Taraschlucht

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Die Taraschlucht

- Eine Fahrt durch die Taraschlucht gehört zu den Highlights eines jeden Paddlers, auch wenn die wildwassertechnischen Schwierigkeiten „nur“ im moderaten Bereich liegen.

Die Befahrung der Tara sollte als ein Teil eines großartigen Paddelurlaubes gesehen werden, da rund 1600 km für die Befahrung ( plus etwa 40-50,-€ Maut  oneway) in Kauf genommen werden müssen. So geht es durch Österreich, Slowenien, Kroatien, Bosnien nach Montenegro. Hierbei empfiehlt es sich, die Autobahn Zagreb – Split zu nehmen und sich so endlose Stunden auf der kroatischen Küstenstraße zu sparen. Man biegt nach elendig langer Anfahrt bei Dubrovnik links ab, fährt durch einen bedrückend armen (und immer noch verminten) Landstich Bosniens weiter nach Montenegro, vorbei an Niksic  und Zabeljak zur Tarabrücke.
Hier befindet sich eine für Kajakfahrer große Hilfe – Miro von mirotara.com.

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Er ist erster Ansprechpartner in Sachen, Zimmervermietung, Shuttleservice und Fragen aller Art. Auch hilft er bei Fragen zum Permit. Dieses sollte - wenn auch zähneknirschend – bezahlt werden. Eine Umgehung der Permitgebühren (75,-€/Paddler für Zweitagestrip bzw. 105,-€ für 3 Tage in der Nebensaison) ist fast unmöglich, da in Montenegro alle zusammenarbeiten. So wurde unsere Ankunft an der Tara bereits telefonisch von einer Polizeistreife gemeldet, unser Tun beim Boote packen von vorbeikommenden Polizisten genau beobachtet (Wir waren zwei Paddler mit insgesamt vier Booten auf dem Dach; was passiert dann mit den anderen Booten wurde uns gefragt) und mussten in Miros Kneipe auf den Ranger warten.

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Papierkram mit dem Ranger

Auf unsere Frage, ob man das Permit nicht umgehen kann, antwortete unser Vermieter nur „Then you will have very big problems“. ...

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Start zum Paddeln der insgesamt ca. 80 km lange Strecke (Angaben für diese Strecke reichen von 60-105 km sowie von WW2-WW5!!!) ist die Rangerstation ca. 3 km oberhalb der Brücke. Schnelle Strömung und Null Schwierigkeiten lassen allen Stress und Anspannung der Anreise und Vorbereitung vergessen. Nach der rund 150 m hohen Bogenbrücke empfängt einen der erste Wildwasserabschnitt mit höheren Wellen sowie einigen Felsen im Wasser (je nach Wasserstand WW 2-3). Anschließend geht es noch ca. 2 Stunden gemächlich mit max. WW2 dahin, es bleibt also genügend Zeit und Muße für die unzähligen Karstquellen, die bemerkenswert schöne Natur, die vielen Verschneidungslinien (die wohl größte Gefahr am ersten Tag), welche gerne die voll gepackten Kajakhecks absaugen...

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Karstquelle

Nach ca. 3 Stunden Fahrzeit erscheint auf der linken Seite das Camp der Ranger. Eine Übernachtung im Zimmer kostet hier 16,-€, Zelten 10,-€/Person. Der „Hüttenwirt“ empfing uns bereits und fragte, ob wir die beiden Deutschen mit Permit seien. Nach unserer Bejahung verweigerte er uns höflich aber bestimmt den Zutritt, da wir unser Nachtquartier beim Camp der Bosnier weiter unterhalb gebucht hatten. So ging es für uns dann weiter in den tiefsten Teil der Schlucht. Nach einer Hängebrücke (halb verfallen) kommt man zu den wildwassertechnisch anspruchvollsten Passagen: Satte 500m á la Imster Schlucht laden bei WW3 zum Spaß haben ein.

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Ab und an zeigen sich hier auch einige Zeltmöglichkeiten, wer also „wild“ unterwegs ist, sollte es sich hier für die Nacht gemütlich machen. Rund eine Stunde nach dem Rangercamp befindet sich auf der rechten Seite das Grenzschild der Serben, welches auch das Ende des Nationalparks auf der rechten Seite der Tara darstellt. Nach und nach wird die Schlucht nun offener und man fährt unter einer zweiten Hängebrücke durch. Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zum heiß ersehnten Camp Enzian (Brstanovica) auf bosnischer Seite, welches nach gut fünf Stunden Fahrzeit auf der rechten Uferseite liegt.

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Die Gastfreundlichkeit der dortigen Arbeiter zeigte sich daran, dass man uns erstmal ein Bier in die Hand drückte und uns durchs Camp führte. Dieses ist sehr sauber, es sind alle paar Meter Mülleimer aufgestellt, Duschen + Toiletten sind okay, unsere Hütte war brandneu und mit zwei Betten der Bundeswehr bestückt.

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Sogar Schlafsäcke und Kissen waren vorhanden !! Die Kosten mit 10,-€/Person sowie 1,50€ pro 0,5er Bier gehen somit voll in Ordnung; Kaffee ist kostenlos. Wir selbst wurden abends noch zum Essen und auf diverse Getränke eingeladen. Für solch eine Übernachtungsmöglichkeit sucht man in den Alpen seeehr lang....

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Tag zwei bietet 18 Kilometer Traumwildwasser: hohe (Surf-)Wellen, keine giftigen Walzen, lang gezogene Wavetrains á la Imster und die immer noch großartige Landschaft lassen diese Strecke zum Genuss werden. Nach rund zwei Stunden Paddeln nehmen die Schwierigkeiten allmählich ab und erste „Bauteile“ (Strommasten, Häuser, Brückenpfeiler etc.) kündigen das Ende einer großartigen Tour an.

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Der Ausstieg liegt an der Straßenbrücke auf der linken Seite. Hier befindet sich eine Raftstation, der Pegel, sowie ein Kiosk, während auf der rechten Seite der bosnisch-montenegrinische Granzübergang wartet.
Miro holt einen hier ab, und man sollte es nicht verpassen, der Tara nochmals „do videnja“ gesagt zu haben, ehe es in rund drei Stunden Fahrzeit (!!) wieder zur Tarabrücke geht.

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Uwe Spies und Timo Weickenmeier

Tara auf einem Blick:

Start:
Rangerstation drei Kilometer oberhalb der berühmten Tarabrücke.

Ausstieg:
Brücke am Granzübergang bei Hum.

Distanz:
ca. 80 km (Angaben von Locals, Karten, Internet variieren zwischen 60 und 105 km).

Permit:
2-Tage-Ticket: 75,-€, 3-Tage-Ticket 105,-/Person; in der Hauptsaison (Juli – September ist es erheblich teurer).

Übernachtung im Camp Enzian auf bosnischer Seite (Miro kann dort reservieren).

Ausrüstung:
Bequemes Boot, da man einige Stunden am Tag auf dem Wasser ist; Abendessen, Kocher, Frühstück, (Fleece-)Schlafsack, Müsliriegel, Trinkwasser kann bei den vielen Karstquellen gezapft werden, trockene Kleidung, Erste Hilfe Ausrüstung.

Pegel:
Die Beschreibungen beziehen sich auf einen Pegel von 190 cm am Ausstieg, was zu viel Wasser für Touristenrafter bedeutet. Ähnlich wie bei Flüssen wie Imster & Co. verträgt auch die Tara viel Wasser, ohne dabei schwieriger zu werden.

Gefahren:
- Ranger + Polizei, wenn man ohne Permit paddelt
- Z.T. giftige Schlangen in erheblicher Anzahl; Augen auf beim Rumlaufen
- Heftige Verschneidungslinien und Pilze nach Felsen und engen Durchfahrten
- Bitte nur an vertrauenswürdig aussehenden Tankstellen neueren Baujahres tanken und immer genügend Ersatzbenzin mitführen.

Hilfe vor Ort:
http://www.mirotara.com/  - Miro hilft bei ALLEN Fragen/Problemen; zuverlässiger
Shuttleserviece (30,.-€  für den eigenen PKW oder 80,-€ mit Transit/Landrover).

Straßenverhältnisse:
Mit einem VW-Bus keine Probleme, voll bepackte VW-Golfs dürften ab und an Bodenkontakt haben. In Montenegro wurde das Schlagloch erfunden. Immer genügend Eratzteile mitnehmen. Euroschutzbrief wird empfohlen. Besser nicht bei Nacht fahren, da man die Schlaglöcher/Steine/Rinnen wohl erst zu spät sieht.

Weitere zu paddelnde Bäche:
- Weiterfahrt auf der Tara, die sich nach 300m nun Drina nennt; sollen 40 km leichte Kilometer mit tollen Spielstellen sein.
- Moraca (ähnlich wie Soca Abseilstrecke nur viiiieeel länger) WW 2-4; 1x WW5 Zwangspassage.
- In der Region um die Stadt Foca (Bosnien) soll es gute Bäche geben
- Bucht von Kotor auf der Heimreise
- Mehrere Bäche, die es niemals in einen DKV-Führer schaffen werden.

Bericht: Timo Weickenmeier

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Wellen beim Campingplatz Sobec

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Eine südnorwegische Wildwasserperle

Facts

Land Montenegro
Ort Einstieg Zabeljak
Ort Ausstieg
Klassifizierung Wildwasser
Kategorie Offener Wildbach
Schwierigkeiten
(nach Addison)
0|1|C - III|2|C