Oberer und Unterer Walchen

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Ein Fluss für zwei Jahreszeiten – Der Walchen

Es gab Zeiten, da entsprang der Walchen direkt aus dem Achensee. Damals muss er das ganze Jahr hindurch befahrbar gewesen sein. 1927 wurde der See zu einem Hochspeicher umgewandelt und seitdem wird sein Wasser über Druckrohre direkt zu einem Kraftwerk in Jenbach am Inn geleitet. Sein natürlicher Abfluss, der Walchen, wurde verschlossen und fiel daraufhin in seinem Oberlauf komplett trocken. Heute deutet nur noch eine feuchte Wiesenmulde darauf hin, dass hier einstmals ein lebendiger Wildfluss sprudelte. Auch der größte Zubringer des Walchen, der Ampelsbach, wird seit 1929 zum Achensee abgeleitet. Für den Kajakfahrer bedeuten diese Eingriffe in den Wasserhaushalt des Flusses, dass er auf österreichischem Gebiet nur noch während der Schneeschmelze und nach starken Regenfällen befahren werden kann.


Hinterspülte Stufe im "Wasserfallcanon"

Die Einsatzstelle für den obersten Abschnitt des Walchen befindet sich von der Grenze kommend kurz vor der Ortschaft Achental, bei einem Sägewerk am orographisch gesehen linken Ufer. Für eine genussvolle Befahrung der Folgestrecke sollte man hier ohne Grundberührung paddeln können. Bitte nicht beim hundert Meter unterhalb liegenden Privatsteg einsteigen, da der Grundstücksbesitzer kein Paddlerfreund ist.


Daniel in der Einfahrt zur Doppelstufe

Schon nach einigen hundert Meter entfernt sich die Straße vom Bach. Es beginnt eine pittoresk wirkende Schlucht mit Niedrigklammabschnitten. Viele kleine Grundgesteinsstufen und Katarakte, unterbrochen von ruhigen Gumpen sorgen für ständige Abwechslung. Schnell werden die Absätze höher und die Hälse der Paddler länger. Wem die Sache zu unsicher ist, hat jedoch fast überall die Möglichkeit, sich vom Ufer aus die nötige Übersicht zu verschaffen.


Jan lässt es lässig angehen


Kein Sichtkontakt zum Unterwasser - Jan in der Einfahrt zur Doppelstufe

Spätestens nach einer schönen Zweimeter-Stufe sollte auch der eingefleischte „Auf-Sicht-Paddler“ kurz das Boot verlassen. Der folgende Dreimeterfall ist tief hinterspült und sollte auf jeden Fall abgesichert werden. Nur wenige Meter unterhalb befindet sich die schwerste Stelle des oberen Walchen. Diese Doppelstufe mit etwa sechs Meter Höhenunterschied sollte ebenfalls gut abgesichert werden. Bei mehr Wasser wird die zweite Stufe rückläufig.


Jensi stylt

Der verbleibende Teil der Schlucht ist leichtes Wildwasser. Die beste Aussatzstelle befindet sich etwa 600 Meter nach der Schlucht, an der ersten Straßenbrücke über den Fluss. Wer Lust hat und genügend Wasser vorfindet, kann auch die Folgestrecke befahren. Die Schwierigkeiten gehen jedoch nie über WW II hinaus.

Einen Kilometer nach der Grenze fließt der Walchen in einen kurzen Stausee, an dessen Ende er über ein drei Meter hohes Wehr fällt, das bei höheren Wasserständen einen gefährlichen Rücklauf bilden kann. Die dahinter beginnende „Straßenklamm“, die von der hoch darüber verlaufenden Straße aus eingesehen werden kann, weist jedoch keine nennenswerten Schwierigkeiten auf.


Nils in der Mittelstation der Doppelstufe

Nach der Klamm fließt der Walchen durch eine offene Waldschlucht. Der erste Katarakt ist insbesondere bei Niedrigwasser klemmgefährlich und sollte evt. umtragen werden. Der gleich darauf folgende sogenannte „Nasengumpen“, eine Zweimeter-Stufe, ist hingegen ein Genusshupfer.

In einem Niedrigklammabschnitt beruhigt sich der Walchen kurzzeitig. Wenn am Ufer das kleine Pegelhäuschen erscheint, wird es ernst! Über eine enge, ca. drei Meter hohe Stufe fällt der Walchen in einen Tumpf mit tief unterspülten Wänden. Die „Saugumpe“ (von manchen auch als „Plumpsklo“ bezeichnet) ist kein Ort, an dem man gerne schwimmen möchte. Sie sollte nur bei wenig Wasser befahren und gut abgesichert werden.


Sascha bombt ins Unterwasser

Die anschließende Niedrigklamm entlässt den Paddler erneut in einen kleinen Stausee, an dessen Ende sich eine zehn Meter hohe Geschiebebremse befindet, die sich am linken Ufer problemlos umtragen lässt. Unmittelbar danach beginnt der anspruchsvollste Abschnitt des Walchen. Ein längerer Katarakt im vierten Schwierigkeitsgrad bildet die Anfahrt zu einem, je nach Wasserstand, vier Meter hohen Fall. Auch hier sind die Ufer stark unterspült. Bei guten Wasserständen entsteht ein mindestens sechs Meter langer Rücklauf. Ein Schwimmer hat praktisch keine Chance, sich selbst daraus zu befreien. Zu allem Überfluss erschweren die überhängenden Felswände eine effektive Sicherung. Im Frühjahr 2005 soll es hier einen tödlichen Unfall gegeben haben. Eine Befahrung ist, wenn überhaupt, nur bei Niedrigwasser zu empfehlen. Die Abschlussklamm selber ist unproblematisch. Kurz darauf mündet der Walchen bereits in den Sylvensteinspeicher.


Kurzbeschreibung Walchen

Oberer Walchen „Wasserfallcanon“

Einsatz: Sägewerk bei Achental, nicht beim Privatsteg einsteigen!
Aussatz: Erste Straßenbrücke nach der Schlucht.
Fahrstrecke: 2 km
Charakter: Verwunschene Waldschlucht mit vielen Grundgesteinsstufen und kurzen Klammabschnitten.
Schwierigkeiten: WW III-IV a/b (IV b/b, V b/b)
Besondere Gefahren: Klemmgefahr bei wenig Wasser, Hinterspülung an einer Stufe.
Befahrungszeit: Frühjahr und nach Regenfällen, wenn der Unterlauf zu viel Wasser führt.
Pegel: NW 70 cm, MW 90 cm, HW 100 cm

Unterer Walchen

Einsatz: Kleiner Stausee vor der „Straßenklamm“.
Aussatz: Sylvensteinspeicher, am rechten Ufer.
Fahrstrecke: 5 km
Charakter: Anfangs kurze Klamm, später offene Waldschlucht mit kurzen Niedrigklammabschnitten.
Schwierigkeiten: WW III a/a (IV b/a, IV a/a, V c/a, V c/a)
Besondere Gefahren: Unterspülungen, Rückläufe bei viel Wasser.
Befahrungszeit: Frühjahr bis Sommer, wenn der Oberlauf zu wenig Wasser führt.
Pegel: NW 30 cm, MW 50 cm, HW 70 cm

 

Nils Kagel

Alle Fotos vom oberen Walchen beim wenig Wasser (Pegel 70cm)
Fotos: Mangelsgeldproduktion

Vorige Beschreibung

Vorderer Rettenbach

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Klamm

Facts

Land Österreich
Ort Einstieg Innsbruck
Ort Ausstieg
Klassifizierung Wildwasser
Kategorie Sturzbach Klamm
Niederwasser 70
Mittelwasser 90
Hochwasser 100
Schwierigkeiten
(nach Addison)
III|2|B - V|5|B