Der Allier

Autor: MPE alias Martina
19.07.2018
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- soulboater-Reporterin Martina alias MPE war wieder in ihrer neuen Heimat unterwegs, diesmal am oberen Allier, einfaches Wildwasser von Langeac bis Cournon d'Auvergne paddeln. Immerhin über 100 km in 4 Tagen...und das nicht mit dem Wanderkajak...

Der Allier bietet auf dieser Strecke in der Tat einfaches Wildwasser, allerdings gibt es einige Wehre, die fast alle umtragen werden müssen.

Der Start in Langeac bietet sich an, da es hier auch auf dem Campingplatz "Des gorges de l'Allier" ein ganz tolles Ferienhaus mit Mehrbettzimmern speziell für Paddler gibt. Die Zimmer sind ausgestattet mit Doppelbetten (2 Zimmer) und normalen Betten (1 Zimmer) jeweils für 4 Personen. Dazu Duschen, WC, eine eingerichtete Küche mit Mikrowelle, Kühlschrank und Eisfach, dazu gemütliche Essbereiche drinnen und draußen. Ich war total begeistert davon - bin ja kein großer Zelter vor dem Herrn...

Am ersten Tag ging es von Langeac bei leichtem Nieselregen bis Lavoûte-Chilhac, ca. 25 Kilometer, mit zwei Wehren, von denen eines umtragen werden mußte - wegen Hochwassers - und das zweite rechts umfahren werden konnte - jedenfalls von Wildwasserbooten wie meinem.

Zunächst ging es aber munter mit kleineren Schwällen zwischen Basaltfelsen und Hügeln dahin.

Nach ca. 6 Kilometern kommt das erste Wehr, das bei unserem Wasserstand ziemlich unschön aussah. Die Bootsrutsche war quasi nicht mehr erkennbar...

Man konnte das Wehr schon von weitem hören und die Strömung oberhalb ist nur schwach, so dass man ganz gut bis nahe hin fahren konnte. Auf einem Pfad auf der linken Seite konnte man dann gut umtragen. Nur der Wiedereinstieg war für die Kanadier etwas spannend..

Nach ca. 11 Kilometern waren wir in Chilhac angekommen, Zeit für eine Pause. Semilegal hielten wir rechts an Privathäusern an und stiegen ins Dorf hoch. Ein malerischer Blick und eine extra für uns geöffnete Kneipe belohnten uns für den Aufstieg. Lecker Käse aus der Region, die berühmte Wurst der Auvergne und roher Schinken, dazu ein Kaffee zum Warmwerden - was will man mehr?

Ca. 1 km unterhalb von Chilhac folgt das zweite Wehr. Die Bootsgasse war nicht nutzbar, links konnten die Kanadierfahrer etwas mühsam umtragen. Ich zog die Umfahrung rechts vor, bei dem Wasserstand kein Problem, aber Vorsicht: Das ist verboten...keine Ahnung weshalb, da rechts nur ein Wohnhaus mit ehemaliger Mühle steht, die nicht mehr im Betrieb ist, aber es ist halt verboten...Ich habe mich streng an die Franzosenregel Nummer 1 gehalten:"Nur nicht erwischen lassen!"

Im Bild oben wäre die Bootsrutsche oberhalb des rechten Arms, die Umtrage ebenfalls rechts, sie ist ca. 100 Meter lang. Links ist ein Teil des fahrbaren Arms zu sehen.

Nach dem Wehr ging es gemütlich weiter bis Lavoute Chilhac, wo die Gruppe auf dem Campingplatz direkt am Fluss übernachtete. Wir blieben noch eine Nacht in dem gemütlichen Ferienhaus in Langeac.

Am nächsten Morgen ging es dann los, die geplante Tour: Von Lavoute Chilhac bis mindestens unterhalb von Brioude - dort sollte irgendwo wild gecampt werden. Während ich gemütlich mitpaddelte, fuhr mein männliches Shuttlebunny schon mal nach Issoire und suchte den Campingplatz für uns aus.

Auf den ersten Kilometern ging es ruhig voran, zweien der Teilnehmer wurde so warm, dass sie die ersten Felsen nutzten, um sich abzukühlen...

Es ging immer wieder mit kleinen Schwällen durch eine schöne hügelige Landschaft.

Kleine Pause an einem Restaurant direkt am Fluss....bevor es mit munteren Schwällen weiter ging bis zum ersten der zwei Wehre auf dieser Strecke.

Das erste Wehr war etwas kompliziert zu umtragen bzw. zu treideln, weil wir so viel Wasser hatten. Der Untergrund sehr rutschig - außer an der Stelle, an der ich mit dem Boot herunterrutschen wollte, da rutschte gar nichts und mein Boot bekam ein paar unschöne neue - überflüssige - Kratzer...

Kurz hinter diesem Wehr passierten wir Vielle Brioude, ein sehr hübscher kleiner Ort hoch über dem Allier, den wir auf der Hinfahrt schon angesehen hatten.

Kurz vor Brioude folgte gleich das zweite Wehr, das links über eine Brücke umtragen werden mußte. Total blöd dabei der Torbogen an jedem Ende, der das Tragen der Kanadier fast unmöglich machte. Der Kanal, der links um das Wehr herumzuführen scheint, ist für eine Befahrung verboten.

Die "Bootsrutsche" war für Kanadier nicht nutzbar (unserer Meinung nach), aber ein paar Meter konnte man mit dem Kajak wenigstens fahren.

Auf der Höhe von Brioude verließ ich die Gruppe dann - wie oben schon gesagt, wild campen ist nicht mein Ding - um sie am nächsten Tag an der Brücke in Jumeaux zu erwarten.

Ab Jumeaux fließt der Allier gemütlich vor sich hin, es gibt keine Wehre und auch kaum Schwälle.

Auf dem Campingplatz "Du Mas" bei Issoire war dann Schluß für diesen Tag - wir mußten auch das Fußballspiel WM Deutschland-Mexiko ansehen (das ja leider eine herbe Enttäuschung war). Der Campingplatz ist vom Fluß aus kaum zu sehen, kleiner Anhaltspunkt ist eine Brücke aus Sandstein und ein Fußballstadion, das man ansatzweise erkennen kann. Man muss dann über einen Damm - es gibt eine Treppe - zu einem See tragen und über den See bis zum Platz paddeln.

Am letzten Tag ging es dann von Issoire bis Cournon d'Auvergne. Der erste Teil führte leider parallel zur Autobahn A75, was natürlich etwas Lärm mit sich brachte. Allerdings war das Stück nicht lang und danach wartete der Allier wieder mit hübschen Schwällen auf - sogar besser als oberhalb.

Die Stelle unten war als Wehr beschrieben, das nur links fahrbar sein sollte - bei unserem Wasserstand war nichts zu sehen - ein Schwall ähnlich wie in Schophoven (für die NRW'ler unter den Lesern).

Am Campingplatz Le Pré des Laveuses in Cournon d'Auvergne - auf der Höhe von Clermont-Ferrand - war die Tour dann zu Ende.

Fazit: Für mich als ausgewiesene Wildwasserpaddlerin war das eine glatte Ausdauerleistung, aber ich fand die Strecken teilweise super schön, vor allem ganz oben auf dem Allier bei Prades (hatten wir uns vorher nur mal angesehen, mit den Kanadiern ging das leider nicht). Alles, was wir gefahren sind, war auch für Anfänger machbar und die Gegend ist auf jeden Fall eine Reise wert!

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