Malakasiotiko

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Griechenland 2006
Teil III – Rund um die Meteoraklöster

 - Vom Achachtos sind wir über den Katara-Pass weiter Richtung Norden gefahren. Der Katara-Pass ist der berühmt-berüchtigte Pass, der den Norden Griechenlands verbindet. Wer also im Norden von West nach Ost will, muss über diesen Pass. Und da wir nicht die Einzigen sind, die in diese Richtung unterwegs sind, treffen wir jede Menge schwerbeladene LKW und viele Importeure neuer Gebrauchtwagen aus dem restlichen Europa.

Nach dem Pass (auf dem wir noch auf ziemlich viel Restschnee vorfinden) eröffnet sich ein Blick auf die Ebene von Meteora und von weit oben können wir die Meteoraklöster und deren bizarre Felsheimat in der untergehenden Sonne betrachten. Die Stadt Kalambaka, direkt an den Meteoraklöstern ist unser nächstes Ziel.

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Denn hier können wir uns frisch machen, ausnahmsweise auf einem offiziellen Campingplatz duschen und noch dazu in einem sehr gutem Restaurant direkt am Campingplatz zu Abend essen.

Nach ausgiebiger Dusche treffen wir uns zum Essen. Es gibt Souvlaki vom Holzfeuer mit Bauernsalat, Zaziki und natürlich Feta. Dazu Wein und Ouzo – lecker!
Beim Essen planen wir den nächsten Fluss. Wir entschließen und für den Klinovitikos.

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Am nächsten Morgen brechen wir nach ausgedehntem Frühstück auf. Wir fahren zum ausgewählten Fluss und stellen leider fest, dass der Bach kein Wasser führt. Also machen wir schnell kehrt und fahren zum Malakasiotiko. Hier an der Brücke finden wir einen brauen Fluss vor, sieht also so aus, als habe der Malakasiotiko ausreichend Wasser für eine Befahrung. Wir entschließen uns hier zu paddeln und machen uns auf den Weg zum Einstieg. Dieser lässt sich nicht besonders gut ausmachen, da die Beschreibung der Einstiegstelle nur wage ist. Wir finden jedoch nach kurzer Suche den vermeintlich richtigen Weg und biegen in eine “Naturstraße“ ein. Ein moderiger Feldweg schlängelt sich zum Fluss. Je weiter man sich dem Bach nähert, desto schlechter werden die Straßenverhältnisse. Am Ende führt uns der Weg durch kräftige Spurrillen aus tiefem Schlamm zu einer Weide. Von hier aus ist die kleine Brücke am Einstieg schon in Sicht. Wir laden ab und beschließen die Autos ohne Allrad zum Ausstieg zu bringen und nur mit dem Offroader wieder zu kommen, um bei möglichem Regenguss über den Schlammweg wieder zur Straße zu gelangen.

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Wir fahren den Weg wieder hoch und passieren die schlimmsten Stellen ohne größere Probleme. Alle Fahrzeuge kommen heil über die Spurrillen aus tiefem Schlamm. Erst als wir wieder befestigten Boden unter den Reifen haben, sehe ich im Rückspiegel einen lustigen Gysir. Doch wie sich herausstellt haben wir kein unentdecktes griechisches Naturschauspiel aufgedeckt – Bernds Auto ist die Quelle des stark auf strömenden Wasserdampfes. Schnell kommen wir zum Stehen und betrachten das Übel. Bei Bernds Espace ist ein Kühlerschlauch geplatzt. Doch Bernd verliert nie die Nerven. Kurz entschlossen lassen wir die Karre stehen und fahren weiter. Wir wollen schließlich Paddeln. Und außerdem ist sich Bernd ziemlich sicher, dass wir im nächsten Dorf einen passenden Kühlerschlauch für seinen Wagen kriegen – ganz klar!
Wir fahren also zum Ausstieg, lassen dort ein Auto stehen und fahren mit dem Geländewagen wieder zum Einstieg. Nun geht es ab auf den Bach.
Die Gruppe ist voller Erwartungen, keiner weiß, was uns wirklich erwartet. Der Malakasiotiko ist wohl noch nicht besonders oft gefahren worden, die Beschreibungen im Greco sind eher spärlich.
Wir teilen also die Gruppen ein, Ich fahre mit meiner Gruppe vor, Nadjas Gruppe folgt mit sicherem Abstand.

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Schon nach wenigen Metern auf schnell strömendem Wasser ist die Fahrt abrupt zu Ende. Mehrere Bäume liegen quer, wir steigen aus und schauen – kein Durchkommen. Wir müssen also umtragen!
 Kaum haben wir unsere Entscheidung getroffen, schon hören wir lautes Gezeter aus Nadjas Gruppe. Leicht verwirrt sehen wir Heiko mit zwei Paddelhälften ins Kehrwasser rudern. Er erreicht sichtlich erleichtert das Ufer, nur das Paddel ist hin. Wir schauen auf die steilen Böschungen über uns. Hier will der Heiko bestimmt nicht raus klettern. Ich packe also mein geteiltes Paddel aus, stecke es provisorisch in die Hülse und wir wickeln ordentlich Klebeband drum. Nun freut sich auch der Heiko, dass er nicht alleine aus der Schlucht laufen muss.

Der nächste Katarakt ist sportlich. Wir schätzen ihn als gute Vier ein, das heißt, ich schätze ihn als gute Vier ein, leider zu spät um anzuhalten. Ungebremst strömt der schmale Bach in den Katarakt. Ich schaue nach hinten und sehe, dass die ganze Gruppe es auf keinen Fall mehr schafft, in dieses winzige Kehrwasser zu meiner rechten einzukehren. Ich lege also einen Zacken zu und entscheide mich spontan für eine (von oben) ganz ordentliche Route. Ich komme ganz gut durch und sehe, wie es Lutz und Micha in zwei kleine Kehrwasser schaffen – leider allerdings ohne Boot. Die Boote schwimmen im  Katarakt umher. Micha flucht ein wenig, Lutz steht erleichtert an der Böschung und ich nehme die Verfolgung seines Bootes auf.

Glück gehabt – Der Bach wird hinter der nächsten Kurve leichter. Uwe ist mir gefolgt (im Boot), ich hänge den vollgelaufenen Kahn an meinen Cowtail, schleppe ihn ans Land und Uwe springt aus seinem Boot um das von Lutz an Land zu ziehen. Eine Bergung wie im Bilderbuch.

Nachdem alle wieder im Boot sitzen, keiner sich wirklich weh getan hat und wir hoch motiviert weiter paddeln, öffnet sich das Tal immer mehr. Ich denke schon, dass wir es bald geschafft haben, da versperren wieder Bäume den Flusslauf. Wir legen an und umtragen den ersten Baum. Doch nur wenige Meter später folgt der nächste Baum. Der Fluss teilt sich hier in mehrere Arme, ich fahre in den linken ein, weil dieser meiner Meinung nach das meiste Wasser führt. Doch auch hier strömt der Fluss in eine Art Dschungel, er ist immer wieder durch Bäume versperrt. Ich winke alle an das Ufer um auszusteigen. Lutz macht die Spritzdecke auf und will raus. Plötzlich fällt er aus dem Boot ins Wasser, rettet sich an Land, lässt aber sein Boot los. Uwe will helfen, huckt hinter dem Boot von Lutz her und endet in einem Ast, an dem er sich todesmutig fest klammert und seinen eleganten Körper aus dem Boot schwingen kann.
Doch das Boot von Lutz ist auf und davon. Nadjas Gruppe trifft ein und da es langsam spät wird, beschließe ich auf einem anderen Arm vorzufahren um das abgetriebene Boot zu holen. Nadja nimmt meine verbliebene Gruppe bei sich auf und so geht es weiter – Für Lutz allerdings zu Fuß!
Ich fahre ein gutes Stück und glaube nicht mehr daran, das Boot von Lutz wiederzufinden. Ich schaue beim Paddeln schon nach einem sinnvollen Weg aus der Schlucht, der Lutz wieder in die Zivilisation führt, da sehe ich etwas blau-rotes auf einer Kiesbank mitten im Fluss liegen – Das Boot von Lutz. Ich paddel hin, leere das Boot aus und schleppe es ans Ufer. Nach kurzer Wanderschaft mit Steilhangeinlage kommt Lutz zu mir gekrabbelt, freut sich ungemein und begutachtet sein Boot – alles ganz. Wir steigen ein und paddeln weiter. Über einige Kilometer mäandriert der Fluss durch ein breites Tal. Überall ragen Bäume und Sträucher in den Fluss. Hinter jeder Kurve vermuten wir ein weiteres Hindernis. Doch der Fluss bleibt bis auf einige Ausnahmen auf den letzten Kilometern baumfrei und wir erreichen kurz vor Eintritt der Dunkelheit den Ausstieg – zur Erleichterung aller.

Nach dem spannenden Tag beschließen wir gemütlich essen zu gehen. Der Tag bietet viel Gesprächsstoff. Wir beschließen, am nächsten Tag eine Paddelpause einzulegen, um das Auto von Bernd zu reparieren.

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Da wir nahe der „Metropole“ Meteora kampieren, fällt es uns nicht schwer, eine große Renault-Werkstatt zu finden. Wir haben den kaputten Kühlwasserschlauch dabei und Bernd ist überzeugt, in Blitzgeschwindigkeit einen Neuen zu bekommen, den wir ratzfatz einbauen können – doch Pustekuchen. Bernds Espace mit 3 Liter V6 Maschine wurde in Griechenland nie verkauft und so dauert die Ersatzteilbeschaffung ca. drei Wochen. Doch die Griechen beweisen erneut  Improvisationstalent und lassen einfach einen ähnlich aussehenden Schlauch beim Gummimann aus dem Ort anfertigen. Nach drei Stunden haben wir das Teil in unseren Händen. Es sieht zwar etwas ander aus, könnte aber passen...

Wir nehmen also das Gummi und fahren zum Auto von Bernd. Hier in der Pampa wirkt der Espace wie eine entsorgte griechische Familienkarre.
Nach weiteren zwei Stunden ist der kaputte Schlauch ausgetauscht und auch der defekte Kühler ist mit einer alten Socke, mit Neokleber, Klebeband und Draht repariert.

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Zur Freude der Anderen rollen wir abends am Campingplatz ein. Mit lecker Steak vom Grill lassen wir den Abend ausklingen.
 
Wir beschließen, am nächsten Tag das Camp zu wechseln und zum Acheloos zu fahren.

Die Beschreibung des Acheloos folgt im nächsten Teil.

Zum Revier:
Der hier beschriebene Fluss ist keine Befahrung wert und wird daher von mir hier nicht beschrieben.
Es handelt sich im Grunde um einen Fluss, der durchschnittlich mit WW II aufwartet, lediglich eine Stelle ist ein guter Vierer. Ansonsten liegen tausende Bäume im Fluss, die den Tag nicht grade versüßen und bei höherem Wasserstand auch gefährlich werden können.

Die anderen Flüsse der Region waren leider trocken, deshalb können wir auch diese hier nicht beschreiben.

Das Revier rund um die Meteoraklöster ist aber sehr wohl einen Abstecher wert. Alleine schon das nette Städtchen Kalambaka und vor allem die Klöster sollte man mal gesehen haben. Hier an den Meteoraklöstern gibt es auch eine Vielzahl an Campingplätzen. Nach einigen Nächten in der Wildnis Griechenlands kommt eine Dusche gelegen. Auch einkaufen und bummeln kann man hier sehr entspannt.
 
Christian Zicke www.sweetwaterconcepts.de

Danke an Uwe Hoppe für ergänzendes Bildmaterial

 

Vorige Beschreibung

mittlere Weitenau

Nächste Beschreibung

Doppelstufen bis Straßentunnel

Facts

Land Griechenland
Ort Einstieg Kalambaka
Ort Ausstieg
Klassifizierung Wildwasser
Kategorie Wuchtwasser
Schwierigkeiten
(nach Addison)
II|2|B - IV|2|B