2. Klamm, Ende 1. Socaklamm - Ende 2. Klamm

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Soca, 2. Klamm

Es gibt nur wenige Geschichten um die 2. Socaklamm. Allgemein gilt sie als unfahrbar und das ist auch gut so. Wenn dieser Bericht, und auch Erzählungen von Paddlern die dort schon stellenweise gefahren sind, auch zeigen dass es unter gewissen Umständen möglich ist teilweise zu fahren, reicht normalerweise schon ein Blick vom oberen Plateau aus runter in die Klamm um einen davon zu überzeugen erst am KlammENDE einzusetzen. Es gibt 2 riesige Siphone an denen kein Weg vorbeiführt. Absolut unfahrbar, wie leider auch schon einige schwere Unfälle bewiesen haben...!!!

Eine kleine Kl(a/e)mmgeschichte!


Die Truppe beim Scouten der 2.Socaklamm

Es war mal wieder einer dieser Morgen an der Soca. Kopfschmerzen vom Vorabend, und von Motivation zum Paddeln konnte nicht die Rede sein. Den ganzen Vormittag verbrachten wir mehr oder weniger vor meiner Espressomaschine um wieder auf die Beine zu kommen. Zum Mittag zeigte dann der Kaffee schon langsam seine Wirkung und die Lust auf das Wasser stieg. Wir einigten uns auf die 3.Klamm, und machten uns auf den Weg. Während der Fahrt beschlossen wir, uns mal den Oberlauf der anzusehen, da diesen keiner von uns kannte.
Kurz darauf erreichten wir die Hängebrücke über der 2. Klamm. Während ich mit einer Bustruppe Rentner bei der Brücke blieb und die Einfahrt aus der Ferne begutachtete, ging der Rest zum Scouten. Mir war klar daß die Gefahr eines Klemmers bei der Einfahrt sehr hoch ist, beschloß nicht zu fahren und setzte mich in den Schatten und beobachtete genüßlich bei einer Zigarette die Rentnerschar auf der Brücke.
Kurz darauf kamen die Jungs wieder, mit dem Fazit die Klamm ist soweit sie sie gesehen haben absolut fahrbar. Natürlich ohne die enge Einfahrt und die Siphone. Nach kurzer Diskussion ob das nun die unfahrbare Schlucht ist oder nicht, beschlossen wir uns in die Klamm abzuseilen, um so die Einfahrt zu "umgehen". Nur Neal schaute sich nochmals die Einfahrt an, und meinte bei dem geringen Wasserdruck sei das gar kein Problem. Nochmals eine kurze Diskussion über einen möglichen Klemmer, wobei es 5:1 für den Klemmer ausging. Wir fingen also an, uns und das Material mit einem Wurfsack abzuseilen.


Mirek und Markus bei der Abseilaktion in die 2. Klamm.

Währenddessen machte sich Neal auf den Weg um oberhalb der Klamm einzusetzten, da er die Einfahrt unbedingt fahren wollte. Die Hälfte von uns hat das gar nicht mitgekommen. Es hieß nur Neal fährt die Einfahrt, und er weiß schon was er tut. Ich suchte noch schnell eine gute Position zum Fotografieren, und schon sah ich den Helm vor der Einfahrt auftauchen. Er fuhr mit langem Hals ins letzte Kehrwasser vor der Einfahrt. Es dauerte eine Zeit bis er in meinem Blickfeld war, und nicht eine Sekunde später klemmte er an einer überstehenden Felsnase fest. In den ersten Sekunden konnten wir uns vor Lachen nicht halten, bis uns klar wurde daß er wirklich festsitzt und sich nicht mehr befreien konnte.


Neal Pike beim "rudern" in der 2.ten Klamm!

Wurfsäcke schnappen und auf zur Unglücksstelle. Wurfsäcke.............???? Wir hatten alle einen dabei, nur wurde meiner gerade zum Abseilen mißbraucht, und die anderen waren 20m weiter in der Klamm bei den Booten.
Kein drankommen. So wurde schnell meiner abgebaut, und die paar Meter Flußauf. Nun wurde das ganze Geschehen für mich sichtbar. Er saß fest. Das Wasser drückte von hinten gegen seinen Körper und die Spritzdecke. Während ich den Wurfsack fertig machte, zog Neal sein Cowtail über die Schulter, und hängte es über die vordere Schlaufe ein. So konnte er sich wenigstens seine Kräfte etwas sparen.
Dann flog schon der Wurfsack, den er in der vorderen Schlaufe einhing. Bei der Aktion verlor er auch noch sein Paddel. Und ohne Paddel wollte er nicht befreit werden. Also noch mal schnell durch die Dornensträucher laufen, und ein neues Paddel holen. Wir machten das Paddel mittels Karabiner am Seil fest, und ließen es runterrutschen. Es lebe die große Karabineröffnung! Wir hätten noch einen Karabiner dazuhängen sollen, denn er hatte Probleme das Paddel vom Seil auszuklinken. Ein leichter Zug am Wurfsack und er war frei, dann noch die Rolle und ..............geschafft!!!!!!!!!!!


Neal und Christoph ein Kehrwasser später


Die Freude über die gelungene Befreiung ist unserem Engländer anzusehen.

Nach kurzer Pause ging es weiter, das Material und uns abzuseilen. Wir quetschten uns alle in die Boote und die Fahrt ging los. Die ersten 200m sind sehr ruhig, Presswasser und Eddylines. Dann folgt ein kleine Doppelstufe, wo die erste nur ganz rechts knapp neben einen Baum und der zweite Abfall mittig links zu fahren ist (waren bei absoluten NW unterwegs!).

Kurz darauf versperrte uns ein riesiger Felsbrocken die Weiterfahrt. In ein kleines Kehrwasser rechts, und erstmal scouten.


2 Siphone: Mirek steht auf dem ganz großen, dahinter weitere Siphone...

Wie sich herausstellte, standen wir vor einem riesigen Siphon. Auch die Strecke danach sah unfahrbar aus. Wir befanden uns also in der unfahrbaren 2. Klamm. An eine Weiterfahrt war nicht zu denken. Wir kletterten also die leichte Böschung hinauf zur Straße und zogen die Kajaks hinterher.

Kurzerhand fuhren wir vor die 3. Klamm (unser eigentliches Ziel), setzten ein, und fuhren bis zum Campingplatz durch.

Es ist trotz mangelnder Erkundung, wahrscheinlich aus Faulheit, alles gutgegangen. Es hätte auch in die Hose gehen können. Nicht zuletzt, weil in der Klamm praktisch nicht effektiv gesichert werden kann. Wenn Neal auch behauptet, er hätte bei dem geringen Druck locker aussteigen können, war er doch um unsere Hilfe froh. Ich wünsche ihm für seinen 14. Klemmer viel Glück!!!

Matthias "Hiasi" Rittmann
© alle Bilder by Hiasi

weitere Fakten zur 2. Klamm:
Sehr eindrucksvolle Klamm, landschaftlich ein Genuß die vom Plateau und der Hängebrücke aus gut besichtigt werden kann (Wanderschuhe!!, Vorsicht Schlangen!!). Aber 2 große und tödliche Siphone die die gesamte Klammbreite "abdichten", einige kleinere, unterspülte Wände, Presswasser. Das Wasser dürfte je nach Wasserstand stellenweise bis zu 20m tief sein. Es kann nicht effektiv gesichert werden! Wir von Soulboater.com wollen Euch dort keinesfalls fahren sehen und haben diesen Artikel bewußt zur Abschreckung und Aufklärung veröffentlicht!!!

Vorige Beschreibung

Unterhalb der Steilzone - Mündung Soca

Nächste Beschreibung

Abseilstrecke

Facts

Land Slowenien
Ort Einstieg Bovec
Ort Ausstieg
Klassifizierung Wildwasser
Kategorie Klamm
Niederwasser 70
Mittelwasser 90
Hochwasser 120
Schwierigkeiten
(nach Addison)
V|4|C - VI-|4|D