Arachtus komplett

Autor:
0 / 0

Greco 2006 – Arachtus von der Milchstraße bis zum „Glory of the Wanderpaddler“

- Wie eingefleischte Soulboater-Leser wissen sollten, berichteten wir im Sommer bereits über ein Highlight unserer diesjährigen Griechenlandtour – Die Befahrung des sagenumwobenen Acheron bei Glyki. Ein weiteres Highlight und der erste Fluss unserer Griechenland-Reise war der wuchtige Arachtus, ganz in der Nähe von Ioannina, der Metropole Nordgriechenlands (neben Thessaloniki vielleicht) – Aber beginnen wir am Anfang:

An einem warmen Mittag im April legte unsere Fähre am Hafen von Igoumenitsa an und wir befahren zum ersten Mal mit unseren Kajaks auf dem Dach das gelobte Paddelparadies Griechenland.

achacht_blickvondercampbruecke_500

Der erste von uns auserwählte griechische Fluss soll der Arachtus, ganz in der Nähe von Ioannina sein. Wir wählten den Arachtus, da er von Igoumenitsa recht schnell (2-3 Stunden Autofahrt sind in Griechanland schnell) zu erreichen ist und weil der Greco-Führer uns grünes Wasser, bezaubernde Schluchten und wunderbare Rapids mit verheißungsvollen Namen wie „Milchstraße“ oder „Room of  doom“ verspricht.

Nach ca. 2,5 Stunden Autofahrt erreichen wir den Arachtus. Als wir ihn das erste Mal erblicken, befindet er sich einige Hundert Meter unter uns. Vor uns schlängelt sich die Straße in unendlichen Serpentinen zum Fluss hinunter. Der Arachtus liegt smaragdgrün vor uns in der Schlucht. Von hier oben können wir schon die Brücke erahnen, an deren anderem Ende wir vorhaben, unser erstes Lager aufzuschlagen. Also starten wir nach kurzen Staunen unsere Autos und machen uns auf den zwanzig minütigen Weg zum Fluss. Die Straße schlängelt sich am Berg entlang und scheint kein Ende zu nehmen.

achacht_campamachachtos_500

Mit kühlem Motor und heißen Bremsen kommen wir schließlich unten an. Das beschriebene Wildcamp ist schnell gefunden und wir schlagen unsere Zelte auf. Doch vorher müssen wir das erste Mal einen Fuß in einen griechischen Fluss stecken, ein Pegel muss auch noch gebaut werden, schließlich ist der Arachtus Kraftwerksabhänging und wenn wir schon mal da sind, dann können wir auch gleich Feuerholz sammeln. Gesagt, getan. Doch nach dem Aufbau der Zelte vernehmen wir ein leichtes Grummeln in der Magengegend. Das letzte Essen haben wir vor 5 Stunden auf der Fähre zu uns genommen und einen Supermarkt haben wir unterwegs leider nicht gefunden. Nun muss etwas zu essen her – nach ausgiebigem Durchsuchen der Vorräte beschließen wir, dass wir von den vorhandenen Lebensmitteln nicht satt werden, also begeben wir uns auf die Suche nach einer Taverne. Auf die Suche machen heißt: Wir fahren die zwanzig Minuten den Berg wieder hoch und schauen in die nächste kleine Ortschaft und beglücken einen Taverneneigentümer mit unserer Anwesenheit. Dies war zumindest der Wunschvater des Gedanken.

achacht_leckeressen_750

Nach einer guten Stunde Sucherei sind wir schlauer. In keinem der winzigen Bergdörfer gibt es eine geöffnete Taverne – wir haben gelernt, dass wir für ein saftiges Steak nach Plaka fahren müssen. Ein Blick auf der Karte zeigt uns, dass wir von Plaka nur noch einen Katzensprung entfernt sind. Nur ein kurzes Stück weiße Straße trennt uns von unserem Steak – Doch Moment mal, weiße Straße – davor wurden wir doch schon in Deutschland von unseren Griechenland erfahrenen Eltern gewarnt. Nach einem kurzen Blick auf unseren Geländewagen und auf die Großraumlimousinen mit „ordentlicher Bodenfreiheit“ unserer Mitstreiter entschließen wir uns schließlich für den kurzen weißen Weg. Dieser entpuppt sich auch als anständige Schotterpiste bis, ja bis sich vor uns ein großes Loch auftut, das nur auf der gaaaanz rechten Seite fahrbar aussieht. Nach ausgiebiger Inspizierung halten wir das Loch für ungefährlich, passieren es sehr männlich mit fettem Gasfuß und Ellbogen ausm Fenster und erreichen tatsächlich, noch im Hellen, Plaka.

achacht_supermarkt_500

In Plaka gibt es neben einem winzigen Supermarkt eine schöne Brücke und mehrere nette Lokalitäten. Wir kaufen schnell für das Frühstück ein (es gibt zwar kein Brot, dafür Mehl) und entschließen in eine der Tavernen einzukehren um lecker zu essen.

Die nette Besitzerin der Taverne ließt uns die Speisekarte vor. Neben Zaziki, Bauernsalat und gebackenem Feta stehen Souflaki und Steaks auf dem Programm. Wir entscheiden uns für alles außer für das Steak. Das Essen ist wirklich hervorragend: Wir bekommen Steak mit allem (der Wirtin sind die Souvlaki-Spieße ausgegangen) und genießen im Sonnenuntergang unser erstes Mythos-Bier.

Nach dem Essen fahren wir über eine gelbe Straße zurück zum Camp. Wir brauchen eine gute halbe Stunde und freuen uns, dass wir Plaka als Einstieg unserer ersten Flussetappe nun schon kennen.

achacht_obereschlucht

Am nächsten Morgen weckt uns die griechische Sonne. Wir bereiten Frühstück und stellen fest, dass Andrea im Supermarkt kein Mehl sondern Zucker gekauft hat. „Ich kann kein Griechisch“ entschuldigt sich Andrea. Schuldig fühlt sie sich erst, als wir ihr vorwerfen, das englische Wort für Zucker, das fett auf der Packung steht, hätte sie aber wohl erkennen können.

Wir backen also mit den letzten Mehl - Vorräten, die wir ausgiebig mit Zucker und Speisestärke gestreckt haben. Für Jeden gibt es ein Kinder - Fladenbrötchen.

Nach dem üppigem Frühstück steigen wir in die Autos. Die erste Etappe des Arachtus steht bevor. Im Flussführer steht sie beschrieben als sehr leichte Etappe, die auch von Wanderpaddlern gemeistert werden kann. Nach einer etwas längeren Versetz-Orgie (wir finden nicht auf Anhieb den richtigen Weg und schlagen uns zwei Stunden lang über eine Natur-Straße bis wir umdrehen und über eine neue, autobahnähnliche Straße zum Fluss fahren) sind wir endlich auf dem Wasser. Der Arachtus ist nun nicht mehr grün wie noch vor zwei Stunde, sondern die Wasserfarbe wechselt nunmehr von grün über trüb bis hin zu einem kakaoähnlichen braun.

achacht_alexindermilchstrasse_500

Direkt am Einstieg gibt es einen turbulenten Schwall mit einigen Wellen, an dem wir uns ein wenig warm paddeln. Hier zieht es Bernd bei einem Kerzelversuch aus dem Boot und er verschwindet fluchend in den braunen Wogen. Doch schnell sitzt er wieder im Boot und  wir beschließen die Etappe in Angriff zu nehmen.

Anfangs fließt der Arachtus beschaulich daher, doch mit jedem Meter wird der Fluss wuchtiger, bis wir uns schließlich in einem ziemlichen Walzengebrodel zwischen dicken Felsen wiederfinden. Schon schwimmen die Ersten. Nach schneller Bergung paddeln wir weiter und nach wenigen hundert Metern hört auch das Gebrodel auf. Der Fluss wird wieder breiten und langsamer, die Felswände hingegen türmen sich immer höher auf. Wir fahren durch eine kleine Schlucht, von oben rieseln kleine Wasserfälle auf uns nieder. Bis zum Ausstieg genießen wir das gute Wetter und plätschern auf leichtem Wildwasser dem Ausstieg entgegen.

achacht_milchstr_500
Milchstraße

Den ersten Flusstag haben wir hinter uns. Nun haben wir den zweiten Tag vor uns und wir schauen erstaunt in den Arachtus. Heute ist der Fluss schon vor dem Frühstück sehr trüb. Wir haben uns für heute eine der oberen Etappe ausgesucht. Laut Flussführer soll die obere Schlucht des Arachtus bei normalem Wasserstand Wildwasser III nicht überschreiten. Wir fahren also los. Mit den Autos am Einstieg der Tour angekommen, erblicken wir einen braunen Fluss, der reichlich angeschwollen scheint. Aufgrund der Flussführerbeschreibung, die erzählt, dass diese Etappe des Arachtus bei Hochwasser leicht den vierten Grad überschreitet und mit der Referenz des Vortages im Hinterkopf entscheiden sich einige unserer Gruppe für das Autofahren.

achacht_zickemilchstr_500
Zicke in der Milchstraße

Ein harter Kern unseres Kurses Paddelt also los. Schnell und wuchtige trägt uns der Arachtus flussabwärts. Die Schwierigkeiten überschreiten kaum den dritten Schwierigkeitsgrad. Bis wir in eine tiefe Klamm kommen. Von oben rieseln kleine Wasserfälle in die Schlucht und es beginnt stark zu rauschen. Ein heftiger Schwall mit fies unterspülter Felswand stellt sich uns. Gemeinsam beschließen wir nicht lange zu diskutieren und wir umtragen den unangenehmen Teil des Kataraktes.

Der weitere Verlauf des oberen Arachtus stellt sich als wuchtig aber fair heraus. Viele schnelle Kurven mit angespültem, teilweise auch unterspülten, Felswänden sind bis zum Ausstieg an der Brücke vor der „Milchstraße“, dem schwersten Stück des Arachtus die einzigen nennenswerten Schwierigkeiten.

achacht_uwemilchstr_750
Uwe in der Milchstraße

In der nächsten Nacht regnet es wie aus Kübeln, mit dem Ergebnis, dass der Fluss um weitere zwei Meter ansteigt. Da jetzt lediglich die zwei schweren Etappen des Arachtus auf dem Programm stehen, entschließen wir vorerst unser Lager abzubrechen und weiter gen Norden zu fahren.

Es vergehen knapp 10 Tage bis wir wieder an den Ufern des Arachtus stranden. Der Wasserstand ist wieder freundlich und auch die Wasserfarbe ist von stattlichem Grün. Wir freuen uns und haben für den nächsten Tag die Strecke vom Camp bis nach Plaka geplant. Auf dieser Etappe befindet sich laut Flussführer eine wunderschöne Klamm sowie eine fiese Stelle mit dem hässlichen Namen „room of doom“, die im Flussführer als ein großer Strudel eingezeichnet ist.

achacht_dieuntereetappe_500
untere Etappe

Wir beginnen die Etappe auf leichtem Wildwasser. Nach wenigen Kilometern entdecken wir den im Flussführer beschriebenen hohen Felsen auf der linken Flussseite. Dieser Fels signalisiert uns den Beginn des Room of Doom – Wir fürchten uns.
Den Room of Doom meistern wir bravourös auf der rechten Seite. Wir fahren wie die Entlein an einer Schnur gezogen an der Felswand entlang. Die Verschneidungslinien brodeln zu unserer Linken – geschafft! Die Stelle mit dem schlimmsten Namen der Welt ist gemeistert. Doch von Ausruhen keine Spur. Nach wenigen Metern verschwindet der Arachtus in der Arachtus-Klamm. Im Flussführer ist die Klamm als ungefährlich beschrieben. „Kameraden, die am Eingang zur Klamm schwimmen, schwimmen sie bis zum Ende“. Das dies der Wahrheit entspricht, beweist uns Lutz in einem wagemutigen Selbstversuch. Leicht säuerlich bedauert er seine Schwimmaktion – nicht wegen dem Schwimmen selbst, sondern aufgrund der Tatsache, dass er von den beeindruckenden Quellen, die seitlich in den Fluss plätschern, nichts mitbekommen hat. Nach der Klamm wird der Fluss leichter und schnell erreichen wir die Brücke von Plaka, unseren Ausstieg.

achacht_naddelausgangmilchstr_500
Naddel im Ausgang der Milchstraße

Nach ausgiebigem Abendessen (es gibt Reisnudeln mit Metaxa-Soße), beschließen wir, am nächste Tag die schwierigste Etappe des Arachtus zu befahren. Diese beginnt mit der „Milchstraße“ einem knackigem Vierer – Katarakt. Wir schauen uns die Milchstraße an. Über einen schmalen Weg am Ufer können wir den gesamten Katarakt ablaufen. Wir entschließen uns für die ganz linke Route, die durch ein Gewirr von großen Felsen führt, bis sie einen am Ende des Kataraktes durch zwei abschließende Walzen in die Freiheit entlässt. Alle entschließen sich für die Befahrung. Der Ritt durch die Milchstraße ist wirklich knackig und macht allen Spaß. Einige von uns beschließen noch einmal hoch zu tragen und die Stelle ein zweites Mal zu fahren.

Nach der Milchstraße macht der Fluss einen Knick und der nächste Katarakt wartet auf eine Befahrung. Ein verblockter Katarakt mit zwei kleinen Rückläufen und einer unterspülten Wand am Ende. Einige von uns entschließen sich für eine Portage, sichtlich erleichtert, dass sie gerade die Milchstraße überstanden haben.

achacht_sicherungmilchstrasse_500

Nach diesem Katarakt wird der Arachtus leichter. Zwar überrascht er immer wieder mit wuchtigen Schwellen, dicken Wellen und vereinzelten Walzen und Prallhängen, doch ist er hier nicht mehr schwerer als WW III. Am Ende der Etappe steigen wir am Camp aus, tragen unsere Boote zu den Zelten und lassen einen gelungenen Tag mit Ziegenkäse, Rotwein und gegrilltem Fleisch ausklingen.

Informationen zum Arachtus

Camp: Ein sinnvolles Camp befindet sich an der Brücke zwischen Lazena und Ambelochori. Von Ioanina kommend überquert man den Fluss und nach wenigen Metern findet man auf der rechten Seite eine große Wiese zum Campen. Das Camp bietet jeglichen Komfort (viele Bäume um sich im Wald zu verstecken, einen Fluss zum Waschen, einen grandiosen Sternenhimmel und wunderschöne Berge). Der nächste Ort ist Plaka (ca. 30 Autominuten), hier kann man einkaufen und lecker Essen gehen.
Für griechische Ortsnamen gibt es keine einheitliche Übersetzung. Versucht also die von mir angegebenen Ortsangaben richtig zu deuten und mit eurer Karte abzugleichen. Wir haben die Karte Nr. 517 der Road-Edition „Ioannina“ benutzt (gibt es in Ioannina, vielleicht auch in Deutschland zu kaufen).
Rechts und Links in den beschreibungen bezieht sich immer auf orographisch rechts und links.

Etappe 1: Plaka bis „zur neuen Straße“
Einstieg an der Brücke bei Plaka (ganz leicht zu finden, Plaka hat 3 Häuser und einen Fluss)
Ausstieg: Von Plaka aus fährt man über die einzig sinnvolle Straße auf der rechten Seite Richtung Arachtos-Stausee. Wenn eine sehr neue Asphaltstraße nach links abbiegt, fährt man hier zum Fluss. Hier gibt es einen Parkplatz an einem mit Naturstein befestigten Ufer. (Bitte nicht die im Greco 1-Führer beschriebenen Naturstraße suchen, hat uns 2 Stunden gekostet und zu keinem Ergebnis geführt)
Schwierigkeiten: Bei normalem Wasserstand bis WW II, bei Hochwasser bis III (eine Stelle)

Etappe 2: Camp (Brücke Lazena - Ambelochori) bis Plaka
Der Einstieg ist an der Brücke Lazena – Ambelochori (Camp). Hier wurde 2006 auch ein Wanderweg vom Camp in Richtung Plaka erbaut. Vielleicht kann man nach Abschluss der Bauarbeiten durch die Arachtosschlucht wandern.
Der Ausstieg befindet sich in Plaka. Vom Einstieg rechtsseitig über die gelbe Straße (längerer weg) versetzen, da die linksufrige weiße Straße sehr mühsam zu befahren ist.
Schwierigkeit: WW 2 und 3+

Etappe 3: Brücke Driskos-Krapsi bis zur Milchstraße (Brücke Harokopi - Kedros)
Vom Camp aus auf jeden Fall rechtsufrig (orographisch rechts) über Lazena zu dieser Etappe fahren, da die weißen Straßen auf der Flusslinken wie ein schottriger Irrgarten angelegt sind. Hier werden viele neue Wege gebaut, die teilweise im Nichts enden und einen schier verzweifeln lassen.
Vom Einstieg zum Ausstieg und umgekehrt auch über die orographisch rechte Straße zur Milchstraße fahren.
Schwierigkeiten: WW 2-3 in schöner Schlucht.

Etappe 4: Milchstraße (Brücke Harokopi - Kedros) bis zum Camp
Vom Camp aus auf jeden Fall rechtsufrig (orographisch rechts) zu dieser Etappe fahren, dann dauert das Versetzen nicht sehr lange. Die Milchstraße (WW 4) kann man sich über einen linksufrigen Weg komplett ansehen und mühelos umtragen. Nach der Milchstraße kommt noch eine Stelle WW IV, auch leicht links zu umtragen, danach nimmt die Schwierigkeit ab (WW 2-3), der Fluss bleibt bei anständigem Pegel aber wuchtig.

Beschreibung: Christian Zicke, Outdoordirekt-Kanuschule

Literaturtip:
Greco von Franz Bettinger
Im Internet: www.kajaktour.de

Vorige Beschreibung

Kattfossen

Nächste Beschreibung

Standardstrecke

Facts

Land Griechenland
Ort Einstieg Ioannina
Ort Ausstieg
Klassifizierung Wildwasser
Kategorie Wuchtwasser Offener Wildbach
Schwierigkeiten
(nach Addison)
II|2|B - IV|2|C