Große Schlucht, Trnovo ob Soci

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Soca - Große Schlucht (WW IV-V C)

Von der großen Schlucht hört eigentlich jeder Paddler, bevor er sie zu Gesicht bekommt. Die Geschichten erzählen von Heldentaten, Tragödien, unfahrbaren Stellen und unzähligen Siphonen. Um die beiden meistgestellten Fragen gleich vorweg zu beantworten: Ja, die Große Schlucht ist gefährlich, und ja, es sollten sich nur wirklich sattelfeste Paddler mit hundertprozentiger Rollsicherheit daran versuchen.


Nils bei etwas mehr Wasser im Anfangsteil

Der Grund für die Gefährlichkeit der Schlucht liegt in der Flussmorphologie begründet. Ein gewaltiger vorzeitlicher Bergsturz vom Polovnik-Kamm hat auf zwei Kilometer das Flussbett der Soca mit Felsen jeglicher Form und Größe aufgefüllt. Die lose übereinander liegenden Blöcke bildeten zahlreiche Zwischenräume, in denen sich vorzugsweise Bäume, herrenlose Boote und manchmal auch Paddler verfangen. Bisweilen verschwindet der halbe Fluß unter den Steinen.

Beginnen sollte man die Befahrung der Großen Schlucht an der Hängebrücke von Trnovo, am Ende der Friedhofsstrecke. Der große Felsblock in der Einfahrt zur Slalomstrecke, unmittelbar unter der Brücke gibt einen guten Hinweis auf den besten Wasserstand für die Schlucht. Ist er komplett überspült oder gar überfahrbar, ist er optimal. Wie bei allen Großblockstrecken (z.B. Loferschlucht/Saalach, Kummerbrückenstrecke/Enns) sind die Schwierigkeiten sehr wasserstandsabhängig. Zu wenig Wasser dämpft den Spaß erheblich, weil dann einige klemmgefährliche oder unfahrbare Stellen entstehen. Bei Hochwasser verschwinden die ruhigen Stücke zwischen den schweren Passagen und die Schlucht wird insgesamt sehr wuchtig.

Die Slalomstrecke eignet sich wunderbar zum Einfahren. An den Überresten einer italienischen Kriegsbehelfsbrücke, der sogenannten "gesprengten Brücke", beginnt dann die eigentliche Große Schlucht. Gleich zu Beginn reihen sich einige kleinere Stufen, die von einigen umso größeren Siphonen flankiert werden, aneinander. Die einzig mögliche Route auf der linken Flussseite führt jedoch um die fiesesten Schlucker herum. Auf den nächsten 500 Metern geht es durch einen Garten aus riesigen Felsblöcken. Alle Stufen lassen sich zur Not noch mit langem Hals fahren, da sich in der Regel ein Kehrwasser oder ein relativ ruhiges Stück anschließt. Am Ende dieses ersten Abschnittes befindet sich ein rückläufiger Absatz, der nicht unterschätzt werden sollte. Der ausgedehnte Gumpen danach läßt jedoch ausnahmsweise auch mal einen Schwimmer zu.


Klaus in der Kernstrecke

Ganz anders ist das auf der Folgestrecke. Als Einstimmung grüßen mehrere Marterl vom rechten Ufer. Unter einer verfallenen Hängebrücke hindurch geht es in eine mittelschwere Felsgasse hinein. Kurz beruhigt sich der Fluß, dann verschwindet er in der Kernstelle der Schlucht. Unkundige sollten das Boot umgehend verlassen und die nächsten 200 Meter zunächst vom Ufer aus betrachten. Die dicht hintereinander liegenden, teilweise rückläufigen Stufen mit technisch anspruchsvollen Ein- und Ausfahrten erfordern eine präzise Fahrweise und sollten evt. abgesichert werden. Die beste Fahrtroute ändert sich mit wechselnden Wasserständen, so daß sich eine genaue Beschreibung erübrigt.


Die "alte" Bergaufstelle... rechts die große Walze, links lauert ein Rücklauf.

Nach weiteren 200 Metern nimmt das Gefälle deutlich ab. Die Strecke bis zur "Großen Gumpe" ist pures Genusswildwasser mit langen, relativ übersichtlichen Blockstrecken und einer Reihe von kleineren Stufen.

Dieser Schluchtteil läßt sich übrigens auch von der Straße aus einsehen. Eine scharfe Rechtskurve vor einer hohen Felswand markiert die letzte schwierige Passage. Ein Bergsturz schuf hier 1986 einen Katarakt, der sich bei jedem Hochwasser verändert. Mal befindet sich die beste Durchfahrt auf der linken, mal auf der rechten Seite.


Klaus Koch im verblockten Unterwasser der letzten Stufe. Photo by Tobi Möhring

Eine Besichtigung schadet sicherlich nicht, zumal das Ganze ziemlich unsauber daherkommt und akute Klemmgefahr bestehen kann. Die folgende Abseilstrecke bildet den entspannenden Ausklang für eine Befahrung der Großen Schlucht, es sei denn, man verspürt noch Lust auf einen "netten" Spaziergang zur 100 Meter höher liegenden Straße.

Nils Kagel
Fotos © Nils Kagel, Dirk Bormann, Tobias Möhring, Toni Edelmayr, Werner Moser
Die Fotos entstanden bei unterschiedlichen Wasserständen.

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Loferbach / Strubbach

Facts

Land Slowenien
Ort Einstieg Tolmin
Ort Ausstieg
Klassifizierung Wildwasser
Kategorie Offener Wildbach
Niederwasser 55
Mittelwasser 75
Hochwasser 100
Schwierigkeiten
(nach Addison)
IV|4|B - IV+|5|B