Untere Okerschlucht

Autor: Jan-Peter
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Immer wieder lockt es uns Flachländler in die "Berge" des Harzes. Wenn sie auch nur wenige hundert Meter hoch sind, vermitteln sie doch dieses alpine Flair, auf das in Wildwasserkreisen niemand auf Dauer verzichten möchte.

So geht es auch an diesem Wochenende abends in Hamburg los, ins Okertal, wo an wenigen Stunden am Tag Wildwasser aus dem Kraftwerk Romkerhall durch die trockengelegten Felsen des Flußbettes der Oker läuft. Die Strecke ist nur knapp einen Kilometer lang, aber wegen der komprimiert auftretenden Spielstellen kann der Playboater bei Bedarf mehrere Stunden mit Wheels und Spins beschäftigt sein, ohne dass es ihm langweilig wird.

Die untere Oker

Als wir aber an diesem Freitagabend die gewundene aber gut ausgebaute Straße ins Okertal hochfahren, trauen wir unseren Ohren kaum: rechts neben der Straße rauscht Wasser, im Mondenschein weißschäumend, zu Tal. Sollte es wirklich möglich sein, dass.... ? Der Schein trügt nicht, es läuft tatsächlich Wasser im sonst immer trockenliegenden Flußbett unterhalb des Nachstaubeckens. Weiter oberhalb sehen wir, wie ein kräftiger Strahl über das Wehr der kleinen Sperre schießt. Vorfreude auf den nächsten Tag stellt sich schlagartig ein. Endlich kann man unten einmal bei "richtig" Wasser fahren.

Am nächsten Morgen ist der Parkplatz am Einstieg beim Königreich Romkerhall voller Paddlerautos. Doch die meisten wissen nicht, dass unten Wasser läuft, sie finden die Strecke zu schwer für ihre Könnensstufe oder sie haben mal wieder nur die Spielboote dabei, die "unten" wirklich nicht geeignet sind.
Es finden sich dann aber doch ein paar Leute, die bereit sind, auch den unteren Teil der Oker bis in den gleichnamigen Ort hinein zu versuchen. Spielend fahren wir die normale Strecke herunter, kerzen hier und rollen da, um für den unteren Teil fit zu sein. Denn dieser ist deutlich schwerer als selbst die Geisterbahn oder der Hexenritt, sonst die Kriterien der Okerstrecke.

Die Nachsperre wird links umtragen und jetzt geht es auch schon nach einigen Metern los. Nach Befahren eines Schrägwehres kommen wir an einem Katarakt an, bei dem das Wasser im wesentlichen über drei verwinkelte Stufen fällt. Hier treffen wir auf eine andere Gruppe, die sichtlich überfordert scheint und mit ihren Wurfseilen schon den ganzen Bach "verkabelt" hat. So können wir "gesichert" hinunterfahren und erreichen zwischendurch sogar noch Kehrwasser. Weiter geht es über Stufen mit nicht immer sauberen Unterwassern, manchmal unterbrochen von ruhigeren Stellen, aber immer interessant. Man glaubt sich eher auf dem Pitzbach oder einem korsischen Wildwasser als im Mittelgebirge auf 300 Meter Höhe über dem Meeresspiegel.


Jan-Peter auf der Unteren Oker
Einige Bäume sind in den Bach gefallen und müssen umhoben werden, will man nicht Gefahr laufen, bei einem Befahrungsversuch ins Geäst gezogen zu werden. Rettungsversuche wären bei dem doch erheblichen Wasserdruck mit Schwierigkeiten verbunden, denn man hat nur wenig Zeit, einen in die Äste eingezwängten Bootfahrer rechtzeitig an die Luft zu bringen.

Doch die Fahrt geht weiter, es folgt ein Katarakt, der vor einer kleinen Brücke bei starkem Gefälle über mehrere kantige Felsen mit schnellen Richtungswechseln und kräftigen Rückläufen zu befahren ist. Wer hier schwimmt, kann sich richtig wehtun, weil die Strömung schnell über den gewachsenen Fels zieht, die Steine also nicht rund und abgeschliffen sind. Doch unten wartet ein Kehrwasser und ein großer Fels, an dem das schwimmende Material in den meisten Fällen hängenbleibt... .

Nach einer längeren Gerade, in der zwei Schrägwehre und noch weitere Verblockungen zu meistern sind, wird die Fahrt leichter und man erreicht eine Straßenbrücke am Ortseingang der Ortschaft Oker, hinter der man rechts aussteigen kann.

Die ganze Strecke ist nur etwas über drei Kilometer lang, bietet jedoch alles, was einen routinierten Wildwasserfahrer reizen kann, sich auf einen Bach zu begeben.
Der Haken liegt nur darin, dass die Strecke zu 95% des Jahres völlig trocken liegt. hinfahren auf gut Glück bringt nichts, man sollte schon über die Wasserstände im Harz allgemein informiert sein. Befahrbar ist die Strecke nur bei einem extrem plötzlichen Hochwasser, bei dem die Okertalsperre schon überläuft und die Wasserwerker ihre Schleusen zwangsweise öffnen müssen. Ökologisch ist die Strecke ausgesprochen sensibel, unnötiges Besichtigen und Herumspazieren im Flußbett sollte aus Umweltschutzgründen unbedingt unterlassen werden. Es soll auch eine freiwillige Selbstbeschränkung vom DKV geben, näheres ist mir darüber aber nicht bekannt.

Jan-Peter
© Soulboater.com 2002
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Standardstrecke

Facts

Land Deutschland
Bundesland Niedersachsen
Ort Einstieg Nachstaubecken obere Oker
Ort Ausstieg Oker
Klassifizierung Wildwasser
Kategorie Sturzbach
Niederwasser 30 cm
Mittelwasser 35 cm
Hochwasser 50 cm
Schwierigkeiten
(nach Addison)
III|3|A - V|4|B