Luetmoorsiel, Nordsee

Autor: Jan-Peter
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Lüttmoorsiel - Playboaten in Fischkopfland

Mit etwas Phantasie und Kombinationsvermögen lassen sich auch im hohen Norden Deutschlands Playspots entdecken. Waren es vor ein paar Jahren die Brandungswellen von St. Peter Ording, Sylt, Blavand und Rügen, die die Flachbodenschiffer an die Küste lockten, sind jetzt die Siele die neuen Ziele der Fischkopfpaddler. Siele haben allerdings nichts mit städtischen unterirdischen Abflußrinnen voller niedlicher Ratten zu tun sondern sind eine wasserbauliche Besonderheit an der Nordseeküste.

Das natürliche Gesetz der Gezeiten (Ebbe und Flut) läßt das Wasser ungefähr zweimal pro Tag um bis zu 3 Meter steigen und fallen. Dies bedeutet einfach ausgedrückt: Das Wasser fließt morgens in die eine Richtung und nachmittags wieder zurück. Wann genau wohin steht im Gezeiten- oder auch Tidenkalender. Durch dieses Auf und Ab bewegen sich riesige Wassermengen hin und her, immerhin ist ein ganzer Ozean in Bewegung. Trifft die Flut auf ein Hindernis, bilden sich Walzen. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Bitches oder die Falls of Lora in England und Schottland. Im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer gibt es leider keine großen Hindernisse im Watt,
außer gesunkene Schiffe (siehe auch "Die letzte Fahrt der Erika"), aber dafür gibt es die Siele. Ein Siel ist ein Durchlaß im Deich zwischen dem offenen Meer und einem landeinwärts hinter dem Schutzdeich liegenden Binnensee. Durch diesen Tunnel pressen sich bei Flut wahre Massen an Salzwasser, bei ablaufendem Wasser fließt das Wasser dann wieder heraus. Dabei bilden sich Strudel, Wellen und Walzen, besonders zu der Zeit, an der das Wasser noch aus dem See herausläuft, die Flut aber schon wieder aufläuft, der Strömung also entgegenkommt. Eine weitere wichtige und nicht zu unterschätzende Rolle spielen dabei auch noch Windrichtung und -stärke.

Diese Siele eignen sich ideal für Squirter, da es sehr ausgeprägte Eddylines gibt, aber besonders auch für Playboater, die auf den Wellen Spins drehen, Blunts werfen und in den Walzen spielen können.

Ein großer Vorteil ist dabei, daß in unmittelbarer Nähe meist ein Badestrand ist, das Wasser im Sommer bis zu 25 Grad warm wird und man genau berechnen kann, wann eine Welle da ist, wann die Walze zu heftig wird oder wann gar nichts geht. Nachteilig ist, daß die Binnenseen fast überall Natur- und Vogelschutzgebiet sind, so daß nur auf der äußeren Nordsee seite gepaddelt werden kann und die Paddelverbote auch durch sehr aktive Naturschützer und Vogelbeobachter kontrolliert werden. Das schränkt die Paddelzeit etwas ein, nämlich auf die Zeit des ablaufenden Wassers.

Nach unserer Erfahrung ist es am besten, kurz nach dem höchsten Stand der Flut dazusein und während des ablaufenden Hochwassers zu paddeln. Zunächst entsteht eine kleine Welle, die nur mit langen Spielbooten wie Moskito, Diablo oder Hurricane zu erreichen ist. Dies ändert sich aber schnell, die Welle wird steiler und bildet einen brechenden Kamm, der immer weiter zusammenfällt und sich zu einer Walze und schließlich zu einem fiesen Rücklauf entwickelt. Irgendwann ist die Flut so weit gestiegen, daß sich die Strömungen gegenseitig aufheben und das Wasser beginnt, in die andere Richtung zu fließen. Bei auflaufendem Wasser bildet sich dann auf der anderen Seite des Siels eine langgezogene pulsierende Welle mit scharfen Eddylines. Diese Welle ist schwer beherrschbar, da sie mal für 10 Sekunden da ist, dann wieder verschwindet und urplötzlich in einen extremen Rücklauf im Tunnel umschlagen kann. Außerdem lauern da noch die Vogelschützer mit ihren Ferngläsern.... .Sinnvoll ist also zunächst ein Blick in den Tidenkalender, bevor man sich auf den Weg Richtung Wattenmeer macht.

Lüttmoorsiel liegt ca 20 Kilometer nördlich von Husum in Nordfriesland an der Schleswig-Holsteinischen Nordseeküste.ca 170 Kilometer von Hamburg entfernt. Anreise auf der Autobahn Richtung Heide, weiter nach Husum und dann Richtung Bredstedt. Vorher links ab Richtung Arlau-Schleuse und dann ausgeschildert zur Badestelle Lüttmoosiel. Dort ist ein Parkplatz mit Raststation, das Boot muß man ca 300 Meter am Deich entlang zum Siel direkt neben der Badestelle tragen. Ein Bootswagen ist komfortabler. Gute Möglichkeiten für Inline-Skaten und Radfahren sowie Drachen fliegen lassen direkt am Deich.

Beschreibung: Jan-Peter

Bilder: Imme Gaartz

Paddler: Martin Hansen

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Facts

Land Deutschland
Bundesland Schleswig-Holstein
Ort Einstieg Lüttmoorsiel bei Husum
Ort Ausstieg Lüttmoorsiel
Klassifizierung Playspot
Kategorie Offener Wildbach
Schwierigkeiten
(nach Addison)
I|1|A - II|2|B