Wildwasserpaddeln in den Lienzer Dolomiten

Autor: Jan-Peter
23.07.2008
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Wildwasserpaddeln in den Lienzer Dolomiten

 - Viele Wildwasserfahrer fahren zu Himmelfahrt, Pfingsten oder in den Sommerferien traditionell an die Soca nach Slowenien. Dieser Fluss galt bis vor wenigen Jahren als türkisfarbenes Kleinod und Geheimtipp für naturliebende Wildwasserpaddler, die dort einen ruhigen und günstigen Paddelurlaub verbringen wollten.

Dieses verklärte Bild geistert wohl immer noch in vielen Paddlerköpfen herum, auch wenn die Realität die Paddlerromantik vergangener Zeiten inzwischen überholt hat: An der Soca geht es auf den einschlägigen Campingplätzen in der Paddlermetropole Bovec inzwischen zu wie am Ballermann auf Mallorca mit allen bekannten Begleiterscheinungen.

Massenbefahrungen ganzer Vereine und vieler Kajakschulen lassen das Naturerlebnis zur Fremdsache mutieren und einzig die Wasserfarbe der Soca und Koritnica haben sich gegenüber früher nicht verändert. Dafür sind aber auch alle anderen Gewässer in der Region inzwischen für den Wassersport gesperrt und die Gemeinde lässt sich die Befahrung der Soca mit einer „Flussmaut“ bezahlen.

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Genug Gründe für mich, dieses frühere Kanuparadies nicht mehr zu besuchen und nach Alternativen Ausschau zu halten. Und diese Alternativen gibt es ganz in der Nähe, nämlich in Osttirol, auch südlich des Alpenhauptkamms gelegen.

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In den Lienzer Dolomiten gibt es eine Menge Wildwasserstrecken und Playspots, die von ihrer Attraktivität her locker mit dem „Paddler-Ballermann“ mithalten können, dabei aber über den Vorteil verfügen, bei weitem nicht so überlaufen zu sein und trotzdem eine komfortable paddlerische Infrastruktur zu haben.

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Die Osttiroler Bezirkshauptstadt Lienz bietet sich als zentraler Standort für einen Wildwasserurlaub an.

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Es gibt hier sowohl Ferienwohnungen als auch Hotels aller Kategorien, die Wildwasserfahrer treffen sich aber vorzugsweise auf dem zentral als Standquartier für Befahrungen von Isel und Drau gelegenen Campingplatz „Amlacher Hof“.

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Dessen Swimmingpool lädt nach gelungenen Befahrungen nachmittags zum Relaxen ein und man kann sich via Internet-Hotspot online direkt im eigenen Zelt oder Wohnwagen über die aktuellen Pegelstände der Wildbäche in der Umgebung informieren, wenn man einen Laptop im Gepäck dabei hat.

Park&Play in den Lienzer Dolomiten

Rund um Lienz lassen sich ohne viel Autofahrerei in kurzer Zeit mehrere attraktive Playspots erreichen:

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Der bekannteste ist die dicht am Stadtzentrum von Lienz gelegene „Dolomitenwelle“, die bei Hochwasser der Isel, also einem Pegelstand um 350 cm  herum, alle modernen Wellenmoves zulässt.

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Walzenfans mit Ambitionen zu Loopings und Big-Air-Moves finden am anderen Ende der Stadt direkt neben dem Schwimmbad auf der Drau eine Walze, in der 2007 der erste Part des Freestyle-Eurocups abgehalten wurde, was für die Qualität und Möglichkeiten dieser „Drauparkwalze“ genannten Spielstelle spricht.

Etwas ausserhalb aber immer noch mit einer maximalen Entfernung von zehn Kilometern finden sich auf der Isel bei Ainet und Oberlienz zwei weitere erwähnenswerte Playspots:

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Die Aineter Welle bietet fortgeschrittenen Playboatern gerade bei höherem Wasserstand der Isel um 300 cm viel Spielpotenzial in einer wuchtigen brechenden Welle.

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Wenige Kilometer unterhalb bei Oberlienz befindet sich die „Anjawelle“, deren Möglichkeiten zum Surfen und Wellenreiten gerade bei weniger Wasser, wenn die anderen Playspots zu Grundschwellen mit starkem Rücksog mutieren, immer besser werden.

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Es ist somit bei nahezu allen Wasserständen in der Sommersaison ein guter Playspot in kurzer Zeit von Lienz aus erreichbar, wobei sich die Verhältnisse auch noch innerhalb eines Tages aufgrund des Gletscherflusscharakters Isel und dem kraftwerksabhängigen Wasserzufluss der Drau ändern können.

Wildwasssertouren in Osttirol

Für den ambitionierten Wildwasserfahrer bieten die Lienzer Dolomiten eine Vielzahl von Touren überwiegend im geringen bis mittleren Schwierigkeitsbereich.

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Für Anfänger und auch für erste Wildwassererfahrungen von Kindern gut geeignet ist die Strecke der Drau nach ihrem Zusammenfluss mit der Isel am Ortsausgang von Lienz bis hinunter nach Oberdrauburg. Der Fluss fliesst zügig mit leichter Wellenbildung und einer Menge Kehrwassern dahin, ideal für Schlauchcanadier und gemischte Topo-Duo-Besatzungen.

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Erste Wildwasserkenntnisse sollte schon haben, wer die untere Isel von Ainet bis ins Stadtgebiet von Lienz befährt, denn auf der Strecke befinden sich etliche nach der Renaturierung vor einigen Jahren übriggebliebene Steinschwellen, die Wellen und Schwälle bilden.

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Insbesondere die Dolomitenwelle und auch der „Iselkatarakt“ am Ortsausgang von Lienz sollten von Anfängern nicht unterschätzt und unbedingt vor der Befahrung besichtigt  werden.

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Wer bereits sattelfester im Boot sitzt und sich von Gefällstrecken im jetzt schon mittleren Schwierigkeitsbereich nicht umwerfen lässt, wird seinen Spass auf der Isel ab der Kalserbachmündung oder noch etwas schwerer ab Huben unterhalb es richtigen „Iselkatarakts“ haben. Bei mittlerem Wasserstand ist dieser Abschnitt wegen der vielen Wellen ein Surfparadies und ein schneller Riverrunner das richtige Boot.

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Dagegen stellt bei Hochwasser, also einem Pegelstand über 330 cm am Pegel Lienz, ein höhervolumiges Wildwasserkajak die richtige Ausrüstung dar, ausser man ist ein „Profi“ und hat Spass daran, von Strömungsverschneidungen im dann reissenden Fluss plötzlich unter Wasser gesaugt zu werden.

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Wenn man kein Freund von grauen Wassermassen an heissen Nachmittagen im Juli ist, ist die „Dolomitenmannstrecke“ der Drau aus eine schöne Alternative. Sie führt meist klares Wasser und hat tagsüber aufgrund von Wasserzuschuss aus den Draukraftwerken auch an schmelzwasserarmen Tagen für einige Stunden einen ausreichenden Wasserstand. Diese Paddelstrecke der „kleinen Drau“ bietet auch dem „Nichtprofi“, der keine Ambitionen auf den Titel des Dolomitenmanns hat, eine genussvolle Wildwasserfahrt im mittleren Schwierigkeitsgrad ohne unterspülte Felsen und andere Gemeinheiten, wie sie an der Soca gang und gäbe sind.

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Auch wenn der Grossteil der Flüsse um Lienz den erholungssuchenden Wildwasserfahrer ohne Adrenalinkick-Ambitionen anspricht, gibt es doch gerade für die Spezies „Extremwildwasserfahrer“ lohnende Ziele in den Lienzer Dolomiten, die hier jedoch nicht detaillierter beschrieben werden sollen.

Namen wie Tauernbach, Kalserbach, Deferreggenbach und obere Iselschluchten sowie der „Iselkatarakt“ oberhalb der Ortschaft Huben führen je nach Können und Nervenstärke zu Augenleuchten oder nächtlichen Albträumen.

Und wem das immer noch nicht reicht, für den liegen in der Region mit Möll, Lieser und Gail weitere genussvoll befahrbare Wildwasserklassiker im mittleren Schwierigkeitsgrad gleich hinter der nächsten Bergkette, erreichbar innerhalb von einer Stunde Autofahrt.

Weitere Freizeitaktivitäten

Die Lienzer Dolomiten sind aber auf keinen Fall nur als reines Paddelrevier zu sehen. Auch das Drumherum gehört zu einem perfekten Urlaub dazu. Seien es die Möglichkeiten zu Radtouren auf dem Drauradweg, für die man mit der Bahn bis nach Innichen in Italien fährt, um dann 50 Kilometer Fahrradweg bei 600 Metern gleichmässig verteiltem Gefälle gemütlich immer an der Drau entlang mit der ganzen Familie hinabzurollen oder das Erklimmen der für die Region charakteristischen Berge und Felszacken mit dem Mountainbike.

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Wer in heissen Sommern lieber ein paar Etagen höher bei dann angenehmen Temperaturen über 2000 Meter Höhe wandert, findet eine Reihe von Bergbahnen und Sessellifte, mit denen die gut ausgebauten und gesicherten Höhenwege erreicht werden können.

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Runter geht es dann zu Fuss oder mit dem Gleitschirm, wenn man Lust auf den Adrenalinkick eines Tandemflugs mit einem erfahrenen Gleitschirmpiloten verspürt.

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In Lienz selbst werden viele kulturelle Veranstaltungen und Aktivitäten angeboten, fast täglich gibt es abends im Stadtzentrum Konzerte verschiedener Musikstile oder Strassentheateraufführungen.

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Die Stadt im Talkessel der Lienzer Dolomiten sorgt mit ihrem italienisch anmutendem Flair für das richtige Ambiente einer wunderschönen Urlaubdestination.

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Es wird von allen touristischen Betrieben aufmerksam darauf geachtet, dass die Feriengäste und hierzu zählen selbstverständlich auch die Wildwassersportler, einen naturverbundenen Urlaub in einer schönen Region südlich des Alpenhauptkamms verbringen können.

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Kurzinfo:

Bei den beschriebenen Streckenabschnitten von Isel und Drau handelt es sich überwiegend um Wildwasser der Schwierigkeitsgrade WW II und III.

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Am besten geeignet für die Befahrung ist ein Riverrunner oder für sportlich ambitionierte Paddler ein kürzerer Funcruiser. Kurze Spielboote sind nur an den aufgeführten Playspots sinnvoll, um dort Rodeomoves zu fahren, für die Befahrung der Flussstrecken sind sie nicht optimal, weil das Aufspringen auf die Surfwellen im Hauptstromzug aufgrund der hohen Fliessgeschwindigkeit sehr schwierig wird.

Die Isel bezieht ihr Wasser aus Gletscherabflüssen, es ist naturgemäss sehr kalt, deshalb sollte auch an heissen Sommertagen nicht auf Kälteschutzkleidung verzichtet werden.

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Im Gegensatz zur Soca gibt es auf den oben beschriebenen Flüssen kaum gefährliche Siphons oder Unterspülungen, dadurch ist dieses Paddelrevier gerade auch für fortgeschrittene Anfänger gut geeignet.

Weitere Infos zu den Bächen, Playspots, und der Urlaubsregion Lienzer Dolomiten gibts im Internet unter diesen Links:

Flussbeschreibungen
Camping

Kanushop
Allgemeine Infos

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