Canco - La Central

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Rio Colca - vorgestellt von Ludwig Viereck

Abschnitt: Canco bis La Central, ca. 70 KM, Befahrung Juli 2003

Arequipa, drei Uhr morgens. Der Minibus hält vor unserem Hostal „Quechua“. Bevor wir alle richtig wach sind, haben flinke Finger die Kajaks schon auf dem Dach festgezurrt. Nach fünf Stunden Fahrt bei dröhnendem Quechua-Sound fahren wir auf den Dorfplatz von Huambo. Kurze Zeit später erscheint Juan mit seinen Eseln, mit dem wir uns von Arequipa aus verabredet hatten. Das Dorf liegt auf ca. 3260 Metern Höhe am Rande des „Canyon de Colca“, der tiefsten Schlucht der Welt. Laut Reiseführer ist die Schlucht noch gewaltiger als der Grand Canyon. Der Colca liegt in einer geologisch stark aktiven Zone. Erdbeben kommen regelmäßig vor. Vor drei Jahren ereignete sich in der Region Arequipa ein starkes Beben dessen Folgen noch heute an vielen Gebäuden sichtbar sind. Am Rande des Flusses ziehen sich Geröllhalden den Hang hinauf, bis die Wacker aussehen wie Kieselsteine. Diese sind Ursprung eines typischen Risikos - Einmal wurden wir auf dem Fluss von einem Steinschlag überrascht, glücklicherweise ohne Folgen. Bei der Wahl des Übernachtungslagers ist aus diesem Grund auf Plätze im „Steinschatten“ zu achten.


Auf dem Weg nach Canco.

Doch sieht man von diesem Punkt ab, ist eine Befahrung des Colca ein faire Angelegenheit. Bis zum Schließen der Spritzdecken sind noch 1800 Höhenmeter Abstieg durch eine sehr unwirtliche, aber genau deswegen grandiose Naturlandschaft zu bewältigen. Dem Flusslauf eines kleinen Baches folgend, führt der Weg durch eine Steinwüste. Mit abnehmender Höhe steigen die Temperaturen Ohne gut gefüllten Trinkbeutel wird der Weg zur Qual. Bepackt mit Kajaks und Ausrüstung balancieren die Esel die 7 Stunden nach Canco. Beeindruckend ist die Trittsicherheit der Esel. Einzig die Überquerung einer kleinen Hängebrücke bringt eines der Tiere aus der Ruhe. Es entscheidet sich dazu die Bücke zu meiden und durch das steile Bachbett zu steigen. Juan ist durch die Aktion etwas angespannt, ebenso Zac der den Esel samt seinem Kajak schon abstürzen sieht.


Die Oase Canco

Der Moment wenn man über einen kleinen Bergrücken steigt und zum ersten mal das Dorf Canco vor sich sieht, ist atemberaubend. Nach 7 Stunden durch die Steinwüste erblickt man zum ersten Mal den Fluss. In einer Schleife schmiegt sich das Dorf zwischen den Fluss und die Felswände, saftiges Grün leuchtet in der Sonne!. Kurze Zeit später stehen wir endlich am Bach. Nach dem Entpacken der Esel verabschieden wir uns von Juan.


First Contact mit dem Colca.

Wir übernachten am Rande des kleinen indigenen Dorfes direkt am Colca. Am nächsten Tag wandern wir noch einen Kilometer flussaufwärts und besichtigen den Durchbruch oberhalb Cancos. Die Mühe wird allerdings nicht durch eine Befahrung belohnt. Anschließend beginnt die Fahrt auf dem Colca. bei mickrigen 5 m3/s. Ab dem Zufluss des Rio Mamachocha ist die Wassermenge aber ausreichend. Das Handling des Kajaks mit der Zuladung für drei Tage zuzüglich Reserven ist zu Beginn ungewohnt.


Steve im Flow

Parallel zur Wassermenge steigt die Stimmung. Faire Katarakte bis IV wechseln sich ab mit ruhigeren Phasen in denen man diese „pastorale“ Landschaft genießen kann.


Cruisen ohne Ende. Genuß vom Feinsten

Durch die geologische Instabilität der Region hat sich der Fluss in weiten Teilen stark verändert. Dies überrascht insbesondere Steve der den Colca von einer Befahrung vor zwei Jahren kennt. Bei der Rast an der „Douch del Condor“ besucht uns ein Kondor, der 20 Meter über unseren Köpfen kreist. Ausgewachsen erreichen die Tiere eine Spannweite von drei Metern. Nach insgesamt 5 Stunden Fahrt durch unzählige Katarakte im Schwierigkeitsgrad bis WW IV erreichen wir Camp I.


Auch in den Switch bekommt man das Gepäck für 4 Tage.

Der Platz liegt an einer Schwefelquelle. Oberhalb des Camps befindet sich ein großer Fels. Direkt darunter liegt eine Sandbank mit ausreichend Brennholz für ein gepflegtes Lagerfeuer.


Camp 1: Endlich ist alles verpackt.

Nach einem ausgiebigen Frühstück warten an diesem Tag der Chocolate Canyon und Reparaz auf uns. Hier ist ein Umtragen und Besichtigen in weiten Strecken nicht möglich.


Regenbogen?

Die Schwierigkeiten liegen bei maximal IV-V. Gewaltig sind Wände an den Ufern. Die unterschiedlichen Gesteinsschichten sind stark aufgefaltet. Die Szenerie erinnert an in Stein gegossene Regenbögen.


Chocolate Canyon

An einer Stelle umtragen wir eine stark unterspülte Platte. Anschließend geht die Fahrt durch den Chocolate Canyon. Hier hat sich das Wasser seinen Weg durch den braunen Fels gebahnt. Besonders bei der Einfahrt in den Reaparaz Canyon bin ich über das eingespielte Team froh. Die Schwierigkeiten sind vergleichbar mit der unteren Venter bei guter Wasserführung. Wir scouten abwechselnd von Kehrwasser zu Kehrwasser. Hier zu schwimmen hätte fatale Folgen. Nach diesem Abschnitt bleibt wieder genügend Aufmerksamkeit für die Umgebung.


Reparaz: Was kommt wohl da unten?

Eine riesige Flussbiegung erlaubt es uns in sicherer Entfernung der Hänge unser Camp zwei aufzuschlagen. Wir verbringen, abgesehen von den Stechmücken, einen sehr entspannten Nachmittag mit ausgiebigem Kochen und Holz sammeln.


Camp II am frühen Morgen

Am letzten Tag wartet der Green Canyon auf uns, dessen Namen von grünschimmernden Felswänden herrührt, zwischen denen sich der Fluss sein Bett gegraben hat.


Portage im Green Canyon

Diesen mit Siphons gespickten Abschnitt umklettern wir auf der rechten Flussseite. Ein hoher Wasserstand wäre an dieser Stelle sehr unangenehm. Nach der Passage durch den „Poles Canyon“ weitet sich das Tal. Die Farbe der Felsen hat sich auf den letzen Kilometern in schwarz verändert.


Zeit zum Entspannen

Immer mehr Vegetation wächst an den Ufern. Die Augen sind dankbar für die Entspannung nach drei Tagen Steinwüste. Vor uns springt ein ca. ¾ Meter langes undefinierbares Tier in den Fluss und verschwindet unter der Wasseroberfläche. Eine halbe Stunde später sind die ersten Häuser auf der rechten Seite zu erkennen. Auf Grund des sich weitenden Flussbettes entscheiden wir uns hier auszusteigen.


Team Camel: vlnr. Steve Brooks (UK), Ben Randall (USA), Ludwig Viereck (GER) und Zac Shaw (NZL)

Das zweite Auto, das nach ca. 1 Stunde warten erscheint, hält glücklicherweise an. Unser ursprünglicher Plan war bis nach La Central zu fahren und dort den Bus nach Arequipa zu nehmen. Unser „Taxifahrer“ Carlos lässt sich für einen guten Preis zu einem Ausflug nach Arequipa überreden.


Highway to Arequipa

Nachdem Carlos bei seiner Familie Bescheid gegeben hat und wir gemeinsam eine ordentliche Portion „Pollo con Aroz“ verspeist haben geht die Fahrt los. Glücklicherweise funktioniert das Radio und wir können das „Quechua-Tape“ ausschalten. Sechs Stunden später sind wir bereits bei einem erfrischendem „Ariquipena“ mitten im Nachtleben von Arequipa.

 

Basisinfos Rio Colca

Land: Peru
Fahrtstrecke: 70 Km
Dauer: 4-5 Tage inkl. An- und Abreise von Arequipa
Einsatz: Canco
Ausstieg: La Central
Schwierigkeiten: 4 (5)
Besonderheiten: Sehr ausgesetzt, Steinschlag, bei zu hohem Wasserstand wird es in den Canyons gefährlich.

Text und Bilder: Ludwig Viereck

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Rindbachklamm

Facts

Land Peru
Ort Einstieg Arequipa
Ort Ausstieg
Klassifizierung Wildwasser
Kategorie Wuchtwasser Offener Wildbach Klamm
Schwierigkeiten
(nach Addison)
IV|3|D - IV+|3|D