Oberster Golo, unterhalb Quelle bis Calasima Mündung

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Oberster Golo, Korsika

Einstieg:
Vom Basiscamp-Nord in Francardo führt eine kleine Passstraße weit hoch ins Gebirge, vorbei an großen Kastanienwäldern mit wild umherstreunenden Hausschweinen. Unser Ziel ist ein kleiner Wanderer-Parkplatz neben einem Forsthaus, von dem aus ein für Korsika eher untypischer und unbeschwerlicher Waldweg ohne Macchia hinunter zum noch jungen und hochgelegenen Golo führt.


Einstieg zum obersten Golo

Flußcharakter und Beschreibung:
Am Einstieg ist der Golo gerade mal zwei bis drei Meter breit, wobei er sich durch eine wunderschöne Waldschlucht über glattgeschliffenes Geröll und wunderschöne Rutschenkombinationen im Pool & Slide Charakter gen Tal gräbt.


Dieses Bild bestimmt den Charakter kurz nach dem Einstieg - Hiasi auf der Rutschbahn


Geniale Rutschenkombination - Georg "Schurrl" Pichler

Auf den ersten Kilometern ist fast alles ziemlich stressfrei zu fahren, auch wenn es sich um anspruchsvolles Wildwasser handelt. Die vielen Pools bieten einem immer wieder die Möglichkeit zu verschnaufen.


Werner "Schraubi" Schaubmaier

Spätestens ab dem Punkt, wo die ersten Niederklammen und Felskanäle anfangen, ist allerdings Vorsicht geboten. Verzwickte Stufen mit teilweise unsauberem Unterwasser erfordern das Fahren einer sauberen Linie. Kleine Stufen wechseln sich fortan mit engen und verblockten Katarakten ab. Es bleibt jedoch alles relativ fair, vor allem deshalb, weil man zur Not alles umtragen kann, d.h. wenn man sich nicht von der fiesen Macchia und einigen Klettereien abschrecken lässt.


Stufen, Rutschen und Felskanäle im oberen Abschnitt - Hiasi und Georg


Die unfahrbare Klamm mit dem Siphon - Umtragung der 6er Stelle direkt danach

Spätestens am Eingang einer größeren Klamm muss man links aussteigen und umtragen, da sich hier eine durch einen Felsen, der die Klamm auf ihrer gesamten Breite "verstopft", absolut unfahrbare Stelle (X) gebildet hat. Wen der Hafer sticht, kann direkt nach dem Siphon einen Felsenstart machen und den Ausgangsfall der Klamm mitnehmen. Allerdings folgt direkt danach eine Sechser-Stelle mit äußerst starken Rückläufen, unterspülten Wänden und mehreren großen Siphonen, bei denen das Wasser unter haushohen Felsen hindurchzieht und die Ostern 2003 teilweise mit Holz verrammelt waren.

Wir haben bei unserer Befahrung ungefähr 100 Meter umtragen und nach der Sechser-Stelle auf einer Kiesbank wieder eingesetzt. Wieder auf dem Wasser geht es recht sportlich über Grundgestein, kleinere Stufen und mehr oder weniger stark verblockte Katarakte weiter. Der Rutschencharakter des oberen Teils ist inzwischen fast komplett engen Niederklammen gewichen.

In einem klammartigen Zwischenstück folgt noch eine weitere, satte Sechser-Stelle in einer Rechtskurve. Hierbei handelt es sich um eine ca. 3-4m hohe Stufe mit einer schräg nach oben stehenden Felsplatte im linken Unterwasser, rechts befindet sich eine starke Unterspülung mit Rücklauf. Links umtragen und über glitschige Felsen zum Bach abseilen.


Johannes Obereder in der Engstelle unter der kleinen Brücke

An einer kleinen Brücke sollten Golo-Neulinge links aussteigen und die nächste Passage besichtigen. Unter der Brücke folgt zunächst eine stark verwalzte Engstelle, die allerdings gut durchzieht. Unmittelbar danach beruhigt sich das Wasser in einem Pool, um gleich darauf über eine verwinkelte Stufe in eine s-förmige Niederklamm zu fallen, die unbedingt sauber gefahren werden muss.


Darko beim Sprung in die Niederklamm

Wer es nicht schafft, die Grundgesteinsstufe exakt zu boofen, landet links unter dem unterspülten Felsen. Die Strömung und die beiden Walzen ziehen direkt in die Unterspülung, weshalb die gesamte Passage vom Ufer aus gesichert werden sollte.


Stufe mit Unterspülung links - Hannes Obereder in Action


Doppelstufe kurz vor der Kernstelle - Darko

Mehrere Stellen mit ähnlichem Charakter folgen, wobei insbesondere einige rückläufige Stufen erwähnenswert sind. Kurz nach einer markanten Doppelstufe befindet sich eine der schwersten Stellen auf dem obersten Golo: Ein steiles und verwalztes "S" mit einer zwei Meter hohen Stufe im Ausgang, bei der das Wasser vor der Fallkante stark nach rechts unter den schräg überhängenden Felsen zieht (siehe Foto unten).


Oldschooler - Über die Kante, Rücken aufs Hinterschiff werfen, die Arme hochreißen und fallen, fallen, fallen... ;-)

Einige hundert Meter weiter flußabwärts folgt eine weitere Stufe, welche besser über den Abfall ganz rechts an der Wand gefahren werden sollte.


Hannes in Action - Hiasi sichert

Kurz nach dieser markanten Stelle folgt ein weiteres Highlight: Ein seitlicher Drei-Meter-Hüpfer in eine rückläufige Felsgasse, die nach einem kleinen Pool sofort in eine gewundene, felskanalähnliche Niederklamm übergeht. Landschaftlich und wildwassertechnisch ein absoluter Leckerbissen, allerdings sollte man sich von der unterspülten linken Wand im Felskanal fernhalten.


Hannes beim Boof in die Felsgasse

Hiermit wären die Hauptschwierigkeiten geschafft. Gegen Ende der Strecke rücken die Felswände noch einmal näher zusammen und wir kommen vor die Abschlussklamm, deren u-förmiger Rücklauf nicht unterschätzt werden darf. Ganz rechts, direkt zwischen der schrägen Felsplatte und der Klammwand befindet sich ein Schlitz, durch den man mit der Schulter an der Wand entlangschleifend die Stelle umrutschen kann. Vorsicht, der Rücklauf ist nur äußerst schwer zu sichern!


Der u-förmige Rücklauf //-// Katarakt kurz vor dem Ausstieg und Mündung der Calasima

Kurz nach der Klamm mündet von links die Calasima und beschert uns ordentlich Zuschusswasser, durch das der direkt danach folgende Katarakt mit seinen glattgeschliffenen Felsen einen Leckerbissen zum Abschluss der Fahrt bietet.


Der Ausstieg

Ausstieg:
Direkt an der alten Steinbrücke befindet sich der normale Ausstieg. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, die Fahrt auf zwei weiteren Kilometern bis zum Stausee fortzusetzen. Wir sind diesen letzten Abschnitt allerdings nicht mehr gefahren.

Fazit:
Mit Besichtigen, Sichern, Fotografieren und Filmen benötigten wir für diesen Abschnitt gute sechseinhalb Stunden. Es handelt sich um eine wunderschöne, korsikatypische Wildwasserstrecke im oberen Schwierigkeitsbereich für erfahrene Paddler, die enge, steile und knifflige Bäche lieben. Die zehn Kilometer sind zwar anspruchsvoll, bleiben jedoch immer fair, da man fast alles gut besichtigen und umtragen kann.

Allgemeine Infos:
Oberster Golo: 10km WW 4, 5, (5+, 2 mal 6, X).
Befahrungszeit: Frühjahr während der Schneeschmelze, Herbst nach starken Regenfällen
Einstieg: Forsthaus
Ausstieg: Brücke nach Calasimamündung oder Stausee
Besondere Gefahren: Siphon in einer Klamm (X), 50m nach dem Ende der Klamm eine Stufenkombination WW 6.
3,5 m Stufe in einer Rechtskurve mit schräg nach oben stehender Felsplatte im linken Unterwasser (WW 6).

Beschreibung: Darko
Fotos: Darko, Hiasi, Anschi

Vorige Beschreibung

Mittlerer Asco

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Tavignanoschlucht, unterhalb der Vecchio Mündung

Facts

Land Frankreich
Ort Einstieg Bastia
Ort Ausstieg
Klassifizierung Wildwasser
Kategorie Klamm
Schwierigkeiten
(nach Addison)
IV|3|B - V|4|B