Eckerschlucht

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Im düsteren Reich der Brockenhexe - Eine wildromantische Fahrt durch die Eckerschlucht
Text: Nils Kagel, Fotos: Christine Luxen

Düstere Nebelschwaden liegen über dem Harzvorland und lassen den grauen Herbsttag noch ungemütlicher erscheinen. Es ist wieder einmal die Hoffnung auf gute Wasserstände, die uns heute hierher gelockt hat. Hinter Goslar überqueren wir zunächst die Oker. Satte 11 cbm/sek. füllen das Flussbett. Kein schlechtes Zeichen, also geht es weiter Richtung Osten. Wir passieren Bad Harzburg und bald nähern wir uns der Ecker. Innerlich haben wir uns bereits damit abgefunden, dass wohl nur die untere Oker oder vielleicht die Bodeschlucht geht. An der nächsten Brücke wandern unsere Blicke automatisch nach rechts. Heißa! Der Bach, der sich fast immer als Rinnsal präsentiert, führt Wasser. Nicht viel, aber 5 cbm/sek. sind es schon. Das dürfte auf jeden Fall für eine Befahrung reichen. Schnell sind alle trübsinnigen Gedanken verflogen und unsere Wahl getroffen. Auf geht´s Richtung Einstieg. Vor der Arbeit steht jedoch bekanntlich der Schweiß. Da die Strasse zur Eckertalsperre für den öffentlichen Verkehr gesperrt ist, müssen wir unsere Boote zunächst über den Berg schieben. Erinnerungen ans Karwendel werden wach. Abenteuer wir kommen!


Gemeinsames Aufwärmtraining

Nach einem anregenden Marsch erreichen wir die Talsperre. Sie wurde 1939-1942 für die Versorgung der kriegswichtigen Volkswagenwerke in Wolfsburg errichtet und fängt die zahlreichen Bäche, die den Westhang des 1142 Meter hohen Brocken entwässern, auf. Normalerweise erlaubt die geringe Pflichtwasserabgabe keine Befahrung von hier. Heute aber schießt aus dem Grundablass der Staumauer ein gebündelter Strahl von drei Kubik. Gleich hinter einem kleinen Kraftwerk entschwindet die Ecker im Wald. Auf den folgenden acht Kilometern fließt sie nur von einem Wanderweg begleitet durch ein wildromantisches Tal. Bis 1989 bildete sie auf diesem Abschnitt die Grenze zur DDR. Die alten Grenzpfähle erinnern noch an diese Zeit, in der an Paddeln nicht zu denken war.


Kurz hinter dem Einstieg

Das Einsetzen gestaltet sich problemlos. Das Bachbett der Ecker ist hier nur etwa halb so breit wie das der Oker und Kehrwasser sind absolute Mangelware. Niedrig hängende Äste, Baumhindernisse und kleinere Blöcke sorgen für Kurzweil und einige Verrenkungen. Bald weitet sich das Tal ein wenig und die Ufer werden nun von einem lichten Mischwald gesäumt. Niedrige Grundgesteinsstufen und -rutschen reihen sich in dichter Folge aneinander. Der Bach ist unerwartet schnell. Reflexe sind gefragt. Hin und wieder wird es sogar etwas spannend. Als ich einen Baumstamm, der den Ausgang einer Felsgasse blockiert, übersehe, hilft nur noch die Limbo-Taktik. Ein anderes mal geht es gerade noch mit viel Schwung über ein ähnliches Hindernis hinweg.


Niedrige Äste behindern die Fahrt


Heinz-Georg erkämpft sich ein Kehrwasser

Nach etwa zwei Kilometern haben wir das vielleicht 300 Meter lange "Kernstück" der Eckerschlucht erreicht. Einige bis zwei Meter hohe Stufen vermitteln einen Hauch von alpiner Sportlichkeit. Ich fühle mich ein bisschen an den Gimbach en miniature erinnert. Einige Wanderer schauen uns begeistert zu. Paddler haben sie hier noch nie gesehen.


Kleine Stufen sorgen für Kurzweil

Nun erwarten wir, dass die Ecker leichter wird. Doch weit gefehlt! Mit kontinuierlich hohem Gefälle geht es weiterhin flott dahin. Nie wird es langweilig. Zweimal müssen wir Baumhindernisse umtragen, ansonsten prägen nette Blockstrecken eingerahmt von steilen Waldhängen und Felsklippen das Bild.


Die Ecker ist eine Genussrinne

Einige Zeit später passieren wir eine alte Fabrik. Hier öffnet sich das Tal und die Ecker tritt ins Harzvorland aus. Die letzten zwei Kilometer bis zum Ausstieg fließt sie in weiten Schwüngen durch eine offene Wald- und Buschlandschaft. Ein niedriges Wehr lässt sich problemlos befahren. Kurz hinter einer stillgelegten Eisenbahnbrücke verlassen wir die Boote und tragen sie die wenigen Meter bis zu einem Parkplatz. Immer noch ziehen dunkle Nebelschwaden über die Hänge des Harzes und es hat angefangen zu nieseln. Bei der anschließenden Kuchenschlacht in einem Café in Bad Harzburg sind wir uns jedoch einig, dass wir heute mit der Ecker die richtige Wahl getroffen haben.


Axel am Beginn des "Kernstücks"

Kurzinfo

Einstieg: Direkt unterhalb der Eckertalsperre am rechten Ufer, mit Bootswagen von einem Parkplatz im
Radautal erreichbar.
Ausstieg: Kurz vor der Straßenbrücke zwischen Bad Harzburg und Ilseburg, hinter einer ehemaligen Eisenbahnbrücke.
Fahrtstrecke: 8 km
Gefälle: Durchschnittlich etwa 40 Promille.
Charakter: Offene Waldschlucht, schmales Bachbett mit zahlreichen kleinen Felsgassen und Grundgesteinsstufen bis maximal
zwei Meter Höhe, nur geringe Wasserwucht. Achtung Baumhindernisse!
Schwierigkeiten: WW III, einige Stellen bis WW IV.
Wassermenge: Mindestens 3 cbm/sek. am Einstieg und 5 cbm/sek. am Ausstieg.

by Nils Kagel
Bilder by Christine Luxen

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Bodeschlucht

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Romker Einstieg bis kurz vor das Kraftwerk

Facts

Land Deutschland
Ort Einstieg Braunschweig
Ort Ausstieg
Klassifizierung Wildwasser
Kategorie Offener Wildbach
Schwierigkeiten
(nach Addison)
II|2|B - IV|3|B