der Gurt mangels Fixpunkt am Körper die Möglichkeit, sich an der Hüfte zu verdrehen, wodurch ein Erreichen der Schnalle schwierig werden kann.

Zum Cowtail: Sehr schön gelöst! Er sitzt sehr tief auf der Hüfte, wodurch der erforderliche Hebel und damit der Kraftaufwand der Bauchmuskeln minimiert und das Schleppen fremder Boote oder Personen erheblich erleichtert wird. Gut ist auch, dass man den Cowtail beidseitig (!) auslösen kann, ohne gleich den ganzen Gurt zu verlieren. Durch die Umlenkung des Cowtails im Ruhezustand mittels eine Klettschlinge liegt dieser schön eng am Körper an und bietet trotzdem genug Länge für die meisten Situationen. Allerdings ist es ein ziemliches Gefummel, den Zustand auf dem Wasser wiederherzustellen, da eben diese Klettschlinge am Rücken liegt und man sie kaum erreichen kann wenn man im Boot sitzt. Das Gleiche gilt für den Karabinerpark. Dieser besteht aus einem einfachen D-Ring an der rechten Seite, der nicht, wie z.B. bei der Serpent, aufgeschnitten ist, so dass keine Schnellauslösung möglich ist. Hinzu kommt noch, dass man den Karabiner erst einmal finden muss, da die Weste noch darüber sitzen kann. Ich bin dazu übergegangen, ihn am Karabinerpark meiner Weste zu befestigen, da er dort auf jeden Fall griffbereiter ist. Größtes Manko ist wieder die Möglichkeit des Verdrehens des gesamten Systems, wodurch bei fixiertem Boot am anderen Ende der Leine die Notauslösung schwierig zu erreichen sein kann.

Zum Wurfsack: Der Wurfsack ist sehr simpel konstruiert und kann kaum mit den gewohnten Modellen konkurrieren. Zum Ersten sind die gemessenen neun Meter für einen ernsthaften Wurfsack viel zu kurz. Außerdem fehlen vernünftige Griffschlaufen. WS-USA hat einfach viel zu kleine Schlaufen in beide Enden des Seils geknotet. Dem kann allerdings mit einem Stück Schlauch sehr einfach selbst abgeholfen werden. Aus Platzgründen wurde beim Wurfsack auf Auftriebsschaum verzichtet, der im WW meines Erachtens nach sehr wichtig ist. Aufgrund der geringen Größe ist er zudem vergleichsweise schwierig zu füllen. Das Verstauen des Sacks selber ist sehr fummelig und man muss den ganzen Gurt abnehmen, um den Wurfsack in seine Neoprenhülle stopfen zu können. Hier wäre vielleicht ein Karabinersystem, kombiniert mit einer Nylontasche mit Klettverschluss, einfacher. Dann würde der Gurt beim Herausziehen des sehr fest in der Tasche sitzenden Wurfsacks auch nicht so leicht verrutschen.

Fazit: Beim Tow-and-Throw-Belt handelt sich um ein sehr interessantes Rettungsgerät, das zwar einerseits sehr gute Ansätze beinhaltet (alles am Mann, verschiedene Auslösemöglichkeiten), andererseits jedoch einige Sicherheitsmängel (verdrehter Gurt, kurzer Wurfsack) und Bedienungsschwierigkeiten aufweist. Als Ergänzung zur normalen Wildwasserausrüstung ist es sinnvoll, nicht aber als alleiniges System (großen Wurfsack mitnehmen, kein Ersatz für das Bergesystem der Weste). Hinzu kommt der stolze Preis, für den man sich auch eine High-End-Weste oder eine komplette klassische Wildwasser-Sicherheitsausrüstung leisten kann (Wurfsack, Cowtail, Bergehaken, Umlenkrollen, Bandschlinge, Abseilachter). Aber vielleicht baut der Horst ja eine überarbeitete Version? Schön wär´s auf jeden Fall.

Sven Perschmann

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