Lora, Oberlauf

Autor: Jan-Peter
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Wildwasser in Norwegen

Norwegen wurde in den letzten Jahren als Wildwassertraumland entdeckt. Wasserfälle, Wuchtbäche, steile Creeks, Playspots..., hier gibt es von allem genug. Inzwischen gibt es sogar Modebäche wie z.B. die Sjoa, an denen in der Ferienzeit schon Parkprobleme an den Einstiegsstellen, Wartezeiten im Kehrwasser an den besten Surfwellen und vorbeidonnernde Gummibusse einzukalkulieren sind.

Letztes Jahr begegneten uns auf den Straßen im Sjoatal pro Umsetztour auf 5 Kilometer Strecke Dutzende von Autos mit Spielbooten auf dem Dach, ein Zeichen nicht nur für die gerade stattfindende Rodeo-EM sondern auch für den neuen Norwegischen Trendsport Playboating, der hier verstärkt Einzug gehalten hat.

Fährt man aber nur einige Kilometer oder auch Stunden weiter Richtung Nordwesten zunächst auf der E6 durchs Dovrefjell an Dombas vorbei und dann auf der E69 Richtung Romsdalen, mündet irgendwann orographisch rechts die Lora in den hier oben noch kleinen Hauptfluß des
Gudbrandsdalens Lagen.

Dieser auf über 20 Kilometer Länge befahrbare Wildbach hat einen mittelschweren Oberlauf, dessen Schwierigkeiten sich zur Mitte hin immer mehr steigern und schließlich in der gefährlichen Endschlucht mit mehreren hohen und zumeist wuchtigen Wasserfällen ihren Höhepunkt finden.

Die Straße hinauf ins Tal ist mautpflichtig, kaum befahren und nicht asphaltiert. Übernachten darf man an einigen gekennzeichneten Parkplätzen, wobei die Übernachtungsgebühr zusammen mit der Mautgebühr zu entrichten ist. Während der Sommermonate wird es auch um die Mitternachtszeit nur etwas dämmeriger als tagsüber, so daß rund um die Uhr gepaddelt werden kann

Der Einstieg befindet sich am Ende der Straße bei Nyseter. Im Talschluß sieht man nach einer kleinen Wanderung den Gletscher, aus dem die Lora ihren Ursprung hat.

Zunächst geht es auf eiskaltem Schwallwasser stetig und gleichmäßig bergab, es schließt sich bald eine kleine Klamm an, deren Stufen noch gerade so auf Sicht fahrbar sind. Nachdem einige Bäche dazu kommen und die Durchflußmenge anschwellen lassen, wird der Bach wuchtiger aber auch offener. Einige Walzen sollten gebooft werden, um nicht im Rücklauf hängenzubleiben.

Ziemlich unvermittelt taucht eine 3-Meter-Schrägrutsche auf, die sich nach Besichtigung problemlos halblinks befahren läßt.

Danach wird es sportlich:

Unter der bald folgenden Straßenbrücke befindet sich ein Grundgesteinskatarakt, der einen Vorgeschmack auf die folgende Schluchtstrecke gibt:

Stufenförmiges Gefälle, rückläufige Abfälle, Grundgesteinsrutschen, alles zusammengefasst in einer Niedrigklamm mit stark unterspülten Wänden. Wer hier schwimmt, befindet sich in höchster Lebensgefahr, in die Auskolkungen gepresst zu werden!

Nachdem eine hölzerne Hängebrücke passiert wird, sind die Hauptschwierigkeiten erst einmal vorbei und es lohnt sich, auszusteigen und den von rechts mündenden Nebenbach zu bewundern oder auch zu befahren:

Ungefähr 150 Höhenmeter auf 400 Meter Länge bedeuten Wasserfallspaß pur. Nur das Hochtragen ist sehr mühsam, benötigt man dazu auf einem kaum erkennbaren Pfad doch gute Kondition und rutschfeste Schuhe, eventuell sogar ein Seil zum Bootenachziehen. Vorsicht: Die Unterwasser
sind meistens flach und Anhalten ist praktisch nicht möglich!

Bald danach wird es wieder deutlich schwerer und vor allem gefährlicher, es schließen sich die Kernstellen der Lora an:

Ein steiler, wuchtiger Katarakt, mit Unterspülungen, an den sich ein gefällstarker Wurmkanal anschließt. Direkt danach folgt ohne nennenswerte Anhaltemöglichkeit ein 8 Meter hoher Wasserfall, dessen Gumpen aber tief ist. Der Rücklauf ist je nach Durchflußmenge kaum der Rede wert bis gewaltig.

Diese Stelle läßt sich nach einer kleinen Wanderung gut von der orographisch links verlaufenden Straße erreichen.

Bei unserem eher hohen Wasserstand war es ein sehenswertes Naturschauspiel, an das wir uns wegen der rutschigen Felsen kaum zur Besichtigung heranwagten, es wurde jedoch bei Niedrigwasser schon öfters befahren. Umtragen der Fälle ist nur mit großem Aufwand möglich, das
Erkunden ist schon spannend genug, weil immer die Gefahr besteht, mit dem unterspülten Hang in die Kernstelle zu rutschen

Nach diesem Höhepunkt folgen noch einige Gefällstrecken, Kiesbettschwälle und bald ist die abseits gelegene Mautstelle kurz vor der Mündung in den Lagen erreicht.

Beschreibung von Jan-Peter
Fotos: Soulboater.com

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Sambesischlucht, Stromschnellen 1-25

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Tunna, 15km ab dem Fossbakken bis Brücke bei Tynset

Facts

Land Norwegen
Bundesland Romsdalen
Ort Einstieg Nyseter
Ort Ausstieg Otta
Klassifizierung Wildwasser
Kategorie Offener Wildbach Klamm
Schwierigkeiten
(nach Addison)
III|2|A - V+|4|C