Untere Venter Ache, Lehen - Zwieselstein

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Venter Ache, Bootsspaß im oberen Ötztal

Im Herbst, wenn andere Bäche längst zu feuchten Waldwegen verkommen sind, die sich allenfalls mit dem Mountainbike befahren lassen, bietet die Ötztaler Ache aufgrund ihres Gletscherursprungs in den meisten Fällen noch annehmbare Wasserstände, die eine Befahrung ihrer bekanntesten Strecken zu einem Genuß ohne übermäßigen Streß werden lassen. Dies war auch der Grund, warum wir dieses Tal als Ziel für die Soulboater-Tour 2001 ausgewählt hatten. Nach Befahrungen von unterer und oberer Ötz zog es uns weiter talaufwärts an der Kühtreinschlucht vorbei nach Zwieselstein, einem kleinen ursprünglichen Dorf am Fuße des Timmelsjochs, wo Gurglbach und Venter Ache zusammenfließen und ab hier den Namen Ötztaler Ache führen.


Jan-Peter auf der unteren Venter


Blickt man den Gurglbach einige 100 Meter flußaufwärts, sieht man eine Durchbruchstrecke mit imposanten Stufen, die wir uns dann doch nicht antun wollten. Die Venter Ache kommt dagegen flacher aus einem in diesem Teil etwas breiteren Tal in einem Kiesbett angerauscht und lockt geradezu nach einer Befahrung.

Ihre Strecke gliedert sich in 3 Abschnitte: Der 1. Teil beginnt in dem Bergsteigerdorf Vent, wo sich auch ein Schreibpegel befindet. Die Venter rauscht hier oberhalb der Baumgrenze mit starkem Gefälle durch ein grobverblocktes enges Flußbett. Vor der ersten hohen Straßenbrücke nach Vent sollte man als mittelstarker Fahrer aussteigen, da sich nach einem sehr schweren Katarakt bald die 2. Etappe anschließt, die Heiligkreuzschlucht. Sie sollte aufgrund ihrer Zwangspassagen nur bei wirklich niedrigem Wasserstand befahren und man sollte sich vergewissern, daß keine Lawinen im Bach liegen oder diese zumindest problemlos durchfahrbar oder umtragbar sind.



Nach dieser Klamm befindet sich orographisch links oder auch Backbord, wie der Norddeutsche Wildwasserfahrer sagt, ein Bauernhof und wenige Meter unterhalb eine hölzerne Brücke. Hier ist der Einstieg zum 3. Abschnitt der Venter Ache. Aus dem Ötztal kommend befindet sich an der Talstraße ein Hinweisschild Richtung Lehen, da geht es zum Einstieg. Parkmöglichkeiten für einige wenige Fahrzeuge befinden sich kurz oberhalb schon vor der Holzbrücke, nur sollte auf keinen Fall die Zufahrt zum Bauernhof und zu den Wiesen verstellt werden. Um ans Wasser zu gelangen, sollten die Boote direkt vor der Brücke orographisch rechts abgelassen werden, auf keinen Fall flußaufwärts über die Wiese tragen, der Bauer wird schnell böse, wenn er das sieht, und mit Recht!



Von der Brücke hat man einen guten Einblick in die typischen Schwierigkeiten der unteren Venter. Der Wildbach rauscht mit starkem Gefälle zu Tal, Walzen bildend und zwischen großen Blöcken hindurch. Kajakfahrer, die sich nicht zu den Fans anmutig dahintosender Wassermassen zählen, sollten am besten vormittags hier einsteigen, da man bei starker Sonneneinstrahlung auf den Gletscher je nach Mentalität freudig oder mit gemischten Gefühlen zuschauen kann, wie die Wassermenge bei zunehmender Graufärbung anschwillt. Die Venter Ache ist nämlich ein echter Gletscherbach, der noch keine Ableitungen erlitten hat.


Herminator im Micro240 nach dem Bauernhof Lehen nach der Einstiegsbrücke

Nach dem Einstieg folgen 500 Meter, die gut auf Sicht gefahren werden können. Dann kommt ein erster Felsriegel, durch dessen Blöcke es kurvig und verwalzt hindurchgeht. Ein kurzes Aussteigen und Anschauen bei der ersten Fahrt schadet nicht, genausowenig wie in der ersten kleinen Klamm, wo es hinter einem großen Felsen 3 Durchfahrten gibt, die leider vom Kehrwasser aus nicht eingesehen werden können.


J-P und Manni "the Don" im Katarakt

Nach 2 Brücken kommt dann der früher als steckgefährlich berüchtigte "Katarakt", der sich gegenüber Befahrungen in den letzten Jahren deutlich präsentiert und nach einer Eingangs-Boof-Stufe von mittig nach links durch einige Walzen befahren wird. Es folgt eine kurze unschwere Schlucht mit kleinen Stufen und nach einigen steilen Kiesbankschwällen eine scharfe Linkskurve. Hier fällt das Wasser nach einer verblockten Anfahrt über einen Felsriegel in ein Tosbecken, dessen Wände jedoch nicht unterspült sind. Für die Befahrung gibt es zwei Möglichkeiten: entweder links auf der Stromzunge die scharfe Rechtskurve ausfahren oder rechts mit Schwung über den Felsriegel ins Loch boofen.


Darko in der oben beschriebenen Stufe

Nach dieser Stelle geht es noch einige schöne verwalzte Stufen hinab. bis sich das Tal weitet und die Häuser von Zwieselstein und damit der Ausstieg in Sicht kommen. Die Fahrt beendet man am besten am Alpenvereinshaus vor der Straßenbrücke Richtung Timmelsjoch. Wer Lust hat, kann direkt weiterfahren, hier befindet sich auch der Einstieg zur Kühtreinschlucht der Ötztaler Ache.
Es muß allerdings erwähnt werden, das es sich bei der Kühtreinschlucht um einen richtig schweren und sehr gefährlichen Abschnitt der Ötztaler Ache handelt. (Siphone, Zwangspassagen!!)
Wir beendeten aber hier unsere Fahrt, um die Venter gleich noch einmal zu befahren, denn ohne Besichtigung einfach runterbraten, macht auf diesem Bach am meisten Spaß.

Kurzinfo Venter Ache:

Oberlauf bzw. Quellfluß der Ötztaler Ache

Beschriebene Fahrtstrecke: Bauernhof Lehen - Zwieselstein, 4 Kilometer

Schwierigkeiten: WW III - IV (IV+) bei Pegel Tumpen 195, darüber wuchtiger und auch gefährlicher, Vorsicht, Schwierigkeiten nehmen bei viel Wasser rapide zu.

by Jan-Peter

© Bilder by Jan-Peter & Hermann Grube, Soulboater.com 2002

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Mittlere Venter Ache, Heiligkreuzschlucht

Facts

Land Österreich
Ort Einstieg Sölden
Ort Ausstieg
Klassifizierung Wildwasser
Kategorie Offener Wildbach Klamm
Niederwasser 190
Mittelwasser 220
Hochwasser 240
Schwierigkeiten
(nach Addison)
III|3|B - IV+|4|C