Mündung bis Quelle

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River Shiel – der Fluß der sich nicht entscheiden kann (Schottland, North West Highlands)

Genauso ungewöhnlich wie der Shiel ist, beschreibt dieser Guide den Fluss einmal verkehrt herum, von der Mündung bis zur Quelle: Wer auf der A87 von Loch Alsh Richtung Westen, in das Great Glenn unterwegs ist, wird zunächst einmal um einen Stop bei Eilean Donan Castle nicht vorbeikommen. Filme wie Highlander oder Brave Heart nutzten die Wasserburg als Kulisse. Ab hier knickt die Straße ein wenig nach Südwesten und geht, noch immer auf Meeresniveau, entlang des Ufers von Loch Duich.


Am Ende von Loch Duich befindet sich die Mündung des River Shiel. Die A87 führt über die Shiel Bridge und ein großes Tal mit hohen Seitenflanken öffnet sich gleich danach. Es nennt sich wie der Fluß, nämlich Glenn Shiel. Der Shiel sollte übrigens möglichst nicht verwechselt werden mit dem gleichnamigen Loch Shiel 35 Meilen weiter südlich.


Glenn Shiel mit Blick nach Westen: links in den abgezäunten Baumreihen versteckt, die Meander des Shiel, rechts umrahmt von den Munros „The Saddle“ mit 3319 Fuß und links den „Five Sisters“ mit dem 3505 Fuß hohen „Sgurr Fhuaran“. Also optimale Möglichkeiten für einen wasserreichen Festlandsfluss (sollte man zumindest meinen).


Seitenbäche stürzen in Wasserfällen von den „Five Sisters“ hinab ins Tal


Aus irgendeinem Grund, und das können nicht nur Vieh-Verluste durch den Verkehr sein, ist der Fluss beidseitig eingezäunt. Dies ermöglichte es den Bäumen am Flussrand dem Schafsverbiss zu entkommen. Gut für die Bäume, schlecht für den Paddler, denn einsehbar ist der Fluss dadurch so gut wie gar nicht und außerdem besteht die Gefahr von Treibholzverkeilung.


Geben die Bäume einmal den Blick frei, so entpuppt sich der Fluß im Unterlauf als viel zu breit für normale Wasserstände. Die Aufnahmen entstanden zwar an einem Tag ohne Regen, Jedoch war in den letzten Tagen genug Regen auf die Munros niedergegangen. Hier zeigt sich das Dilemma des Shiel: Der untere Teil ist durch breite Kiesbette so flach, dass eine Befahrung wohl zwangsläufig mit häufigerem Aufsetzen oder Umtragen verbunden ist.

Trotzdem sah ich hier eine Paddlergruppe mit 4 kurzen, großvolumigen WW-Booten auf dem Dach beim scouten. Vielleicht ist es ja doch lohnend?


Kurze Einblicke: Shiel unterhalb der „Five Sisters“ linke Seite.


Wesentlich lohnender erscheint der Shiel mit einem Einbootpunkt kurz vor Beginn des Passes. Da er hier in ein schmales Bett gezwängt ist und zumindest am Anfang durch große Felsen verblockt ist. Im Hintergrund erkennt man aber, was passiert, sobald das Bett wieder zu breit wird.


Oben und Unten: Verblockung und Stufen bis WW IV






Dann zeigt der Fluß, wie wenn er sich nicht für ein Bett entscheiden könnte, am Passbeginn nach Loch Cluanie wieder sein altes Malheur: Er verteilt sein Wasser so in die Breite, dass diese Stelle eine Umtragestelle wäre. „Wäre“ sage ich im Hinblick darauf, dass sich direkt oberhalb dieser Stelle ein steiler Katarakt befindet, den wohl nur die wenigsten Paddler technisch bezwingen könnten.


Blick auf die Flachstelle und den darüberliegenden Katarakt.


Die einzelnen Drops und Pools erinnern sehr entfernt an den Dry Meadow Creek. Leider sind sie äußerst unrein, dh. mit Grobsteinen unterhalb der Drops gespickt, was die Landungen schmerzhaft und das ganze wahrscheinlich unfahrbar macht.

Im folgenden vier Großaufnahmen des Kataraktes:

















Zu guter letzt die Ankunft auf der Passhöhe, hier in der Nähe befindet sich die Quelle des Shiel. Und weiter nach Westen beginnt Loch Cluanie und der River Moriston. Alles in allem bietet der Shiel theoretisch Wildwasser für jeden, vom Anfänger bis hin zum Profi. Nur wechselt er viel zu oft seinen Charakter und zwingt zum Umtragen. Er wird vermutlich im WW II-Bereich wegen Wassermangels noch öfter unfahrbar sein, als er es im WW V- bis VI-Bereich aufgrund des Schwierigkeitsgrades ist.

 



Fotos im August 2011: Uwe

geschrieben am 16.10.2011 von Uwe

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Facts

Land Großbritannien
Ort Einstieg Inverness
Ort Ausstieg
Klassifizierung Wildwasser
Kategorie Sturzbach Offener Wildbach
Schwierigkeiten
(nach Addison)
I|1|A - VI.1|5|B