Indoor Playboating in Freizeitbädern

Autor: Jan-Peter
30.11.2018
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Poolsession – Playboating in Freizeitbädern    

Moderne Freizeitbäder mit Wasserattraktionen bieten nicht nur für Schwimmer und Familien mit Kindern viel Spaß am Wochenende. Auch für Paddler sind sie gerade im Winter, wenn die Temperaturen draussen nicht gerade zu intensiven Walzenspielereien einladen, ein alternativer Playspot.

Was geht in diesen Erlebnisbädern, die sich um 100% von den "Badeanstalten" früherer Jahre unterscheiden, aus kanusportlicher Sicht?

Zunächst einmal natürlich das Üben der Eskimorolle und alle Flachwassermoves, die auch sonst auf jedem Ententeich machbar sind. Interessant wird es, wenn man die eigentlich für den unbedarften Badegast gedachten sogenannten Attraktionen des Bades zum Paddeln nutzt. Mit ein wenig Einfallsreichtum lassen sich so Situationen aus dem echten Wildwasser ins Schwimmbad übertragen und auf einmal ist ein neuer "Urban-Playspot" da.

Nicht alle Freizeitbäder haben Riesenrutschen oder Wellenanlagen, doch auch mit simplen Wassersprudlern kann man im Boot seinen Spaß haben. Nachfolgend soll einmal aufgezeigt werden, welche Attraktionen sich wie zum Playboaten nutzen lassen:

Gegenstromanlage

Aus großen Düsen am Beckenrand wird mit starken Pumpen Wasser ins Becken gedrückt, so daß ein starker Schwall entsteht. Eigentlich gedacht, damit Schwimmer gegenankraueln können, eignet sich der Druck auch gut fürs Unterschneiden und Rückwärtsüberschläge. Vorsicht ist dabei allerdings geboten, seine Moves nicht zu dicht am Beckenrand zu beginnen, um die Kacheln oder Unterwasserscheinwerfer nicht zu beschädigen.

Wellenanlage

Wellenanlagen in Freizeitbädern sind unterschiedlich konstruiert: In der für Paddler weniger geeigneten Version hat das Wasser keine Auslaufzone sondern prallt direkt auf die Einstiegsstufen des Beckens. Wegen Verletzungsgefahr ungeeignet zum Surfen. Die andere Variante mit brechenden Wellen in eine flache Auslaufzone ist dagegen ideal für alle Wavemoves: Spins, Blunts, Loops...

Wichtig ist bei mehreren Booten im Wasser die Absprache, daß nur in der Mitte gesurft und an den Beckenrändern zurückgepaddelt wird, damit die unvermeidlichen Crashs untereinander nicht zu schmerzhaft sind.

Stehende Welle

Einige Bäder haben eine stehende Welle, d.h das Wasser schiesst über eine Rampe und man kann darauf Surfen und Spins drehen. Da das Wasser nur wenige Zentimeter tief ist, gehen nur flache Moves und es können auch nur einzelne Paddler die Welle zeitgleich nutzen.

Wasserfall

Im Wasserfall schießt das Wasser mit Druck von oben in das Becken und bildet eine kleine Walze. Bei maximalem Durchlauf macht es Spaß, ähnlich wie in einer Wavebox zu wheelen oder das herabfallende Wasser zu blasten.

Whirlpool

Im Whirlpool lässt sich Rollen und Wheelen im luftdurchsetzten Wasser wie in einem Rücklauf oder einer Walze simulieren. Weiter kann man den Whirlpool elegant mit einem MaryLou- verlassen und im nächsten Becken weitermachen.

Strömungkanal

Ein Strömungs- oder auch Wildwasserkanal ist eine feine Sache für Rocksplats und Eddylinemoves. Durch mehrere in Reihe geschaltete Pumpen kommt eine ganze Menge Wasser kreisförmig in Bewegung und baut genug Energie auf, um vertikal immer an der Wand lang zu fahren oder Splatwheels zu drehen.

Sprungturm

Der Sprungturm eignet sich super für den Abbau von Höhenängsten bei Wasserfallbefahrungen. Wer vom 10er springt, sollte einen erfahrenen Anschieber hinter sich haben, weil der Aufprall aufs harte, nicht luftdurchsetzte Wasser im falschen Winkel durchaus ernsthafte Verletzungen nach sich ziehen kann. Zum Turmspringen sollte man eher lange Kajaks benutzen, da deren Flugbahn stabiler ist.

Moderne Kurzboote sollten also besser nicht zur Wasserfallsimulation benutzt werden!

Die sportliche Variante bei Sprüngen vom Turm sind Freewheels, bei denen der Paddler seitlich aufgekantet startet und in der Luft rotiert, bis er möglichst nicht flach oder auf Bauch oder Rücken landet.

Tunnelrutsche

Die Tunnelrutsche hat keinen Trainingseffekt fürs Playboaten wie die anderen Attraktionen eines Erlebnisbades sondern macht einfach nur Spaß. Wie bei der Rohrpost schießt der Kayaker durch die Röhre und die Steilkurven und landet schließlich mehr oder weniger schnell im folgenden Auffangbecken.

Schwimmbadregeln

Voraussetzung für die Nutzung dieser Anlagen ist selbstverständlich, daß nur geeignetes Bootsmaterial dafür verwendet wird. So sind kurze Rodeoboote mit abgerundeten Spitzen und Paddel ohne Alukante ein Muß (außer beim Turmspringen), für die Befahrung von Tunnelrutschen sollte das Boot keinen Flachboden und keine scharfen Kanten haben, der gute alte Pinball oder Kendo eignen sich besonders dafür.

Wie kommt man rein?

Um in Erlebnisbädern paddeln zu dürfen, reicht oft schon eine freundliche Anfrage bei der Bäderverwaltung, Schwierigkeiten gibt es aus eigener Erfahrung nur in Bädern, in denen vorher schon einmal Kanuten mit langen Booten trainiert haben und wegen Beschädigungen der Anlagen die Betreiber aufgrund ihrer negativen Erfahrungen keine neuen Experimente mit Paddlern mehr machen wollen. In neuen Spaßbädern sollten diese Probleme noch nicht aufgetaucht sein, hier könnte eher wegen der langen Öffnungszeiten ein realistischer Termin für die Nutzung der Anlagen zum Problem werden, denn wer geht schon gerne freiwillig nachts von 2 bis 4 Uhr paddeln?

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