Sjoa Komplett

Autor: Jan-Peter
0 / 0

Sjoa
Wildwasser für alle Geschmäcker

Die Sjoa ist der wohl bekannteste Wildfluss Norwegens. Auf 42 Kilometern wird überwiegend Wuchtwasser fast aller Schwierigkeitsgrade geboten. Stufen und verblockte Abschnitte sind nur vereinzelt anzutreffen. Die Sjoa ist den ganzen Sommer über befahrbar. Allerdings macht sich ihr Gletschercharakter kaum bemerkbar, da sie im Oberlauf durch mehrere Seen fließt. Wie bei vielen norwegischen Wildflüssen können die Schwierigkeiten, je nach Wasserstand, sehr stark schwanken. Ein guter Anhaltspunkt ist die Stufe unter der letzten Straßenbrücke vor der Mündung in den Lågen. Bei viel Wasser steht hier nur eine Welle, bei weniger entwickelt sich hingegen eine Walze mit beachtlichem Rücklauf.

Entlang der Sjoa finden sich eine Reihe von wilden und halbwilden Zeltplätzen. Auch einige offizielle Campingplätze sind vorhanden. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann sich bei einer der ansässigen Raftcompanies nach Übernachtungsmöglichkeiten erkundigen. In Supermärkten, z.B. in Bjölstad, kann sich mit Lebensmitteln eingedeckt werden.

Die oberste Einsatzstelle befindet sich unterhalb des Ridderspranget, wo sich die Sjoa zwischen nur drei Meter auseinanderstehenden Felswänden hindurchpresst. Sein Namen erhielt diese Engstelle der Legende nach von einem Ritter, der hier mit seiner Liebsten über den Fluss sprang und so seinen Häschern entkam. Von einer Nachahmung dieses historischen Husarenstücks muss allerdings dringend abgeraten werden, da bereits einige Versuche gescheitert sind.

Über eine schräge Felsplatte lässt sich bequem einrutschen. In der kurzen Niedrigklamm auf den ersten 300 Metern bekommt man das erste Mal ein Gefühl für den beachtlichen Wasserdruck, den die Sjoa entwickelt. Es folgt ein kurzes offenes Stück, das an einer Norwegentypischen Abrisskante endet. Die drei Meter hohe Stufe kann links oder rechts gefahren werden, wobei die linke Variante ein Tick anspruchsvoller ist.

Es dauert wiederum nur wenige Meter mittelschweren Wildwassers, bis man sein Boot verlassen und den folgenden Wasserfall am linken Ufer umtragen sollte. Über einen steilen Hang gelangt man wieder zum Fluss. Nach dem Einsetzen geht es gleich ein wenig sportlicher zur Sache. Es beginnt eine Schlucht mit einer längeren Stromschnelle am Anfang, dann lassen die Schwierigkeiten bis zur folgenden Straßenbrücke nach.

Hinter der Straßenbrücke liegt am linken Ufer ein halbwilder Zeltplatz mit Plumpsklo. Von hier aus können auch die kurz unterhalb gelegenen Brurusten-Fälle besichtigt werden. Hierbei handelt es sich um einen Katarakt, an dessen Ende sich eine Engstelle mit gefährlicher Unterspülung und eine markante Stufe, deren Rücklauf dem Brunnauer Wehr auf der Ötz alle Ehre macht, befinden. Das Umtragen am rechten Ufer ist jedoch kein Problem.

Hat man die Brurusten-Fälle hinter sich gebracht, erhält man auf den nächsten Kilometer die Gelegenheit, sich zu erholen. Irgendwann erscheint links eine markante Felswand und erneut heißt es rechts aussteigen und den Nedere Tråsåfoss besichtigen: Mit viel Gefälle verengt sich der Fluss trichterförmig, um gleich darauf über eine etwa vier Meter hohe, flussbreite Stufe zu fallen. Die Stufe lässt sich entweder ganz links oder rechts befahren. Der Rücklauf in der Mitte sieht eher ungemütlich aus.

Am Nedere Tråsåfoss befindet sich ein weitere mögliche Einsatzstelle. Es folgen zunächst keine größeren Schwierigkeiten. Langsam beginnt sich die Sjoa in eine Schlucht einzugraben. Die dunklen Granitwände rücken zusehends näher. Die Schwälle werden wuchtiger und gipfeln in einer Stromschnelle mit zwei gigantischen Löchern in der linken Flusshälfte. Bei einer vorherigen Besichtigung geht das Ganze jedoch nicht über WW IV hinaus. Allerdings sollte bedacht werden, dass das Umtragen dieser und anderer Passagen schwierig ist und sich die Straße nur nach einer anspruchsvollen Kletterpartie erreichen lässt.

Auch der Rest der Schlucht bietet schönes Wildwasser mit beeindruckenden Prallwänden. Irgendwann wird die Landschaft offener und bald ist die Straßenbrücke bei Bjölstad erreicht. Hier lässt sich bequem aussetzen oder noch ein wenig auf der unter der Brücke liegenden Welle spielen. Gleichzeitig befindet sich hier ein guter Startpunkt für die Standardstrecke, die sich hervorragend zum Einfahren eignet.

Zahlreiche Schwälle und kleinere Spielstellen prägen den Charakter des folgenden Abschnitts. Manchmal teilt sich die Sjoa in mehrere Arme. Links und rechts des Flusses liegen kleinere Ortschaften. Ab und zu quert eine Brücke den Fluss. Oberhalb von Faukstad befindet sich eine kurze Schlucht, die jedoch nur bei höheren Wasserständen wirklich schwierig ist. Gleiches gilt für eine nach der nächsten Brücke folgende kleine Stufe.

Etwa vier Kilometer später beginnt eine weitere Schluchtstrecke. Bis zur Slalomstrecke steigern sich die Schwierigkeiten allmählich. Gefälle und Verblockung nehmen zu. Mitten in der Schlucht liegt das Trainingszentrum der norwegischen Slalomfahrer, das jedoch die meiste Zeit des Jahres verwaist ist. In den Gebäuden hat sich stattdessen eine Raftcompany niedergelassen.

Es folgt die Durchbruchsstrecke zum Lågen. In den Åmotsfallene presst sich die Sjoa durch eine Niedrigklamm mit senkrechten Wänden. An diesen Abschnitt sollten sich nur Paddler versuchen, die gut im Boot sitzen und auch unter erschwerten Bedingungen Rollen können. Insbesondere bei höheren Wasserständen kann ein Schwimmer zu einer lebensgefährlichen Angelegenheit werden.

Die Schwierigkeiten beginnen mit einer S-Kurve, an deren Ende sich eine gefährliche Unterspülung befindet. Es folgt eine lange Gerade bis zur Straßenbrücke nach Kvam. Darunter befindet sich die bereits eingangs erwähnte Stufe. Nur hundert Meter danach beginnt die Kernstelle des Durchbruchs. Mehrere dicht aufeinanderfolgende Stufen mit mächtigen Walzen erfordern eine genaue Routenwahl. Andernfalls erlebt man schnell einen Vollwaschgang, den man so schnell nicht vergisst. Kurz darauf ist auch schon die Mündung erreicht. Auf dem wasserreichen Lågen fährt man am besten noch etwa zwei Kilometer flußab und setzt dann am rechten Ufer aus.

Kurzbeschreibung

1. Abschnitt

Einsatz: Ridderspranget
Aussatz: Nedere Tråsåfoss
Charakter: kurze Schlucht im ersten Drittel, ansonsten offen, unterbrochen von einzelnen Stufen und Katarakte
Schwierigkeiten: WW III 2/A (IV 3/A, X, IV 2/A, V 5/A, V 5/A)
Besonderheiten: Rückläufe, Unterspülung in den Brurusten-Fällen

2. Abschnitt (Große Schlucht)

Einsatz: Nedere Tråsåfoss
Aussatz: Straßenbrücke Bjölstad
Charakter: anfangs offen, anschließend unzugängliche Schlucht mit wuchtigen Stromschnellen
Schwierigkeiten: WW III 2/B (IV 4/B)
Besonderheiten: schwimmen bei höheren Wasserständen gefährlich

3. Abschnitt

Einsatz: Straßenbrücke Bjölstad
Aussatz: Straßenbrücke Faukstad
Charakter: offenes Flussbett, zahlreiche Schwälle und Spielstellen, kurze Schlucht vor Faukstad
Schwierigkeiten: WW II 2/A (III-IV 3/A)
Besonderheiten: gut zum Einfahren geeignet

4. Abschnitt

Einsatz: Straßenbrücke Faukstad
Aussatz: Slalomstrecke
Charakter: anfangs offen, dann Schlucht mit wuchtigen Walzen und Presswassern
Schwierigkeiten: WW II 2/A zunehmend auf WW IV (3/A)
Besonderheiten: nicht für Anfänger geeignet, wird in der Regel zusammen mit dem Durchbruch befahren

5. Abschnitt (Åmotsfallene)

Einsatz: Slalomstrecke
Aussatz: auf dem Lågen, etwa 2 Kilometer hinter der Mündung am rechten Ufer
Charakter: Niedrigklamm mit mehreren sehr wuchtigen Stufen
Schwierigkeiten: WW IV 4/A (V 4/A)
Besonderheiten: gefährliche Unterspülung am Eingang; wer schwimmt, taucht tief und lange

Onlinepegel Faukstad unter www.glb.no, gilt für alle Abschnitte, MW: 351,50.


Beschreibung: Nils Kagel
Bilder: J-P

Vorige Beschreibung

Wasserfallstrecke

Nächste Beschreibung

Playspot in Obervellach

Facts

Land Norwegen
Bundesland Oppland
Ort Einstieg Otta
Ort Ausstieg Otta
Klassifizierung Wildwasser
Kategorie Wuchtwasser
Schwierigkeiten
(nach Addison)
II|2|A - V|4|C