Klammstück

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Mae, Italien (Venezien)
von Michael Ullmann

Die Mae dürfte relativ unbekannt sein. Sie ist ein rechter Nebenfluss der Piave, in die sie bei Longarone mündet. Ihre Schwierigkeiten betragen maximal WW III. Die Mae ist der eindrucksvollste und mental belastenste Bach, den wir bisher gefahren sind. Ich kann die Eindrücke in der teilweise keine zwei Meter breiten Klamm nur als "kathedral" bezeichnen. Durch die steilen, oft überhängenden Felswände wird jedes Geräusch auf ein Vielfaches verstärkt. Hinter jeder Biegung des Flusses, anlanden ist nur sehr selten möglich, vermutet man wegen des Lärms einen hohen Fall oder sonstwas, doch es kommt nichts. Mit Bäumen etc. im Bach muss jedoch immer gerechnet werden!

Kurz nach dem Start, vor der Einfahrt in die eigentliche Klamm, kommt eine unfahrbare Stelle, die am linken Ufer recht mühsam zu umtragen ist. Ein Fischer warnte uns vor dem oft unerwarteten und unangekündigten Fluten der Mae durch die Staudammbetreiber. Das Wasser soll dann "schlagartig" um sechs Meter steigen. Wir sollten daher unbedingt oben am Kraftwerk Bescheid geben (er nannte unsere Fahrt bodenlosen Leichtsinn!!). Ein Entkommen aus der Klamm ist absolut unmöglich.

Die Einstiegstelle ist nur sehr mühsam zu erreichen. Am einfachsten ist es, wenn man an der Hängebrücke vor Longarone hält (Parkbucht für zwei bis drei Autos an der Strasse 251), über diese Brücke geht und anschliessend die Boote ca. 500 m flußaufwärts schleppt. Direkt an der ersten Steinbrücke über einen "Zufluss" geht's dann rechts durch die Büsche steil nach unten. Ausgestiegen wird nach Longarone, kurz nachdem man unter einer Eisenbahnbrücke hindurchgefahren ist. Mit dem Auto ist diese Stelle zu erreichen, indem man sich in Longarone rechts Richtung Bahnhof hält. Nachdem man ihn passiert hat, fährt man solange weiter, bis man am Bach ist. Achtung: Auf gar keinen Fall den Weg am rechten Hochufer mit dem Auto befahren! Er wird bis zu zwei Meter schmal und es gibt bald keine Stelle zum Wenden, Parken oder Ausweichen mehr. Auch über die Brücken kommt man mit großen Autos (Ducato o.ä.) nur eben gerade (zwei Meter Durchfahrtsbreite!!!).

 


Die Umtragestelle
Schlafen kann man z.B. in der Zufahrt zum Kraftwerk (wir wurden hier noch nie angemacht!). Es gibt jedoch auch ein paar Campingplätze in der Gegend. Vorzüglich essen kann man im von uns so genannten Zickleinwirt (bar / trattoria Mezzo Canale da Vinetta), ein paar Kilometer oberhalb der Hängebrücke einsam, direkt neben der Strasse (251) gelegen. Wenn man Glück hat, gibt´s frisches Zicklein oder Fohlen! Am Wochenende sollte schon vorher ein Tisch reserviert werden, da an beiden Tagen ganz Venezien hierher zum Essen zu kommen scheint!

 

Kurzbeschreibung:
Einsatz: An der Hängebrücke ca. 1-2 km oberhalb Longarone an der 251.
Aussatz: Kurz nach Longarone bei einer Eisenbahnbrücke.
Pegel: nicht vorhanden.
Charakter: Sehr enge Klamm (fast) ohne Anlandemöglichkeit.
Schwierigkeiten: WW III-
Besondere Gefahren: Bäume, angeblich unangemeldete Flutungen durchs Kraftwerk, Psyche! (sehr beklemmende Atmosphäre).

Beschreibung und Fotos: Michael Ullmann

http://www.michael-ullmann.de

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Cracauer Wasserfall Magdeburg, Sohlschwelle

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Weißbachschlucht, Mauthäusl - Straßenbrücke

Facts

Land Italien
Ort Einstieg Florenz
Ort Ausstieg
Klassifizierung Wildwasser
Kategorie Klamm
Schwierigkeiten
(nach Addison)
I+|2|C - II+|3|C