Obere Severaisse

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Une perle d'eau vive - Die obere Severaisse

Die Severaisse entspringt aus den vergletscherten Massiven der Barre des Ecrins in den Hautes Alpes und mündet nach einem wechselhaften Lauf in den Drac. Ab le Bourg ist sie ein netter Bach mit mittleren Schwierigkeiten, auf dem auch geraftet wird. Der Oberlauf ab le Clot bietet hingegen auf drei Kilometern einen echten Wildwasser-Kracher. Mit hohem Gefälle rauscht die Severaisse durch eine Schlucht, die zu den schwierigsten Gewässern der Region zählt. Dies alles geschieht in einer relativ unberührten hochalpinen Landschaft. Einsetzen kann man bereits auf einem der beiden Quellbäche. Nach dem Zusammenfluß steigern sich die Schwierigkeiten allmählich. Ein wenig ähnelt der erste Kilometer dem Pitzbach. Das meiste läßt sich noch auf Sicht fahren. Irgendwann taucht ein kleiner Steg auf. Dahinter beginnt die "Steile Meile" der Severaisse. Das Geschiebe eines Seitenbaches bildet einen Katarakt mit ca. 160°/oo Gefälle. Schon die ersten 100 Meter zeigen, wo es langgeht. Wer hier kneift, sollte lieber gleich aufhören und sein Boot zur Straße hochtragen. Aber auch wer weiterfährt, muß, je nach Geschiebelage, eine oder zwei klemmgefährliche Stellen umheben. Direkt im Anschluß an diesen Katarakt fällt die Severaisse über mehrere Rutschen und Stufen hinab. Diese Passage erfordert präzise Routenwahl, denn Absichern fällt hier schwer und Kehrwasser sind knapp. Danach beruhigt sich der Bach für kurze Zeit, bevor er hinter der nächsten Ecke erneut seine Zähne zeigt: Zwei schwierige Stellen, eine Stufenkombination und eine S-Kurve, liegen direkt hintereinander gestaffelt. Gröbere Schnitzer kann man sich hier nicht erlauben. Ein Schwimmer hätte äußerst unangenehme Folgen. In einem Kehrwasser kann der gestreßte Paddler ausruhen, bevor er einige Meter flußab schon wieder das Boot verlassen sollte. Die nächste Stufe ist verdammt rückläufig und zieht unter einen großen Felsblock. Nach dem Umtragen dieser zweifelhaften Stelle geht es genußvoll weiter. Herausragend ist ein Zweimeter-Fall mit breitem Tumpf. Ansonsten lassen die Schwierigkeiten langsam nach und die meisten Passagen lassen sich wieder auf Sicht fahren. Die Schlucht wird offener und auf lustigen Schwällen klingt diese Etappe aus. An der Brücke von le Bourg kann man aussetzen oder auch noch einige Kilometer auf recht harmlosem Wildwasser weiterpaddeln.

Letztendlich bietet die Severaisse für jeden etwas. Wildwassertechnisch gesehen ist aber sicherlich der Oberlauf am interessantesten, wenn auch nicht unbedingt nach jedermanns Geschmack.

Kurzbeschreibung

Fahrtstrecke: le Clot - le Bourg, 3 km, mindestens 3 Stunden.
Pegel: ca. 8 cbm/sec am Einsatz.
Charakter: Gletscherbach mit sauberem Wasser, der zunächst durch ein alpines Hochtal fließt. Anschließend gräbt er sich über eine Steilzone in eine Waldschlucht ein. Das Umtragen und Verlassen der Schlucht ist, wenngleich mühsam, jederzeit möglich. Im Allgemeinen hohes Gefälle, Wasserwucht, große Blöcke.
Gefälle: Durchnittlich 80 °/oo, streckenweise bis 160°/oo.
Schwierigkeiten: Anfangs WW 4, dann durchgehend WW 5 mit mehreren Stellen WW 5-6, mindestens eine Stelle X, später wieder abnehmend WW 4, schwerer als Durance ab la Vachette, ähnelt den Veneon-Schluchten.
Tip: Wenn der Oberlauf zu schwer erscheint, lohnt die Strecke ab le Bourg [WW 3 (4)]. Interessant wäre eventuell eine Befahrung der Navette, eines linken Zuflusses der Severaisse bei la Chapelle. Fahrtstrecke: Parkplatz am Straßenende - Pont des Oules, 2 km, um WW 4, Aussatz nicht verpassen!.

Warnung: Banditrun! Der Oberlauf der Severaisse bis le Bourg ist ganzjährig gesperrt. Am Einsatz sollte man sich vergewissern, dass kein Ranger in der Nähe ist und anschließend schnell ins Wasser kommen.

Nils Kagel

Vorige Beschreibung

Übungskanal Isle de la Serre

Nächste Beschreibung

Koritnica, Unterhalb Festung bis Socamündung

Facts

Land Frankreich
Ort Einstieg le Bourg
Ort Ausstieg
Klassifizierung Wildwasser
Kategorie Sturzbach
Schwierigkeiten
(nach Addison)
IV|3|B - V+|4|B