Untertalbachklamm

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Untertalbach

Der Untertalbach dürfte den meisten Schwerwasserpaddlern kein Unbekannter sein. Schließlich ist er auch im DKV-Führer erwähnt. Grund genug also, um ihn noch einmal ausführlicher zu behandeln.


Der hohe Fall - Photo: Stefan Renner

Der Untertalbach entspringt aus einem See, der sein Wasser aus den Schladminger Tauern bezieht. Er bildet zusammen mit dem Obertalbach den Talbach, der anschließend durch die gleichnamige Klamm der Enns entgegenstürzt. Das Einzugsgebiet des Untertalbachs liegt zwar deutlich über 2000 Metern, jedoch keinesfalls im Gletscherbereich. Hieraus ergibt sich einerseits der Vorteil, daß man es nicht mit einer trüben Gletscherbrühe zu tun hat, sondern mit klaren, grünlich schimmernden Fluten. Anderseits ist die Besuchszeit auf Früh- und Hochsommer beschränkt. Wenn der Pegel unterhalb des Zusammenflusses mit dem Obertalbach 1,10 anzeigt, ist der Wasserstand für eine Erstfahrt günstig. Richtig spaßig wird es für den "Eingeweihten" erst bei Pegelständen zwischen 1,20 und 1,30. Darüber könnte eine Befahrung allerdings der Gesundheit abträglich sein.


Anfahrt zur langen Rutsche

Das Praktische am Untertalbach ist, daß er sich anfangs sehr gelassen gibt. Die Schwierigkeiten gehen nicht über WW 1-2 hinaus. Nach einem kurzen Stau mit einem Wehr geht es mit flotten, verblockten Schwällen immer noch recht gemäßigt zu. Erst auf den letzten zwei Kilometern steigern sich die Schwierigkeiten sprunghaft. Zwar beträgt das Durchschnittsgefälle "nur" 50 °/oo, aber es wird dies sehr ungleichmäßig abgebaut. Längeren mittelschweren Stücken folgen jeweils steile Abbrüche in Form von hohen Stufen und Rutschen. Ein Umtragen der Stellen ist eigentlich immer möglich. Es sei jedoch angemerkt, daß das Anhalten vor unübersichtlichen Passagen bei viel Wasser recht problematisch werden kann.

Wo die ansonsten stets begleitende Straße vom Fluß wegführt, befindet sich die erste einer Reihe von Schlüsselstellen des Untertalbachs. Die Eingangsstufe sollte mittig über den Strahl genommen werden, dann dürfte es erfahrungsgemäß glatt gehen. Jetzt heißt es jedoch aufgepaßt! Hinter der nächsten Kurve beginnt unvermutet eine kleine Klamm mit mehreren Stufen, die zunächst rechts und dann links entlang der Wand gefahren werden müssen. Besonders pikant können vom Oberwasser aus nicht sichtbare Baumhindernisse werden. Also am besten rechtzeitig anlanden und besichtigen!


Die Insel hinter der langen Rutsche.

Nach einem kurzen Zwischenstück Marke Strubach steht der Kajakfahrer erneut vor einer Abbruchkante. Der sechs Meter hohe Fall ist sicherlich der fotogene Höhepunkt des Untertalbachs. Die Anfahrt ist mit einer hinterlistigen Schrägwalze garniert, so daß technisch weniger versierte Fahrer häufig in der Verschneidung auf der rechten Seite verschwinden. Ein gepflegter Boof auf der linken Seite ist dem jedoch vorzuziehen. Wer es nämlich nicht schafft im großen Tumpf zu rollen, wird unweigerlich die folgende Rutsche hinunterschwimmen. Bestimmt nicht gerade eine angenehme Angelegenheit.
Der erwähnten Rutsche folgt noch eine kleine, lustige Stufe, ehe man in ein leichtes Zwischenstück entlassen wird. Die Ruhe ist jedoch trügerisch. Kaum kommt ein Steg in Sichtweite, sollte links oder rechts ausgesetzt werden. Die folgende "Mühlenstufe" ist nicht jedermanns Sache. Über eine Rampe mit ca. fünf Metern Höhenunterschied nimmt das Wasser Anlauf, um frontal gegen die gegenüberliegende Felswand zu prallen. Die Kunst besteht darin, die Stufe von rechts nach links zu schneiden, um eine schmerzvolle Kollision zu vermeiden. Man sollte sich jedoch auch bei einer gelungenen Befahrung nicht zu früh freuen, denn insbesondere bei höheren Wasserständen entsteht hinter der nächsten Stufe ein netter Kreisel, der Trödler ganz schön rotieren lassen kann.


Die Eingangsstufe der Untertalbachklamm

Langsam, aber sicher nähert man sich der, subjektiv gesehen, schwierigsten Stelle des Untertalbachs. Ein harmlos aussehender Schwall endet unvermutet in einer kleinen Stufe. Im Unterwasser befindet sich rechts ein großes Kehrwasser, von dem aus man die folgende Rutsche am besten anfahren kann. Wer hier wie und wo fährt, überlasse ich jedem selbst. Eine klemmgefährliche Verschneidung im Zentrum sollte auf jeden Fall gemieden werden. Die Felsinsel in Flußmitte kann anschließend entweder links über eine Rutsche oder rechts durch einen Felskanal umfahren werden. Das Finale bilden einige niedrige, aber durchaus ernstzunehmende Stufen, bevor der Untertalbach wieder so tut, als ob nichts gewesen wäre.


Rutsche hinter dem hohen Fall.

Auf dem letzten Kilometer nehmen die Schwierigkeiten deutlich ab. Hier und dort überrascht noch ein kleiner Absatz. Ansonsten dominieren spritzige Schwälle. Bald öffnet sich das Tal und die ersten Häuser treten an den Bach. Kurz nach dem Zusammenfluß mit dem Obertalbach ist die Aussatzstelle erreicht. Wen der Hafer sticht, kann die Fahrt noch bis zum Wehr in der folgenden Talbachklamm fortsetzen. Voraussetzung hierfür ist der richtige Wasserstand und fehlende Verklausung.


Die lange Rutsche von unten gesehen.

Kurzinfo:

Einsatz: Am oberen Talende oder unmittelbar vor der Untertalbachklamm (Straßenbrücke).

Aussatz: Direkt hinter der Straßenbrücke nach dem Zusammenfluß mit dem Obertalbach (Pegel).

Fahrtstrecke: Für die 2 km lange Schluchtstrecke sind etwa zwei Stunden zu veranschlagen.

Charakter und Schwierigkeiten: Auf den ersten 6 km Wald und Wiesenbach, WW1-2. Nach einem Wehr
allmähliche Steigerung auf WW3. In der Untertalbachklamm stetiger
Wechsel zwischen mittelschweren Stücken à la Strubach (WW3-4) und
steilen Grundgesteinsabbrüchen à la Tessin (WW5).

Pegel: Am Aussatz. MW: 1,10m. HW: 1,30m.

Nils Kagel
Photos: Alle Bilder by Stefan Renner

© Soulboater.com 2002

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Unterhalb Strombodingfall - Steyerbrücke

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Wolfsschlucht

Facts

Land Österreich
Ort Einstieg Schladming
Ort Ausstieg
Klassifizierung Wildwasser
Kategorie Sturzbach Klamm
Niederwasser 100
Mittelwasser 125
Hochwasser 140
Schwierigkeiten
(nach Addison)
II+|3|A - V|4|B