Schottische Nordküste - Kajak surfen, Teil 1

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Kajaksurfen bei den Orcas, Nordküste - Schottland, Teil 1:

2007 fiel mir einmal eine Surfer-Illustrierte in die Hand mit einem Cover von den O'Neill Highland Open, dem Surf Weltcup in der Dunnetbay. Seither wollte ich auf jeden Fall einmal hoch zur Nordküste und herausfinden, wie die Wellen und Strände dort wirklich sind.

Prinzipiell ähnelt die schottische Atlantikküste mit ihren hohen Klippen der bretonischen Küste oder derer Irlands, Cornwall's und Wales'. Um genügend hohe Wellen vorzufinden muss man bei der jeweiligen Swellrichtung die vorgelagerten Wellenbrecher, nämlich die Hebriden, die Orkneys, die Shetlands und natürlich im Süden auch Irland berücksichtigen. Island und die Faröer sind weit genug weg und spielen keine Rolle.


Greenwave vor Durness, keine Wale gesichtet

Wenn man also nicht gerade mit den Fähren auf eine der äußeren Hebrideninseln möchte, für den kommt für optimale Wellen nur die, vom Festland leicht erreichbare Halbinsel Kintyre im Süden in Frage oder aber die Nordwestküste Schottlands ab Kinlochbervie bis Cape Wrath und natürlich die Nordküste Schottlands von Cape Wrath bis Dunnet. Einige Spots dieser nördlichen und nordwestlichen Küstenlinie möchte ich hier einmal näher beschreiben.

Unter Berücksichtigung, dass auch in Schottland die Tiefausläufer meist mit westlichen Winden einhergehen, vermutete ich, dass die Ecke um Cape Wrath, wohl der beste Festlandspot sei und behielt damit Recht.

Wie bei allen Felsküsten, ist es aber die größte Herausforderung, überhaupt einmal einen geeigneten Spot zu finden. Optimale Spots für Kajak Waveriding sind Orte, an denen genügen Sand liegt, um nicht dauernd mit dem Boot auf ein Riff zu laufen und an die man auch problemlos gelangen kann.

Zwar sind in einigen Landkarten wenige Sandstrände vermerkt, die richtig schönen Kleinode findet man jedoch nur durch auskundschaften, über Gespräche mit Locals oder über eine spezielle Sightseeing-Landkarte, die ich in einem der Infopunkte ergattern konnte. In ihr werden die 10 Top Strände (jeweils in der Sandfarbe Beige) entlang der beschriebenen Küstenlinie aufgezeigt. Leider ist dieser Flyer einer der wenigen der snh.org, die nicht über Internet downloadbar sind. Deshalb habe ich für euch diese Karte einmal eingescannt:

Link zur großen Landkarte Northshore mit den Topspots Quelle: Flyer „Caithness and Sutherland“ von „Scottish Nature Heritage“ http://www.snh.org.uk

Bevor es jedoch mit den Spotbeschreibungen losgeht, möchte ich eventuellen Surf-Newbies noch die üblichen Sicherheitshinweise nahelegen, denn Lifeguards gibt es an Schottlands West und Nordküste keine:

  • Unbekannte Spots vor dem Paddeln zuerst bei Niedrigwasser auf Riffe und Steine untersuchen. Helm tragen.

  • Strömung und Gezeiten abchecken, gerade die Spots an den Rändern der Kyles und Lochs haben gewaltige Strömung. Paddeln bei Ebbe (3h nach HW ist meist die stärkste  ablandige Strömung) meiden.

  • Starker ablandiger Wind kann in Verbindung mit ablaufender Strömung das Wiedererreichen des Ufers verhindern.

  • Auftriebskörper erweisen sich bei Kenterung oder unbeabsichtigter Spritzdeckenablösung als vorteilhaft.

  • Paddeljacken sind beim Schwimmen mit Nachteilen verbunden, besser Surf-Lycra oder Langarm-Neo. Geeignete Bekleidung gegen die Kälte des Wassers. Ohrenstöpsel gegen Exostosen in den Ohren („surfers disease“).

  • Overthruster gegen unbeabsichtigte Spritzdeckenablösung sinnvoll. (Soulboater Bauanleitung hier)

  • Die Wellenhöhe reduziert sich bei Niedrigwasser sehr stark und ist bei Hochwasser am größten.

Spots um Durness herum:


Der Campingspot liegt auf der Karte genau im „D“ von Durness, der weniger rauhe Balnakeil Strand ist 1,5Meilen westlich, unterhalb des „r“ von Durness befindet sich die Smoo Cave – eine Meereshöhle mit Bach und Wasserfall - und unterhalb des „e“ und des „s“ zwei durch eine vorgelagerte Insel (Eilean Hoan) etwas mehr geschütze Buchten in der Nähe von Sangobeg.

Spot 1: Durness Campingsite


Ankunft am Campingplatz in Durness. 6 bft von Nord auflandig, Wellen mit 6m Höhe definitiv zu hoch um über die Brandung hinauszupaddeln. Campen direkt am Spot über den Klippen. Bild oben: Ein mit Geländer gesicherter Weg führt über einen Grat auf ein alleinstehendes Cliff genau zwischen beiden Sandstränden.


Die Aufnahmen entstanden bei Niedrigwasser, Wellen bei HW noch größer. Zum Größenvergleich beachte man den ausgetretene Fußpfad auf dem vorgelagerten Cliff. An der hinteren Felswand erkennt man eine gelbe Algenlinie, die in etwa das Niveau des normalen Hochwasserstandes anzeigt. 


Durness Camping Ostseite:

Mehrere Bilder vom rauhen East Spot am Campingplatz in Durness:



Durness East Spot: Blicke vom Camping Platz. Absolut die größten Wellen bei Wind Nord und Nordwest. Gefahrlos nur bei Mittelwasser und Niedrigwasser fahrbar, da den Riffen bei Flut nur schwer ausgewichen werden kann. Oder man fährt auf der Westseite.


Oben und unten: Die Spaziergänger am Strand wirken wie kleine Ameisen und zeigen den Bezug zur Wellenhöhe. Trotz wechselnder Windrichtungen brachen die Wellen leider nie besonders stark diagonal.



Die beste Aussicht in erster Reihe am Abgrund. Da wackelt der Wohnwagen vor Freude.


Durness Camping Westseite:

Der Durness West Spot unterhalb des Fußballplatzes: Bei Wind von West, Nordwest sind die Wellen hier im Wellenschatten des Cliffs wesentlich kleiner.


Unten: Blick vom Campingplatz, bei Mittelwasser und am Tag drauf, mit kleineren Wellen und Wind sideshore bis ablandig. Nur 2 Riffe und der Wind- und Wellenschatten ließen mich diesen Spot gegenüber der anderen Seite bevorzugen.


Zwei Bilder unten: Durness, Mitte zwischen West und East Spot, Riffe wohin das Auge schaut.



Durness Campsite: Time to surf!


Schnell die Finnen angeschraubt und los geht's

Denn der nächste Tag brachte den ersehnten Wetterwechsel; der Wind drehte von Nord auf West, ja manchmal Südwest. Durch diese fast ablandigen Bedingungen und dem leicht zurückgegangenen Swell bauten sich traumhaft steile Greenwaves auf. Man beachte die langen Sprayfahnen der Wellenkämme. Selten kann man als Kajakfahrer so in die „Röhre“ hineinschauen und ich meine das NICHT im übertragenen Sinne. Nur richtig lange Tuberides waren leider nicht drin, aufgrund der parallelen Wellenrichtung zur Küste.



Bildsequenz oben, Screenshots aus einem Film, aufgenommen vom mittleren Cliff.

Drei Bilder unten: Der West Spot mit seinem wellenberuhigten In- und Output


Einsetzen möglichst links, dann rausfahren und nach Osten in Richtung der Brecher paddeln.



Oben: Bei Niedrigwasser brechen die Wellen an den vorgelagerten Riffen des West Spot


Einbooten: Die hohen Cliffs schützen u.a. auch vor den kalten Winden, bei Hochwasser geht das Meer allerdings überall bis zur Felswand. Größenvergleich: links an der Sand-Wassergrenze ist das Boot


Der Zugang zum Weststrand ist etwas steiler als zum Oststrand und komplett unbefestigt. Aus diesem Grund sind hier unten auch kaum Spaziergänger anzutreffen.


Unten: Prinzip Hoffnung: auf jede falsch getimte Welle folgt bestimmt nächstesmal der ideale Ritt.



Bild oben und „Zoom in“ unten: Diese Welle ist ca. 3m hoch, am East Spot waren es zum gleichen Zeitpunkt gute 4,5m. Mir hat die kleinere Wellenhöhe absolut ausgereicht. Die Steuerbordfinne krallt sich in die Welle hinein. Man merkt den Unterschied sofort.



Bilder oben und unten: Schaumwäsche ohne Schonwaschgang,


Welle in Persilweiß


und nun das ganze nochmal in grün :-)



Bild oben: Bei Niedrigwasser wird schnell ersichtlich, wo man bei Flut besser nicht surfen sollte und warum hier ein Helm Pflicht ist.

Murphy's Law oder subjekive Wahrnehmung? Die besten Wellen sind natürlich immer gerade links und rechts von dir. Und wehe du wechselst auf eine der beiden Seiten. Dann kommt die Welle genau da, wo du vorher gewartet hast. Genauso verhält es sich mit dem Punkt, an dem Sie brechen. Mal wartest du vorne und sie brechen in dich hinein oder du wartest vergeblich zu weit hinten und jeder Spurt verläuft im Nichts.

 

 

 

Oben: Blick vom Durness Mittelcliff Richtung Loch Eriboll. Dort hat es zwei weitere Surfbuchten, die im zweiten teil beschrieben werden.

 Blick vom Mittelcliff nach unten (hier das Surfen meiden)

 

Ebenso wichtig ist es mit Geduld den richtigen Zeitpunkt zu finden um über den Brandungsgürtel nach draußen zu kommen. Irgendwann sind ein paar Wellen etwas niedriger und dann ist ein Sprint angesagt.

 

 

 

 

 

 


 






 


Bei NW enden dann die meisten Sessions mangels Swell.

Das absolute Highlight des Campingplatzes: Eine Schutzhütte mit Gaskochern, in der gebührenlos gekocht werden kann und die mitgebrachten Mahlzeiten verzehrt werden dürfen. Gerade für Backpacker-Reisende ein Juwel, denn sie hätten sonst keine warmen Mahlzeiten, bei diesen kalten Temperaturen, dem Dauerregen und dem Sturm.


Spot 2: Balnakeil Bay

An Tagen, wo die Wellen zu hoch sind empfiehlt sich die Balnakeil Bay, nur 1,5 Meilen östlich vom Campingplatz am Friedhof von Durness, hier kamen selbst bei Westwind nie hohe Wellen an, da der Kyle of Durness zu wenig Wassertiefe hat. Die Strömung hält sich hier trotz gewaltiger Wasserablaufmengen aus dem Kyle in Grenzen, weil die Bucht durch große Riffe von der Hauptströmung etwas abgetrennt ist.



Oben: deutlich zu sehen, die Riffe, die den Hauptstrom von der Bucht abschirmen. Dabei entstehen kilometerbreite Gezeitenwellen (Ecke oben rechts).

Unten: Friedhofsstrand von Balnakeil







altes Gehöft am Parkplatz



Traumstrände wohin das Auge blickt.


oben: Regenbogen entlang der Straße von Balnakeil nach Durness,


Der Kyle of Durness beim Fähranleger zur Straße nach Cape Wrath. Er fällt fast komplett trocken, Priele überall.


Spaziergänger am Strand


Die Mauer muss weg! Freiheit für die Schafe!


Balnakeil Nordstrand, nur zu Fuß erreichbar.


Oben: Balnakeil Nordstrand. Am Unterschied der Wasserfarbe am Riff links oben erkennt man manchmal die Tiefe und den wahrscheinlichen Strömungsverlauf. Bildmitte der offene Ozean.


Durch die Felsküste ergeben sich meterhohe Dünen.


Traumstrände auch auf der Nordostseite Balnakeils. Hier sind die Wellen so hoch wie am Campingplatz. Nachteil: Nur über längere Märsche erreichbar. Zutritt zu den Buchten schwierig wegen steilen Felsabbrüchen.



Dünung mit Sprayfahnen an der unzugänglichen Nordostküste Balnakeils





Faraid Head am Ende der Bucht. Blick Richtung Cape Wrath


Spot 3: Smoo Cave

kein geeigneter Surfspot, aber ein absolutes Muß! Schaut euch die Bilder an! Die Höhle liegt nur wenige 100 Meter vom östlichen Ortsrand Durness' entfernt.


Smoo Cave, Mündung des Höhlenflusses: die Wellen brechen sich meterhoch schon weit draußen an den Klippen. In der Bucht beruhigt sich das Wasser schnell.


Bei Hochwasser (wobei mir nicht klar ist, ob damit Höhlenfluss-Hochwasser oder Meeres-Hochwasser gemeint ist, liegt der Boden der Höhle unter Wasser. Man kann angeblich auch mit dem Boot hinein.


Höhleneingang mit Brücke über den Höhlenfluss.


Wo findet man sonst noch so schöne unterirdischen Wasserfälle? Wer weiß, vielleicht wurden sie auch schon erstbefahren.


Unter dem Gestein quetscht sich das Grundwasser hindurch


Über Tage befinden sich Einfallstellen, dadurch ist die Höhle tagsüber lichtdurchflutet.

 

Hier gehts weiter zum Soulboater Bericht: Teil 2

 


 

Alle Fotos außer Landkarten: Uwe, im August 2011

Geschrieben von Uwe am 8.10.2011

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Facts

Land Großbritannien
Ort Einstieg Inverness (Thurso)
Ort Ausstieg
Klassifizierung Playspot
Kategorie Welle
Schwierigkeiten
(nach Addison)
I|1|A - IV|4|C