Oberer Jori

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 - Will man dem Wildwasserführer von Jens Klatt und Olaf Obsommer glauben, so zählt der obere Jori (sprich: Juri) nicht gerade zu den Höhepunkten eines Urlaubs im Land der Trolle. Lakonisch heißt es dort: „Er wird gelegentlich als etwas unsauber beschrieben, trotz alledem gibt es genügend saubere Linien – man muss sie nur treffen.“ Klingt ein wenig nach Materialschlacht und viel Aua, Aua. Und dem DKV-Auslandsführer ist der Abschnitt des Joris im Skamsdalen noch nicht einmal eine Erwähnung wert. Spricht man jedoch mit Paddlern, die ihn kennen, erhält man ein gänzlich anderes Bild.

Befahrbar ist der obere Jori bis in den Juli. Danach wird ´s langsam knapp. Einen offiziellen Pegel gibt es nicht, aber wenn man auf dem unteren Abschnitt eher viel Wasser vorfindet, ist es oben gerade recht. Die Anfahrt erfolgt über einen Bomveg vom Gudbrandsdalen aus. Bei Nysaetre biegt man dann ins Skamsdalen ab, das man sechs Kilometer hinauf fährt. Immer wieder sieht man weißschäumende Katarakte durch die Bäume hindurch. Irgendwann lässt die Steigung nach und die Straße führt wieder direkt am Fluss entlang. Hier befindet sich die Einsatzstelle.

Auf den ersten Metern wirkt der Jori noch harmlos, was jedoch nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass der folgende Abschnitt deutlich schwerer als die untere Schlucht bis Dombås ist. Dies wird spätestens klar, wenn eine Abrisskante mit Aussicht in die Ferne auftaucht. Die Eingangstufe zur ersten Rutsche sieht etwas unangenehm aus. Umträgt man sie jedoch rechts und setzt im erstbesten Kehrwasser wieder ein, folgt eine schöne Rutsche, die in einem großen Tumpf endet. Je nach Wasserstand kann die Walze am Ausgang etwas kräftiger werden.

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Petr Civrny auf der ersten Rutsche

Gleich hinter der nächsten Ecke geht ´s mit ordentlich Gefälle die nächste lange Rutsche hinunter. Die Linie ist klar und auch hier ist mehr Spaß als Stress angesagt. Das Besichtigen und Umtragen ist auf dem gesamten Abschnitt problemlos möglich und hinter jeder schweren Stelle folgt garantiert ein Flachstück, in dem man sich oder sein Material sammeln kann, klassisches von Pool-zu- Pool-Hüpfen also.

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Petr Civrny und ich im oberen Teil der zweiten Rutsche

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... und im unteren Teil derselben Rutsche

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Mira Sulc im C1 befährt die S-Kurve am Ausgang des dritten Katarakts

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Vojta Hejtmanek im vierten Katarakt

Nach zwei kurzen Grundgesteinskatarakten macht der Fluß einen scharfen Linksknick, um nach 50 Metern erneut abrupt nach rechts zu schwenken und eine steile S-Kurve hinab zu plumpsen. Sie ist der Höhepunkt einer abwechslungsreichen Jori-Befahrung: technisch schwer, aber weitgehend fair.

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Der Autor auf der Eingangsrutsche der Kernstelle

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Petr Crivrny in der Kernstelle

Am Ende eines relativ flachen Stücks, lediglich unterbrochen von einer kleineren Stufe, folgt zum Abschluss noch ein 200 Meter langer Katarakt, der jedoch nur bei höherem Wasserstand ernsthaftere Schwierigkeiten bereitet. Danach geht ´s auf leichten Schwällen dem Ende entgegen. Unmittelbar hinter der Brücke zum Skamsdalen kann man aussetzen oder etwas für die Kondition tun und die nächsten 20 km bis ins Gudbrandsdalen weiterpaddeln. Eine wirklich unsaubere Stelle habe ich im Übrigen auf dem gesamten Abschnitt nicht gefunden, aber vielleicht habe ich für so etwas einfach keinen Blick.

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Honza Cesnek an der Ausgangstufe des letzten Katarakts

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Vor der Befahrung des oberen Jori - Honza Musil, Nils Kagel, Vojta Hejtmanek, Lenka Borovickova, Mirek Sulc, Honza Cesnek und Petr Civrny

jori_10_und_nach_der_befahrung_500
... und danach

Text: Nils Kagel
Fotos: Honza Musil

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Broto bis Fiscal

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Mittlere Etna

Facts

Land Norwegen
Ort Einstieg Dombas
Ort Ausstieg
Klassifizierung Wildwasser
Kategorie Sturzbach
Schwierigkeiten
(nach Addison)
IV|2|B - V|3|B