Rindbachklamm

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Rindbach, Salzkammergut
von Andreas "Stokey" Stockinger

Im Salzkammergut befinden sich ein paar der schönsten Bäche Österreichs. Flüsse, wie Koppentraun, Gimbach und Rettenbach sind längst keine Geheimtipps mehr und locken jedes Jahr Paddler aus ganz Europa an.
Aber nicht nur Paddler zieht es ins SKG, auch viele Wanderer schätzen die reichlichen Wanderwege und Trampelpfade. Beider Gruppen quasi gleichermaßen angehörig, durchwanderten wir diesen September einen Klammsteig in der kleinen Ortschaft Rindbach und fanden zu unserer Freude eine versteckte, fahrbare, aber noch unbefahrene Klamm. Wir machten uns während der Erkundung sofort an die Routenplanung, hofften in den nächsten Tagen auf Wasser und zwei Wochen später standen wir dann „vollgepumpt“ mit Adrenalin und einem komischen Gefühl in der Magengegend, am Ausstieg.


Einstieg direkt vor der Eingangsstufe. Paddler: Robert und Stocki

So hier sind wir also! Ich begann mich umzuziehen, Robert lief derweil hoch um den Wasserstand zu checken. Schweißgebadet kam er schon kurze Zeit später zurück: Idealwasser, meinte er. Nervosität überdeckte aber die Freude über den perfekten Wasserstand. Während wir die Boote die 1,5 km lange Schotterstraße zum Klammsteig hoch schleppten, schossen uns viele Fragen durch den Kopf: „Sind wir überhaupt gut genug dafür?“ „Hoffentlich wird nichts passieren!“,„Hoffentlich streikt die Kamera nicht!“. ;-)
Am Klammsteig angekommen, sprachen wir noch einmal die Route und den Ablauf der Befahrung durch. Die ersten drei Stufen „durfte“ ich als erster fahren, bei den nächsten drei Stufen war Robert als Erster dran.


Stocki in der Anfahrt zur Eingangsstufe

Als Einstieg setzten wir den Pool direkt vor der Kante der Eingangsstufe fest. Nervös stieg ich ins Boot und ging im Kopf ein weiteres Mal die Linie durch die ganze Klamm durch. Ich stellte mir in Gedanken vor wie ich sie ungefähr fahren würde und zählte mir die gefährlichsten Stellen auf:
Okay, die Eingangsstufe ist der steckgefährlichste Abfall der gesamten Strecke und zudem nicht wirklich kontrollierbar. Wichtig ist das man sie links fährt und versucht die Spitze des Boots so weit wie möglich nach rechts zu bekommen. Links im „Tumpf“ befindet sich eine stark unterspülte Wand.


Gesamtansicht der Eingangsstufe. Paddler: Robert


Splatten macht hier keinen Spaß


Robert im Tauchgang


Die nächste Stufe wird anvisiert.

Nach der Landung im Tumpf, muss ich sofort Schwung für die nächste holen. Diese ist zwar nur einen halben Meter hoch, hat es aber in sich.
Da sich die obere Unterspülung bis zur Kante dieser Stufe zieht ist eine Kenterung nicht auszuschließen. Rollen ist aber in dem schmalen, drehenden „Tumpf“ dahinter fast nicht möglich. Darum fahre ich sie ganz rechts, mit halbwegs viel Schwung mit der Spitze über die herausragende Platte, das wird schon klappen...
Zwei Meter dahinter folgt ein echt geiler 6 m hoher Fall. Diesen paddle ich, wegen einer Unterspülung auf der linken Seite im Pool und eines sehr starken Rücklaufs, auch ganz rechts.


Die 0,5 m hohe Stufe und im Hintergrund die Kante des 6 m Falls.

Im großen Pool dahinter habe ich dann endlich Zeit für die nötige Verschnaufpause. Nach einer kurzen Rast ist wieder hohe Konzentration gefragt. Die nächste Doppelstufe ist wirklich gefährlich und erfordert eine genaue Befahrung. Ich hole wiederum viel Schwung und fahre den ersten kleineren Abfall ganz links, dabei sollte ich möglichst Acht geben die Spitze des Bootes zumindest ein bisschen in die Höhe zu bekommen, will ich mich nicht hinter den Fall einparken.


Robert bei der Erstbefahrung des 2. Teils


Stocki in derselben Stelle

Nach dem Einschlag im Tumpf geht es sich gerade noch aus das Boot nach links auszurichten, um die nächste Stufe zu meistern. Falls ich es nicht schaffe das Boot nach links auszurichten, lande ich rechts in einer Felsnische und breche mir dabei bestimmt sämtliche Knochen.


Stocki auf der optimalen Linie


Robert in der schmalen Einfahrt

Nach der Doppelstufe kann ich links in einem Kehrwasser erneut verschnaufen und mich mental auf die 8 m hohe Ausgangsrutsche vorbereiten. Diese muss ich dann einfach mittig paddeln und ich habs geschafft!!!! Ich schaute zu Robert, ein kurzes Nicken und ich paddelte los..., „ob das wohl gut gehen wird...“, schoss mir noch an der Kante durch Kopf.


Die Ausgangsstufe Rider: Stocki


Robert bei der Landung


Tja, das hab ich nun davon!! Den Abschlussfall nicht rechts anfahren!!!

Die restliche Strecke bis zum Ausstieg lohnt sich nicht. Es ist besser die Boote zum Weg hoch zu tragen und bis zum Auto zu gehen. Trotzdem noch ein Hinweis: es befindet sich ein sehr hohes, unfahrbares Wehr auf der Strecke zum Auto. Die Höhe des Wehrs beträgt um die 8m und der Tumpf ist ca. 1 m tief, also Vorsicht. Das Wehr direkt am Ausstieg ist ebenfalls nicht empfehlenswert!

RINDBACHKLAMM:
Anmerkung: Wir wollen euch die Rindbachklamm lediglich vorstellen, nicht aber empfehlen. Die Fotos von dieser Befahrung wurden aus unserem Video geschnitten und sind deswegen qualitativ nicht sehr hochwertig.
Anfahrt: Von Salzburg kommend auf der Umfahrungsstrasse Bad Ischl durch den Tunnel weiter Richtung Gmunden, vor Ebensee befindet sich die Ortschaft Rindbach (Hinweisschilder: Gasslshöhle, Rindbachwasserfall). In der Ortschaft Rindbach fährt man flussaufwärts zu einem Parkplatz (Ausstieg). Wegen eines Fahrverbots müssen von hier aus die Boote zum Einstieg hochgetragen werden.
Charakter: gefährlicher, sehr steiler Bach in einer sehr engen, kurzen Klamm.
Pegel: ist uns keiner bekannt; vor der Fahrt bis zur Klamm hochjoggen und den Wasserstand selbst einschätzen.
Gefahren: Bäume, Klemmgefahr, Verletzungsgefahr, zu hoher Wasserstand, Fehleinschätzung der Schwierigkeiten, 2 unfahrbare Wehre nach der Klamm
Schwierigkeiten: WW 5+ – 6- (!!!)

Special Thanks to:
Andreas Aigner, für das Filmen.
Armin Auer, für das Herausschneiden der Bilder.
Michael Schneebichler, für die Sicherung am Bach.

Beschreibung: Stocki, Soulbater Squad Salzburg

Bilder: © Robert Machacek

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Facts

Land Österreich
Ort Einstieg Ebensee
Ort Ausstieg
Klassifizierung Wildwasser
Kategorie Sturzbach Klamm
Schwierigkeiten
(nach Addison)
IV|3|B - VI.1|5|C