Westküste Dänemark, Brandungssurfen

Autor:
0 / 0

Brandungssurfen in Dänemark.

von Thomas "Muesli" Müßig, Steindamm Connection

Glück muss man haben, um mitten im Sommer, an der Nordsee, gute Wellen zum Surfen zu finden.



Und Wind! Ohne Wind läuft da gar nix, vor allem keine Wellen. Tja, und auf Wind warten wir jetzt schon über eine Woche.
Wobei man sagen muss, dass die Dänische Westküste, also Westjütland, eine sehr schöne Ecke zum Warten ist. Wir campieren jetzt schon zum dritten Mal in Folge auf dem wunderbar gelegenen Campingplatz Ablehavn nahe dem Städtchen Ringköbing am gleichnamigen Ringköbingfjord. Zwar nicht direkt an der Nordsee, jedoch geschützt und relativ einsam in einem Waldgebiet gelegen!
Von hier aus machen wir uns auf, die Gegend zu erkunden. Neben viel Natur gibt es hier auch einige empfehlenswerte Museen zu entdecken.
Aber, man will ja auch das Boot nicht den weiten Weg umsonst mitgeschleppt haben.
So landen wir irgendwann zwangsläufig in einem Surfshop in der kleinen Hafenstadt Hvide Sande auf der Landzunge Holmsland Klit, um uns nach dem Wind zu erkundigen Die niederschmetternde Auskunft im Shop lautet: „No wind and waves for the next two days!“
Diese geflügelten Worte können einiges bedeuten. Heißt das, kein Wind für zwei Tage, aber dann kommt es dicke? Oder, kein Wind für zwei Tage und dann auch nichts in Sicht? Oder heißt es, wenn du Infos willst, kauf was in meinem Laden?



Nicht dass gar kein Wind wehen würde, oh nein, er weht schon, jedoch aus der verkehrten Richtung. Nämlich aus Osten, das bedeutet: warmes Strandwetter mit ablandigem Wind.

Aber, damit sich hier an der Westküste Wellen aufbauen, braucht es einen sogenannten Windswell, also Wellen, die vom Wind aufgetürmt und dann in Richtung Festland geschoben werden. Und genau da liegt der Hund begraben, damit die Wellenmaschine Nordsee in Gang kommt, braucht es mindestens einen Tag kräftigen Wind aus Nordwest bis West. So um die 8m/sek. wären perfekt. Dann sind Wellen bis zu zwei Metern keine Seltenheit. Wind aus Süden sollte man meiden, denn dann gibt es eine flotte Unterströmung entlang der ganzen Küste, die alles daran setzt, einen nach England zu verfrachten.



Mit diesen Gedanken im Kopf sitzen wir abends vor dem Bus und geben uns ganz dem Wetterdeuten hin. Das Ziehen der Wolken wird analysiert und jedes Mal, wenn der Wind in den Bäumen rauscht, werfen wir uns bedeutungsschwere Blicke zu.



Ein weiterer windstiller Morgen veranlasst Achim uns zu verlassen, er begibt sich, etwas entnervt vom Warten, auf den Heimweg.
Das Glück jedoch verläst uns nicht, denn am gleichen Tag ändert sich die Wetterlage, die allgegenwärtigen Windräder drehen sich kollektiv von Ost auf Nordwest und geben Gas, die Bäume und Büsche neigen sich unter dem Wind und die Wolken rauschen über den Himmel. Die Luftmassen sind in Bewegung. Wir auch!
Schnell ist der Bus beladen und ab geht’s nach Hvide Sande. Hier ist die Südmole an der Hafenausfahrt unser Ziel. Dort liegt der beste Brandungssurfspot der Gegend, die Wellen kommen aus Nordwesten, wickeln sich um die Mole, um sich dann schräg zum Strand in enormer Länge zu brechen. Zudem schützt der Wellenbrecher ein wenig vor der Kraft der See.
Das Bild am Strand hat sich verändert. Statt wie in den Tagen zuvor parken keine Urlauberautos mehr auf dem kleinen Parkplatz in den Dünen, sondern Surferbusse und Wohnmobile. Es herrscht geschäftiges Treiben, überall laden braungebrannte Surfer ihren Krempel aus, bringen gutgelaunte Groupies ihre Kameras in Stellung und riggen blonde Mädels ihre Segel auf. Einige sind nur für heute aus Deutschland angereist. Feiner Sand vom Strand weht über den Platz und direkt in den Bus. Und über der Szenerie stehen einige Kites im Wind.
Schnell ziehe ich mich um und registriere die erstaunten Blicke der Surfer, die sich wohl fragen, was ich hier mit einem Kajak will.
„Das kann ich euch schon zeigen“, denke ich und laufe zum Wasser runter. Der Wind haut mich fast um und es reißt einem fast das Boot von der Schulter.



Dann steige ich ein und los geht’s.
Um nach draußen zu kommen und dann wieder reinsurfen zu können, muss man erst mal die Brandungszone überwinden. Das ist hier an einem Beachbreak nicht so ohne, schließlich rollen die Wellen ohne Pause auf den Strand. Und es gibt praktisch keine Channels mit zurückströmendem Wasser, auf denen man einfacher raus käme. So bleibt einem nichts anderes übrig, als volles Rohr nach vorne zu keulen, um die Brecher zu überwinden. Dazu hält man das Blatt tief ins ablaufende Wasser unter der Weißwasserwalze, um dann seinen Bug ähnlich wie beim Boofen über die nahende Welle zu heben. Klappt das nicht, gibt’s einen spektakulären Backflip und ordentlich Salzwasser. Da haben’s die Surfer neben mir leichter, die tauchen mit ihren Brettern einfach unter der Welle durch, noch einfacher haben’s die Kiter über mir, die Springen halt drüber.
Ist man dann hinter der Brandungszone, kann man sich entspannen und auf eine schöne Welle warten. Dabei halte man sich etwas von den ebenfalls entspannten Surfern fern, um Spannungen aus dem Weg zu gehen. Ich würde auch nicht von einem Kajak in voller Fahrt über den Haufen gefahren werden wollen.
Ist die passende Welle entdeckt und noch frei, wird es wieder spannend. Mit etwas Vorlage gibt man schon im Wellental Gas, um dann vom Peak der Welle rein droppen zu können. Dann versuche man an der Welle entlang zu surfen, um dann rechtzeitig über die Lippe abzuspringen und sich wieder auf den Weg nach draußen zu machen.
Probiert es aus, Brandungssurfen ist fett.



On a wave Thomas

Bilder by Thomas & Friends

weitere Infos: www.Ringkobingfjord.dk/windsurfing

Herzlichen Dank an Thomas für den Bericht! SB.com

Vorige Beschreibung

Spielstellen auf der Seeve

Nächste Beschreibung

Wijk an Zee, Nordseeküste

Facts

Land Dänemark
Ort Einstieg Esbjerg
Ort Ausstieg
Klassifizierung Playspot
Kategorie Welle
Schwierigkeiten
(nach Addison)
I|2|A - II+|3|B