Wildwasserkurs mit Jutta Kaiser

Autor: Martina
25.08.2008
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„Jahrelange Erfahrung auf Flüssen fast aller Kontinente, professionelles Know-How in der Vermittlung von Inhalten und vor allem die eigene Begeisterung für den Kajaksport bilden die Basis für erfolgreiche Kajakkurse.“
Dieser Satz und die Tatsache, daß Jutta das auch im persönlichen Kontakt absolut glaubhaft vermittelt, brachte soulboater-Reporterin Martina dazu, das mal selbst auszuprobieren. In einem Privatkurs mit Jutta am 04. und 05.08.08 auf der Drau und der Isel bei Lienz in Ost-Tirol/Österreich.

Durch ihren Beruf als freiberufliche Trainerin für Business, Sport und soziale Kompetenzen bringt Jutta schon einmal die wichtigen theoretischen Kenntnisse mit, die es einem als Schüler erleichtern, komplexe Bewegungsabläufe, psychologische Faktoren etc. im Wildwasser zu verstehen.

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Im Kurs wurde deswegen auch zunächst danach gefragt, wo man bei sich selbst Verbesserungspotential sieht, wo man die Schwerpunkte setzen will und welche Ziele man als Paddler hat.


Das hieß bei mir einerseits Verbesserung der Paddeltechnik – insbesondere den Ziehschlag – und Bewältigung von Stressfaktoren auf dem Bach, die Angst und Unsicherheit verursachen. An diesen Dingen wollte ich also arbeiten.


Da an beiden Tagen sowohl auf der Drau als auch auf der Isel sportliche Wasserstände herrschten, waren die Voraussetzungen dafür perfekt – Wuchtwasser macht mich halt immer etwas nervös..

Begonnen wurde der Kurs mit einer kurzen Theorieeinheit zur Stressbewältigung auf dem Bach. Mit einem sehr einleuchtenden Diagramm

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stellte Jutta mir sehr anschaulich dar, wie man als Paddler vorgehen kann, um sich beim Fahren möglichst im Wohlfühlbereich zu befinden:

Ausformuliert: Man hat als Paddler mehrere Möglichkeiten, um sein Ziel – sich auf dem Bach wohlzufühlen – zu erreichen: Wenn die eigenen Fähigkeiten nicht ausreichen, um streßfrei auf einem Viererbach zu fahren, kann man

• Entweder keinen Vierer fahren
• Oder einen Dreier mit Viererstellen fahren und die Viererstellen umtragen
• Oder seine Paddeltechniken verbessern, das heißt trainieren

Je nachdem, was man am liebsten macht, kann man sich dann eine Lösung aussuchen. Wichtig ist dabei auch, nicht als Niederlage zu empfinden, wenn man „zu leicht“ paddelt oder Stellen bewußt umträgt. Ist man auf leichteren Bächen unterwegs, kann man sehr viel üben, was man auf schwererem Gewässer lieber nicht versucht und damit sein Bootsgefühl verbessern und sein Selbstvertrauen stärken.


Für mich hört sich die Variante mit dem Dreierbach mit Viererstellen am besten an…
Nach der Theorieeinheit am Rande der Slalomstrecke der Drau bei Lienz gingen wir dann zur Praxis über.

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Zunächst sollte ich mich locker einfahren.

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Ich nutzte die Gelegenheit zum Retten-und-Bergen-Üben, indem ich mich gleich in der ersten kleinen Walze selbst versenkte und einen hektischen, nicht von Erfolg gekrönten Rollversuch startete..

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Danach war ich dann etwas wacher und stellte fest, daß die Kehrwässer auf der Drau ein bißchen ungemütlicher waren, als die auf der Soca, auf der ich zwei Tage vorher noch bei Niedrigwasser herumgeschlafen hatte…

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Wir übten Kehrwasserfahren, wobei Jutta mein Hauptaugenmerk auf meine Paddelhaltung richtete: Ich fahre zu „gemütlich“, häufiger in Rücklage. Das führt bei der Kombination mit dem flachen Nano dazu, daß man schon mal unnötigerweise ins Wasser fällt. Jutta erklärte mir also, wie weit ich mich nach vorne lehnen soll – das, was ich bis dato so für Nach-vorne-Lehnen gehalten hatte, war es nämlich ganz und gar nicht…

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Hinzu kamen noch unterschiedliche Methoden, aus einem Kehrwasser auf Wuchtwasser zu fahren: Einmal mit dem Nachvornelehnen in Kombination mit einem Ziehschlag = schnelle Drehung

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und einmal mit Nachhintenlehnen in Kombination mit einer flachen Paddelstütze oder wahlweise "freihändig" = langsame Drehung, auf Wunsch auch mit Surf.
Insbesondere die zweite Kombi kam mir sehr entgegen..

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Zwischen den einzelnen Übungseinheiten gab es immer "Lagebesprechungen", in denen Jutta Verbesserungspotential aufzeigte und darauf hinwies, wie wichtig es ist von der negativen Betrachtungsweise:" Mist, schon wieder hat das nicht geklappt!", die man sich dann häufig auch noch penetrant merkt, zur positiven überzugehen: "Das nächste Mal mache ich das schneller und lehne mich noch weiter nach vorne".

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Um nicht zu trocken zu werden, warf ich mich dann in einem der gemütlichen pilzigen Kehrwässer noch einmal in die Drau,

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was für Jutta zu einer kleinen spontanen Bootsrettungsaktion führte – aber zu meiner Ehrenrettung muß ich sagen: Ich ließ das Boot erst auf Aufforderung los – und anschließendem Hochtragen über mindestens 600 Meter..

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Danach war dann der Knoten geplatzt und ich konnte mich endlich konzentrieren. Immer wieder von Jutta an das Nachvornelehnen erinnert.

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Den Höhepunkt dieser Einheit auf dem Slalomkurs bildete dann die Herausfahrt aus einem Kehrwasser oberhalb der Walze, in der ich mich ganz am Anfang versenkt hatte. Jutta schlug mir vor, wie ich das machen sollte (nämlich ausnahmsweise nach hinten gelehnt und ansatzweise surfend vor der Walze zu traversieren und ins Kehrwasser auf der anderen Seite zu fahren) und ich zögerte zunächst - immer noch negativ denkend, daß ich mich mit ziemlicher Sicherheit wieder versenken würde. Jutta meinte dazu nur, es wäre meine Entscheidung und ich beschloß - nach kurzem Überlegen, was denn schließlich Schlimmes passieren könnte - zu fahren. Und siehe da: Es klappte auf Anhieb und nicht nur ein Mal, sondern sogar noch besser bei der anschließenden Wiederholung!!

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Nach einer Pause und Einkauf von wichtigen Wiederaufbaumitteln (Bananen, Wasser, Müsliriegel) fuhren wir dann an die Isel, genauer an die Einstiegsstelle Mündung Kalserbach in die Isel unterhalb von Huben.

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Leider war das Wetter nicht mehr ganz so schön, aber wenigstens regnete es nicht.
Taktisch für meine Psyche hervorragend sollte ich vorausfahren und erklären, warum ich mir welche Route suche. Ich schlug also eine Linie vor, fuhr sie dann entsprechend und im nächsten von mir gewählten Kehrwasser folgte dann die "Lagebesprechung".

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 Ich bekam viel Lob für meine Routenwahl- und Taktik, was mich enorm aufbaute – insbesondere, weil mir die Isel wegen ihres Tempos (ca. 15 km/h) und der hohen Wellen

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schon beeindruckend vorkam und ich immer ganz froh war, wenn ich ordentlich in einem Kehrwasser gelandet war.

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Dabei mußte ich mich aber immer noch sehr darauf konzentrieren, nicht am Kehrwasserrand jede Tätigkeit einzustellen, sondern komplett bis ans Ufer durchzufahren – die Verschneidungslinien an der Isel waren ca. 3 mal so breit wie die an der Soca…

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Jutta erklärte mir bei jedem Stopp, was ich noch besser machen könnte (schneller sein, konsequent nach vorne lehnen) und ich versuchte mein Bestes, um das beim nächsten Halt genauso hinzubekommen. Meine Taktik, an diesem Tag die Chickenline zu suchen und zu fahren, ging super auf und ich war sehr stolz darauf, ohne weitere Schwierigkeiten bis zur Surfwelle in Ainet gekommen zu sein.

Am nächsten Tag fuhren wir dann die Strecke noch einmal und da war dann schon mehr „Kampflinie“ angesagt. Auf der Isel gibt es nach St. Johann so einige Walzen in der Flußmitte, die man recht spät sieht und eine davon habe ich dann prompt mittig genommen – Juttas Ruf, doch weiter rechts zu fahren, einfach ignorierend – und entkam knapp dem Aufmischen.. Ansonsten wurde weiter an der Paddeltechnik gearbeitet: Optimierung des Vorwärtsschlages durch Rumpfdrehung (Paddeltrapez oder Paddelbox, auch nachzulesen bei Olli Grau). Die Arme sind dabei nur eine Verlängerung des Rumpfes und funktionieren eher als Hebel. Damit reduziert man die Belastung für die Arme und Handgelenke und kann zudem besser beschleunigen und eine höhere Geschwindigkeit erreichen - nicht umsonst fahren im Moment bei Olympia die Kajak-Rennfahrer solche Techniken...

Am Ende folgte eine kurze Abschlußbesprechung und mein Fazit ist:

Ich habe in diesen eineinhalb Tagen Kurs mit Jutta mehr gelernt als in einer ganzen Woche Kurs mit einer „normalen“ Kanuschule an der Soca.

Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an Jutta, man kann es auch an den Bildern sehen: Es hat mir sehr viel Spaß gemacht!!

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Martina

Fotos: Gustav (vielen Dank für den tollen Einsatz!!), Jan-Peter

Grafik: Hannes

INFOS zu Kursen von und mit Jutta Kaiser: www.juttakaiser.de

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