Wijk an Zee, Nordseeküste

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Wijk an Zee

Der Norddeutsche (Bewohner der Bundesrepublik jenseits des Weischwurstäquators) hat nur eine Möglichkeit um Wildwasser- und rodeotechnisch voll auf seine Kosten zu kommen: Die Fahrt in den Süden. Daß diese Aussage genauso objektiv ist, wie die Behauptung, daß Kühe fliegen können, davon ist jeder Norddeutsche überzeugt, der schon im Jahre 1998 in Wijk an Zee, in Holland, auf einem der besten Rodeos aller Zeiten, dem "Amsterdam Playspot Festival" salzige Meeresluft geschnuppert hat. Hier wurde bei krassesten Wetterbedingungen (Windstärke 10, Regen ohne Ende oder Sandsturm) gefightet was das Zeug hielt.


Zicke in der Brandung

Dieses Rodeo war auch mein Schlüsselerlebnis, das mich seitdem immer wieder an die Küste treibt, um dort den Bodyboardern und den Kasköppen das fürchten zu lehren.
So auch am vergangenen Wochenende. Kurz entschlossen geht es bei schwarz-grauem Herbstwetter auf die Autobahn mit dem Ziel Wilk an Zee. Windstärke 5 und Westwind lassen auf gescheite Wellen hoffen. Nach knapp fünf Stunden für 350 Kilometer erreichen wir die Küste. Stau, diesmal nicht im Ruhrpott, sondern auf den niederländischen Straßen wirft uns ziemlich aus dem Zeitplan und so kommen wir erst abends am Strand an. Hier marschieren wir direkt mit zitternden Knien Richtung Meer um die Wellen abzuchecken.


California Roll ;-)

Nach kurzem Bangen folgt Erleichterung: Gute Brandung und aufgrund der späten Uhrzeit nur noch wenige Surfer, die sich weit draußen in den dunklen Fluten der aufgewühlten Nordsee lümmeln. Schnell rennen wir die 300 Meter zum Parkplatz zurück, laden fix die Boote ab und schmeißen uns in die noch feuchten, mit Socawasser getränkten Neoklamotten. Zurück über den Strand, mit Gegenwind und Boot auf der Schulter, geht es etwas langsamer zu und ich bange um Nadja, die mit ihrem Xeno auf der Schulter fast vom Sturm weggeblasen wird.


Nadja spricht ein letztes Gebet vor der Flut

Ohne größere Verluste dafür mit Sand in den Ohren erreichen wir schließlich das Meer und stürzen uns in die Fluten. Raus zu paddeln ist heute kein Problem, zwischen den Wellen gibt es immer wieder ne Lücke, durch die man an der gut zwei Meter hohen Brandung vorbeischlüpfen kann. Draußen auf dem Wasser beginnt dann der gemütliche, aber auch langweiligere Teil des Brandungssurfens. Nu muss man nämlich auf die perfekte Welle warten. Zwischen Schaumkronen und Surfern vergeht die Zeit, doch im Gegensatz zu den Brettsurfern können wir Kajakfahrer es auch zwischendurch mal wagen, ne kleine, nicht ganz so perfekte Welle zu reiten, weil wir mit Kajak wesentlich schneller und geschickter sind.


Ein gut ausgebauter 5* Zeltplatz....

Diese Überlegenheit führt in der Regel zu neidischen Blicken von Seiten der Salzwasser schluckenden Kreaturen rechts und links von uns. Hat man dann, frei nach Gemütszustand eines jeden Paddlers, die für sich perfekte Welle gefunden, so heißt es aufspringen so lange sie noch grün ist. Bricht das Teil, beschleunigt man tierisch Richtung Meeresgrund und kann von dieser Position aus unglaublich geile Manöver fahren, wenn man diese beherrscht. Ich bleibe allerdings bei Cartwheel, Splitwheel, Blunt und hier und da versuch ich mich mal an nem Tricky dingsbums. Nadja versucht sich inzwischen an ihrer ersten California Roll, bleibt aber aufgrund der strandnahen Position mit dem Kopf im Sand stecken und trainiert für den Rest des Abends Spinnen und Carven.


Hinaus in die Flut

Nach gut zwei Stunden Salzwasseraction beginnt es zu dämmern. Uns reicht es fürs Erste und wir tragen die Boote zurück zum Auto, laden auf und ein und machen uns auf die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz in den Dünen. Schnell werden wir fündig und schlagen unser Camp zwischen unendlich weiten Dünen auf der einen und einer Raffinerie auf der anderen Seite auf. Wer diese wildromantische Atmosphäre nicht zu schätzen weiß, der kann sich auch in der Millionenstadt Wijk an Zee in einer Unterkunft ab zehn Euro die Nacht einquartieren. Wir lassen den Abend mit Freunden und kulinarischen, niederländischen Kuriositäten ausklingen, trinken heißen Kakao mit Rum und bewundern die bis zu 20 Meter in den Sternenhimmel ragenden Gasflammen aus den Schornsteinen der Raffinerie.


fast wie im Ruhrpott

Am nächsten Morgen haben wir blauen Himmel und der Wind ist noch heftiger als am Vortag. Diese unglaubwürdige Situation verleitet uns erst mal zum Frühstück in der Sonne bevor wir wieder zum Strand fahren und weitersurfen. Heute sind die Wellen noch eine ganze Nummer höher, die Moves klappen auch schon viel besser und ich niete beim Ritt auf der perfekten Welle fast nen Surfer um, der seinen Kopf vorsichtshalber schon mal unter sein Brett steckt. Nach stundenlangem Warten und surfen hängen unsere Arme bis zum Boden und wir beenden den Tag mit einer Fahrt mit dem Auto ins nahegelegene Bodfjslk, wo wir aufgrund von Ohrenschmerzen, hervorgerufen durch das Vergessen der lebensnotwendigen Ear Plugs nach einer Apotheke suchen. Apotheken gibt es zwar in Boedhezk wie Sand am Meer aber gescheite Ohrenstöpsel gibt's hier nicht. So beschließen wir noch einmal in den Dünen zu nächtigen, uns den Bauch mit Vanille Fla und Nudeln zu füllen, und dann am nächsten Morgen weiter nach Amsterdam zu fahren um die Stadt zu besichtigen.



Amsterdam ist schön und relaxed. Hier trifft sich jung und alt, dick und doof , stark und schwach um der gemeinsamen Vorliebe zu frönen, dem Kipfen (oder so ähnlich). Völlig legal und scheinbar von der Purzelei wesentlich lieber gesehen als der Konsum von Alkohol wird diese Droge neben Pilzen und anderen lustigen Gewächsen an jeder Ecke und in jedem Coffeshop vertickt. Wir essen lieber nen leckeres Hotdog für drei Euro.
Ich hoffe wir sehen uns in Wijk an Zee.



Euer Zicke

Infos:
Der Spot (die niederländische Küste bei Wilk an Zee) läuft meist im Herbst, wenn die Herbststürme einsetzen, am besten ist wohl der Oktober, wenn kräftiger Wind von Westen bläst. Informationen über Windstärke und Richtung findet man im Netz unter: www.
Anreise:
Der Ruhrpotter kommt am besten über die A3, dann Richtung Anhem, dann über diverse niederländische Autobahnen nach Amsterdam und dann an die Küste bei Wijk an Zee. In Wijk an Zee muss man Richtung Noordpeer fahren und dieser schier unendlich langen Straße bis zum Parkplatz am Ende folgen. Von dort aus läuft man dann noch nen paar hundert Meter bis zum Meer.
Der Bayer fährt erst mal durch ganz Deutschland und folgt dann der Beschreibung für Ruhrpotter. PS: Lieber Bayer, man kann bestimmt auch bis Amsterdam fliegen.

Christian Zicke, Kanu-Wild
Bilder by Zicke & Nadja

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Westküste Dänemark, Brandungssurfen

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Surfwelle 313 Wendlingen

Facts

Land Niederlande
Ort Einstieg Amsterdam
Ort Ausstieg
Klassifizierung Playspot
Kategorie Welle
Schwierigkeiten
(nach Addison)
I+|1|A - II|1|A